Review: ALEX CROSS - Kriminalistische Klischeeparade

Review: ALEX CROSS - Kriminalistische Klischeeparade Fakten:
Alex Cross
USA. 2012. Regie: Rob Cohen. Buch: Marc Moss, Kerry Williamson, James Patterson (Vorlage). Mit: Tyler Perry, Edward Burns, Matthew Fox, John C. McGinley, Jean Reno, Carmen Ejogo, Rachel Nichols, Werner Daehn, Yara Shahidi, Cicey Tyson u.a. Länge: 106 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Auf DVD und Blu-ray erhältlich.
Story:
Kriminalkommissar und Polizeipsychologe Alex Cross untersucht mit seinem Partner Thomas Kane den brutalen Mord an einer Vorstandsvorsitzenden einer großen Firma. Der Killer, der sein Opfer brutal folterte, hinterlässt am Tatort selbstgemalte Skizzen. Diese führen Cross und Kane auf dessen Spur, doch damit fordern sie den Mörder heraus. Es kommt zu einem Katz-und-Maus-Spiel, welches auch unschuldige Opfern fordert.
  Meinung:
Nach „…denn zu küssen sind sie da“ und „Im Netz der Spinne“ ist „Alex Cross“ der dritte Filmauftritt des von Krimiautor James Patterson erfundenen FBI-Profiler. Da es sich hier um ein Prequel handelt, mimt die Titelfigur nicht mehr Morgan Freeman, sondern den in den USA äußerst bekannten wie erfolgreichen Darsteller/Regisseur Tyler Perry. Hier beschränkt sich Perry aber auf die Arbeit vor der Kamera. „The Fast and the Furiest“-Regisseur Rob Cohen übernimmt das inszenatorische Ruder und liefert einen Thriller ab, der hierzulande direkt fürs Heimkino ausgewertet wurde. Oftmals ein Zeichen dafür, dass ein Film wenig überzeugend ist. Trifft dies auf „Alex Cross“ zu?

Review: ALEX CROSS - Kriminalistische Klischeeparade

Tyler Perry als junger Morgan Freeman

Im Gegensatz zu den anderen Thrillern rund um Alex Cross, ist das Prequel kein klar inszenierter Thriller, sondern versucht immer wieder auch andere Genre-Spitzen in die Handlung zu integrieren. Behilflich dabei ist der Antagonist, der namenlose Killer, der wegen seinem Hang zur bizarren Malerei den Spitznamen Picasso erhält. Dieser agiert so professionell wie gnadenlos. Doch Rob Cohen gelingt es nie ihn als wirkliche Bedrohung darzustellen. Denn seine Figur changiert auf einer peinlichen, nach psychologischen Schauwerten geifernden, Ebene, irgendwo zwischen brutaler Tötungsmaschine und professionellen Assassinen. Picasso-Darsteller Matthew Fox („Lost“, „8 Blickwinkel“) wirkt darüber hinaus mit Glatze und durchtrainierten Körper eher wie ein Proll mit Dauerkarte fürs Fitness-Studio. Genauso dumpf wie mit seinem Bösewicht geht „Alex Cross“ auch mit seiner Titelfigur um. War Morgan Freeman in den vergangen Filmen ideal besetzt, wegen seiner kombinierenden wie detektivischen Ausstrahlung, so wirkt Tyler Perry in der Rolle  des jungen Cross eher wie ein bulliger Panzer, der mit gefühlt einer einzigen Mimik durch den Film rollt. Perry gelingt es nie die geistreiche Seite des Alex Cross überzeugend zu transportieren. Nur in den verzichtbaren Actionszenen kann er geringfügig überzeugen. Auch Cross Kollegen und die im Laufe der Handlung auftauchenden Verdächtigen, Schurken und Freunde wirken eher wie Fremdkörper.
Abseits seines fehlerhaften Castings versagt „Alex Cross“ aber auch in der Paradedisziplin des Thriller-Genres. Rob Cohen gelingt es wirklich über die gesamte Laufzeit keinerlei fesselnde Momente aus der einfach gestrickten Handlung zu konzentrieren. Da können auch keine harten Schicksalsschläge weiterhelfen, die hier immer wieder zu finden sind. Wie könnten sie auch? Schließlich sind, wie bereits erwähnt, die Figuren in „Alex Cross“ wenig überzeugend. Egal ob Empathie (die Helden) oder Abneigung (Bad Guys), nichts davon tritt ein. Einzig eine wirkliche Stärke hat die dritte Cross-Verfilmung, denn anders als seine Vorgänger, bzw. Nachfolger, wird nicht versucht die kriminalistische Klischeeparade mit Hochglanz zu tarnen. „Alex Cross“ ist durch und durch ein B-Movie moderner Art. Mit bekannten Gesichtern vor der Kamera und wenig innovativen Inhalt, versucht Rob Cohen einfach nur einen Thriller auf die Beine zu stellen, der nicht mehr sein will als ein Spannungs-Happen für Zwischendurch. Auch wenn dieser filmische Snack nie seinen vollen Geschmack entfaltet, so ist der Grundgedanke, die Rezeptur im Hintergrund, zumindest recht ehrbar. Ändert dies aber etwas daran, dass „Alex Cross“ nicht wirklich taugt? Nein. Nicht im Geringsten.
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