Renn, wenn Du kannst

Renn, wenn Du kannst

Wild Flag, Gebäude 9, Köln, 5. Februar 2012

Man hätte den Kölner Lokalmatadoren ahuizotl diese Bemerkung sicher gern erspart, als man die Jungs dann aber selbst mit bewunderndem Blick am Bühnenrand stehen sah, war klar: Auch sie hatten erkannt, dass die vier Frauen da oben, Wild Flag aus Portland/Oregon, alle um die vierzig, schon da waren, wo sie mit ihrem zuweilen etwas arg brav angelegten Indierock noch hinwollten. Klar, in Punkto Bühnenpräsenz müssen sich Mary Timony, Carrie Brownstein, Janet Weiss und Rebecca Cole, jede mit ausreichend Berufserfahrung ausgestattet, nicht verstecken. Was die Mädels aber vor knapp 300 Besuchern auf die Bretter brachten, war vom Allerfeinsten und in dieser Wucht und Energie trotz des erstklassigen Debüts so vielleicht erhofft, aber kaum erwartet worden. Unschwer zu hören, dass hier Profis am Werk waren, deren Zusammenspiel nahezu blind funktionierte, selbst ungeplante Unterbrechungen ließen die vier mit einem Lächeln abperlen. "Run if you can, here comes the electric band" - so furios wie der Einstieg ("Electric Band") geriet auch das restliche Programm - kompakter, kraftvoller Sound, keinerlei Durchhänger und somit keine Langeweile. Es war klar, dass sie für die Setlist nur wenig mehr als diese eine, ihre erste Platte zur Verfügung haben würden, was sie aber aus dieser mit Improvisation und Feedbackjam herausholten, war schon aller Ehren wert. Klare Arbeitsteilung dabei: Timony für die gemäßigten, die melodiösen Momente, für den Roll also - Brownstein, optisch zwischen Mick Jagger und Patti Smith verortet, gehörte dann eher der Rock, sie gab den durchgeknallten Vamp, die Rampensau, mal vollkommen entrückt, mit wirrem Lächeln, dann wieder als kreischende Göre vor der jubelnden Mini-Crowd, verwundert über die anfängliche deutsche Zurückhaltung: "You're so quiet and so shy between the songs, we're don't wanna stop too long ..." Angetrieben von der zupackenden Präzision der lässig grimmigen Schlagfrau Janet Weiss wurde jeder Song zu eruptiver Höchstleistung gepusht. Und als dann nach "Glass Tambourine", "Future Crimes", "Racehorse" und und ... das Repertoire aufgebraucht war, wurden als Zugabe einfach Television ("See No Evil") und Bobby Freemman ("Do You Wanna Dance?") gefeiert. "You watch us dance, we dance till we're dying, we dance to free ourselves from the room ... We love the sound, the sound is what bound us, the sound is the blood between me and you" heißt es in "Romance" - ein Manifest. Fünfundsiebzig Minuten und ein dröhnender, jedoch vollumfänglich zufriedener Schädel - es gibt nicht viele, die so nahe an der Perfektion arbeiten wie Wild Flag an diesem Abend.

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