Review: EINMAL HANS MIT SCHARFER SOßE - Türken, kennste Türken? Kennste?

Review: EINMAL HANS MIT SCHARFER SOßE - Türken, kennste Türken? Kennste?
Fakten:
Einmal Hans mit scharfer Soße
BRD. 2014. Regie: Buket Alakus. Buch: Ruth Thoma, Hatice Akyün (Vorlage). Mit: Sesede Terziyan, Idil Uner, Adnan Maral, Şiir Eloğlu, Julia Dietze, Max von Thun, Demet Gül, Janek Rieke u.a. Länge: 96 Minuten. FSK: freigegeben ab 6 Jahren. Ab 12. Juni 2014 im Kino.

Story:
Als Fatma ihren Eltern verkündet, dass sie schwanger ist, ist die Freude groß, doch Fatmas konservative Eltern Ismael und Emine freuen sich nicht lange, schließlich ist ihre Tochter noch nicht verheiratet. Fatma würde ja gerne, doch nach anatolischem Brauch muss zuvor ihre ältere Schwester unter die Haube gebracht werden.

Meinung:
Da haben wir sie wieder: die interkulturelle Komödie über liebenswerte Deutschtürken und ihrem Verlangen nach Integration. Bereits der Trailer zu dieser austauschbaren Produktion vermittelt da routiniert und umfassend die oft-gesehene, überraschungsfreie Problematik des Films um Selbstbestimmung in Liebe & Ehe gegenüber den altbewährten Traditionen. Der Film an sich, basierend auf einem autobiographischen Roman von Hatice Akyün, enttäuscht keineswegs die daraus hergeleiteten Erwartungen. Als durchweg konventionelle Rom-Com präsentiert er uns seine stocksteife Protagonistin Hatice (Idil Üner), die zwar als selbstständige Powerfrau und Journalistin mit stylischer Spießer-Wohnung in Hamburg arbeitet, sich aber dennoch stets den urtümlichen Gepflogenheiten ihrer türkisch-stämmigen Familie in Salzgitter unterordnet - während die beliebige Kameraarbeit langweiligen Standard-Gloss aufträgt, jeder Szenenwechsel mit einem uninspirierten Reißschwenk vollführt wird und auf dem Score neben cartoonhaften Toneffekten immer wieder dieselbe synthetisch-quirlige Pizzicato-&-Klarinette-Muzak auf TV-Niveau herumdudelt.

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Papa ist ziemlich sauer

Hatices Familie ist jedenfalls ein ganz sympathischer, harmloser und glattgebügelter Haufen funktionaler Stereotypen mit guten Jobs, kulturellem Selbstverständnis und leckerem Essen, weshalb darin auch ein ebenbürtiger, allgemein-gültiger Konflikt wirken muss: die jüngste Schwester Fatma (Sesede Terziyan) will heiraten - da die Erstgeborene Hatice aber noch keinen Mann fürs Leben gefunden hat, muss sie ihrem Glück auf Befehl des starrköpfigen Vaters Ismael (Adnan Maral) hin traditionsgemäß entsagen. Hatice, ein selbsternannter 'sturer Esel, ganz nach dem Vater', tut sich nun mal schwer mit der Männerwelt, verzichtet bewusst auf die erwartungsgemäße Rollenerfüllung mit einem türkischen Freund, verscheucht mit ihrem Temperament allerdings auch die deutschen Buben. So müssen also schnell einige Notlösungen her, welche beständig fehlschlagen. Ob sie nun einen uneingeweihten Hans-Wurst oder einen ihrer schwulen Freunde (als Vorlage für altbackenste Situationskomiken) als vermeintlichen Verlobten vorstellt: es mag einfach nimmer gelingen. Das konservative Ziel der Heirat rückt immer weiter in die Ferne und treibt die Familie zur inneren Verzweiflung und Verstoßung.

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Ein Hoch auf verständnisvolle, deutsche Freunde

Eine tatsächliche, dramaturgische Intensität wird dabei trotz allem Herzschmerz natürlich nicht erwirkt - zu stark wiegt die Einsicht zur Integration mit humaneren Werten und progressiven Emanzipations-Neigungen, als dass die Beteiligten als familiäre Einheit wirklich lange böse aufeinander sein können. Ein Prince Charming scheint für Hatice ohnehin gefunden, doch findet sie auch langsam eher Gefallen an ihrem türkischen Kollegen in der Redaktion - wobei aber offen gelassen wird, ob sie sich für Letzteren entscheidet, damit keiner am Ende Blut-&-Boden-Ideologie bei diesem Film behaupten, nur erahnen kann. Aber auch wenn der Film letztendlich als harmloser, zum kulturellen-Austausch-bereiter Chick-Flick gelten will, fallen seine inkonsequenten Engpässe besonders ernüchternd auf. So unbeholfen-vorsichtig, wie er nämlich das stets aktuelle Thema um die Reformation unterdrückender Werte islamischer Kulturen angeht, glaubt man, dass der Film seine eigene Zielgruppe noch in Rollenmodellen aus den 1960ern oder 1970ern Jahren sieht und deshalb mit versöhnlich-biederer Babysprache arbeiten muss. Als hätte es nie jemanden wie Fatih Akin gegeben, wird hier mit dem Tragen von Miniröcken und tollen Schuhen verschmitzt kokettiert, während Geschichten von Frauen, die Kopftücher als Mode-Accessoires tragen wollen, zu bahnbrechenden und niedlichen Enthüllungen erhoben werden. Da verkommt jede Figur zum wandelnden Klischee, das sich ständig schlicht gleichgültig selbst verballhornen muss und dennoch so entgeistert-selbstverständlich seinen auferlegten Konventionen folgt, dass man schon von Egorassismus sprechen kann.

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"Die wollen, dass du deine Brüder holst"

Wenn 'Einmal Hans mit scharfer Soße' nicht im Wust zahlreicher, ähnlicher Produktionen von Natur aus untergehen würde, könnte man ihm vorwerfen, die Diskussion um das brisante Thema Integration im Alleingang um einige Jahrzehnte zurückzuwerfen. Ohnehin stellt sich auch die Frage, wie eigenständig und stark seine Frauenfiguren wirklich gezeichnet sind, wenn ihr größtes Ziel im Leben offenbar die Heirat zum Manne darstellt. Was aber als Faktum indiskutabel dasteht, ist die halbherzige Nutzung gängigster Kultur-Verallgemeinerungen für eine Reihe seichter und bissfreier Gags, die im Verlauf einer forcierten, formelhaften Sentimentalität Platz machen muss, um dem Kreislauf des routinierten Komödien-Baukastens auf möglichst-aufwandfreien, aber noch zweckmäßigen Wege gerecht zu werden (Anschlussfehler und Achsensprünge en masse mit einberechnet). Buket Alakus' daraus resultierender Film wirkt daher wie ein noch blasseres Pendant zum kontemporären Output eines Adam Sandlers, nur ohne die ab und an befreiende Respektlosigkeit einer dummen Pipi-Kaka-Pointe - alle haben sich am Ende wieder lieb und jeder hat Gelegenheit bekommen, auf sicherem Boden 'über sich selbst lachen zu können'. Dass dieses Verhalten jedoch wieder nur heuchlerisch die altbekanntesten Vorstellungen zur jeweiligen Kultur festigt, ist leider die Crux bei diesem Staffellauf recycleter Genre-Zutaten.

Nächstes Mal sollte man vielleicht doch die 'scharfe Soße' mit bestellen, so ganz nüchtern ist das nämlich fast schon eine Beleidigung an den Geschmack und die Intelligenz des Zuschauers, egal aus welcher Gemeinde er nun stammt.

2 von 10 Veggie-Dönern

vom Witte

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