Resterampe für One-Hit-Wonder

Resterampe für One-Hit-Wonder

Was machen eigentlich die erfolglosen Sänger aus den 1990ern? Oder die One-Hit-Wonder vom Anfang des Jahrtausend? Viele der Künstler, die es schon früher nicht im Musikbusiness geschafft haben, dürfen jetzt zumindest bei The Voice of Germany vorsingen. Die Pro7-Sat.1-Castingshow hat mit Nena, Xavier Naidoo, Rea Garvey und The Boss Hoss eine illustre Jury. Die Kandidaten sind allerdings aus dem Sängerportfolio der vergangenen 20 Jahre.

Kim Sanders aus Berlin war Ende der 1990er Sängerin der Band Culture Beat – als deren größter Hit Mr. Vain bereits Geschichte war. Dem Captain Hollywood Project lieh sie ihre Stimme. Das Gesicht hielt eine andere hin. Doch auch mit Gesichts-Stimm-Kombination wollte sich der Erfolg nicht einstellen. Die Soloplatte floppte. Letzter Strohhalm? The Voice of Germany. Bei ihrem Vorsingen drehen sich alle Juroren um. Sie kann es und entscheidet sich für Nena als künftigen Coach für die Liveshows. «Weil ich auch eine Frau bin und ich kann mich erinnern, als ich in den USA in der Highschool war unf 99 Luftballons im Radio gehört habe.» Nena freut sich über ihren Promibonus: «Und du bringst mir das Singen bei.»

Bei The Voice of Germany stehen die Kandidaten oft gesanglich mit der Jury auf Augenhöhe, waren bisher nur nie zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Das Quäntchen Glück fehlte. Wie bei Mic Donet. Auch er hat bereits eine eigene Single veröffentlicht und ist mit Santana auf Tour gewesen. Aus dieser Zeit weiß der Soulsänger: «Das Musikbusiness ist eines der härtesten und wahrscheinlich auch eines der schmutzigsten.» Dennoch will er in dem Geschäft wieder hoch hinaus und hat alle Jurymitglieder auf seiner Seite. «Ich kann dir wenig bis gar nichts beibringen», sagt Xavier Naidoo zu dem Mann mit der perfekten Stimme, dennoch entscheidet sich der 32-Jährige für den Mannheimer.

Genau wie Laura Martin. Die Sängerin des Dance-Duos Captain Jack hat zwar schon eigene Autogrammkarten, steht darauf allerdings im Schatten ihres Drillinstructors und Bandkumpanen. Das soll sich ändern. Gut, dass Xavier als einziger drückt.

Ein Flopp trotz Charterfolg

Aber nicht jeder, der schon mal annähernd berühmt war, kommt bei den Blind Auditions, bei denen nur die Stimme zählt, weil die Jury mit dem Rücken zur Bühne sitzt weiter. Sabrina Ziegler kann auf Mädchenbanderfahrung von Anfang der 2000er verweisen. Mit Samajona war die heute 29-Jährige in den Top 20 der Deutschen Charts. Nur ein Wort von Wir sind Helden singt sie mit kraftloser Stimme, dafür hat wiederum die Jury keine Kraft auf die Buzzer zu hauen. Dennoch finden Boss Hoss: «Besser gesungen als das Original». Dass das Quatsch ist, stellt Nena kopfschüttelnd klar und Rea sieht die Aussage der Country-Rocker sogar als «Kriegserklärung».

Das Gegeneinanderspiel der fünfköpfigen Jury ist ein einmaliges Spektakel im deutschen Fernsehen, das den Unterhaltungswert der Castingshow erheblich erhöht. Denn zu den Kandidaten sind alle verdammt nett, selbst wenn sie Kritik üben. «Das was wir machen ist freundlich, aber danach kommen Plattenfirmen», warnt Rea Garvey.

Über allen thront Xavier Naidoo. Er wird als «Dr. Ton» von seinen Jurykollegen mit unterschwelliger Verehrung gefoppt. So denkt Rea über die Entscheidung für Laura Martin: «Xavier ist der größte Kritiker und wenn er es gut findet, kann ich gar nichts sagen.» Über C-Jay aus Berlin, der mit Boss Hoss in die nächste Runde kommt und natürlich auch schon mal auf Tour war, sagt Nena: «Du singst unglaublich perfekt. Ich glaube, noch fast besser als Xavier.» Nena ist mit 52 Jahren so etwas wie die gutmütige Mutter der Jury. Wenn sie sich gegen einen Kandidaten entscheidet, tut ihr das spätestens beim Umdrehen Leid, weil ein süßes Mädchen oder gutaussehender Typ zum Vorschein kommt.

Rea Garvey ist zurückhaltender. Er buzzert zögerlich oder im Wettstreit mit The Boss Hoss und lässt die Kandidaten lieber ziehen, als sie ins eigene Team zu holen. So bleibt es an diesem Abend mit Muscialsänger Archangelo bei einem Neuzugang für ihn. Die eigentlichen Underdogs der Jury sind The Boss Hoss. Weniger bekannt als alle anderen, müssen sie mit ihren Sprüchen Punkten. «Wir drücken nicht oft und wenn wir das tun, dann meinen wir es sehr ernst», sagen sie zu Shari Fanio aus Hameln. Die 24-Jährige findet: «Man muss sich auch ein bisschen zum Horst machen können» und sucht gleich noch übers Fernsehen einen netten, gutaussehenden, intelligenten Mann mit Haus und Auto. Mit The Boss Hoss hat sie nun sogar zwei gefunden.

Wenig Fremdschämpotenzial

Darüber hinaus bietet The Voice of Germany wenig Fremdschämpotenzial. Emotionale Geschichten werden zwar angedeutet, Moderator Stefan Gödde knutscht die ein oder andere Kandidatin zu fest oder fasst einem Teilnehmer an den Bauch, aber das reicht alles nicht zum Aufreger. Leider bleibt so in der zweistündigen Sendung oftmals der Unterhaltungswert auf der Strecke. Für nur schön singen und Stühlchen drehen ist das Privatsenderpublikum zu abgestumpft. Gut, dass die Sendung ganz ohne Klischees doch nicht auskommt.

Das Erscheinungsbild von Behnam Moghaddam bleibt auch für den Zuschauer bis zum Auftritt ein Geheimnis. Als Beruf gibt er Tabaktester an. Was stimmlich dabei herauskommt, zeigt er mit Wicked Game. Eine tiefe sanfte Stimme, die laut ProSieben offensichtlich vom Erscheinungsbild abweicht. Hinter der Jury kommt dann ein schlaksiger Typ mit zu weit hochzogener Hose, Vollbart und langem Haar zum Vorschein. Nena entscheidet sich für ihn. Xavier brüllt The Boss Hoss an: «Ihr müsst den doch nehmen, ist doch euer Mann» und schmollt nach dem Umdrehen selbst, weil er nicht gedrückt hat. «Du zeigst allen Männern, dass es sehr männlich sein kann, Sanftmut zu zeigen», sagt Nena. «Ja, der ist eine Waffe», bescheinigt Xavier. Und der erste Mann in Nenas Team.

«Lisa hat mich richtig gerührt, da habe ich fast geweint», bescheinigt die Übermutter Lisa Martine Weller mit ihrer Klavierversion von Use Somebody und vervollständigt für heute Team Nena.

Und dann räumt Dr. Ton noch ab. Er ist der einzige, der sich in letzter Sekunde für Dilan aus Frankfurt umdreht, weil ihm «Asien» und «Mikromelodien» in ihrer Stimme gefallen. «Ihr könnt euch jetzt küssen», kontern Boss Hoss seine Begeisterung. Der 24-jährige Rüdiger gibt Beyoncé als sein Vorbild an, singt entsprechend hoch und Naidoo findet das «außergewöhnlich». Boss Hoss sagen: «Du bist beim Kollege Schnürschuh gut aufgehoben.» Und auch wenn Musicalsänger Vini Gomes noch keine CD herausgebracht hat oder mit einer Musikgröße auf Tour war, macht er Xavier Naidoos fantastische Fünf für diesen Abend komplett.

The Voice of Germany verpasst? Hier können Sie die komplette Folge anschauen.

Bestes Zitat: Xavier Naidoo ist geknickt. Kim Sanders hat sich für Nena entschieden, auch weil die eine Frau ist. «Also Kim, ich fühle mich nachteilig behandelt, ich werde dich vor dem Europäischen Gerichtshof in mein Team erstreiten.»

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«The Voice» – Resterampe für One-Hit-Wonder

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