Review: Eugen Onegin an der Schaubühne

Wenn heutzutage ein Theaterstück mit historischen Kostümen inszeniert wird und das Bühnenbild mit originalem Dekor, Möbel und Tapeten des 19. Jahrhunderts ausstaffiert ist, dann befürchten viele einen schweren Historienschinken. Tatsächlich bietet sich Puschkins Versepos “Eugen Onegin”, der auch als Enzyklopädie des russischen Lebens der zaristischen Zeit bezeichnet wird, an, nach originalem Vorbild inszeniert zu werden. Durch verschiedene Brüche verhindert der Regisseur Alvis Hermanis aber das Abgleiten zu einer langatmigen Aufbereitung von Geschichtsstoff.
Die Bühne präsentiert sich als mehrere nebeneinanderliegende Zimmer, teilweise aus verschiedenen Herrenhäusern, die mit schweren Sekretären, Betten, Sesseln, Schminktischen etc. vollgestellt sind. Die Schauspieler kommen in Jeans und Sweatshirt auf die Bühne und nehmen auf den Sesseln und Hockern Platz. Zunächst werden mit Videoprojektionen und Sprechrollen die Gewohnheiten und kulturellen Bräuche der Zeit eingeführt, um den Kontext verständlicher zu machen. Erst danach ziehen sich die Schauspieler einer nach dem anderen aus und werden angekleidet, ins Korsett gesteckt und frisiert.

Eugen Onegin, ein junger wohlhabender Müßiggänger aus Petersburg, macht eine Erbschaft und zieht nun, des Großstadtlebens überdrüssig, als Gutsbesitzer aufs Land. Nach kurzer Zeit bereits gelangweilt und angeekelt, wendet er sich den Töchtern eines benachbarten Gutbesitzers zu und verlobt sich mit Olga. Es ist jedoch ihre Schwester Tatjana, die sich unsterblich in Eugen verliebt und ihm ihre Liebe in einem Brief gesteht. Eugen weist sie zynisch zurück, was sie tief trifft. Die Tragödie nimmt ihren Lauf und es kommt zum Duell, einem Todesfall und vielen gebrochenen Herzen.

Zwischendurch werden immer wieder historische Fakten und Bräuche erläutert, wie um das Geschehene zu kommentieren oder zu erläutern. Das Stück wird in Versen gespielt, die Schauspieler haben Sprechrollen. Die Anlehnung ans epische Theater schafft einen scharfen Kontrast zu den naturalistischen Bemühungen um historische Kostüme und Requisiten. Trotzdem wurde das Stück als eine Mischung aus verschiedenen theoretischen Ansätzen konzipiert und entzieht sich so der Eindeutigkeit. Insgesamt ist es eine beeindruckende Produktion, die sich aus den zahlreichen zeitgenössischen Inszenierungen der russischen Realisten positiv hervorhebt.

Stimmen aus dem Publikum:

Review: Eugen Onegin an der Schaubühne

© Seeance Magazin_Nadine Zoller

Ivonna, 25: Das Thema des Stück geh mir sehr nahe, weil ich in einer ähnlichen Situation wie Tatjana bin. Mein Freund und ich sind zusammen hier, wir haben erst gestern schlußgemacht. Ich würde gerne wissen wie er über das Stück denkt. Ich war sehr gespannt wie der Regisseur die Mischung zwischen Klassik und Moderne interpretieren würde. Ausserdem kommt er wie ich aus Lettland. Es war sehr interessant, ich habe es sehr genossen

Review: Eugen Onegin an der Schaubühne

© Seeance Magazin_Nadine Zoller

Gerry, 28: Ich kannte das Stück vorher nicht es hat mir aber gut gefallen. Der Anfang war etwas seicht etwas unspannend. Die Schauspieler haben am Anfang einfach nur dagesessen.
Später wurde es aber sehr gut.

Review: Eugen Onegin an der Schaubühne

© Seeance Magazin_Nadine Zoller

Gökhan, 32: Ich fand das Stück ok. Ich bin nicht überall ganz mitgekommen, nach einer Weile ließ die Konzentration nach, das lag an der Reimform des Stückes.
Das Bühnenbild war gut, die Schauspieler und das Handwerk sehr gut. Die Thematik, der Liebesschmalz ist aber nicht so mein Ding.

Weitere Vorführungen:

25.12.2011, 19.30 Uhr
26.12.2011, 19.30 Uhr
27.12.2011, 19.30 Uhr
05.01.2012, 20.00 Uhr
07.01.2012, 20.00 Uhr
08.01.2012, 20.00 Uhr

Kartentelefon: 030.890023

Review: Eugen Onegin an der Schaubühne


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