Priests: Höhere Weihen

Priests: Höhere WeihenPriests
„Nothing Feels Natural“
(Sister Polygon)
Die Liste geistlicher Berufe im Musikbusiness folgt einer langen Historie. Wir hatten Mönche, Nonnen, Heilige, Pilger, Engel, Evangelisten, Apostel, Propheten in stattlicher Zahl, jede Menge Mischwesen, Priesterinnen zuweilen und natürlich immer wieder Priester. Diese hier kommen aus Washington (neuerdings, wie man weiß, die bevorzugte Wirkungsstätte des Satans) und so, wie sie auf ihrem Debüt loslegen, glaubt man zu wissen, was sie als ihre eigentliche Aufgabe sehen – die Teufelsaustreibung. An dieser arbeiten sie nun auch schon seit geraumer Zeit, angefangen hat das Quartett 2012 mit einer Reihe von EPs, doch weil man die endgültigen Weihen in diesem Geschäft erst mit einem Langformat erhält, war dieses Album längst überfällig. Was dann dabei herausgekommen ist, kann sich wirklich hören lassen – erstklassiger Post-Punk mit allen dem Genre entsprechenden Facetten.

60s-Sound und Surfgitarren, funkige Rhythmen und fetter Bass, dreckige Riffs und dazu der zackig-zickige Gesang von Katie Alice Greer. Von ihr stammt, soweit der Promotext, auch der Titel der Platte, entspringt er doch einer Phase, in welcher es für keinen der vier so richtig vorwärts gehen  wollte und jede/r meinte, mehr wäre vom Leben nicht mehr zu erwarten. Nun, sie haben sich wohl getäuscht – gerade weil sie sich textlich und musikalisch auf keinen Standard festlegen lassen wollen, heben sich ihre Songs so erfrischend vom Durchschnitt ab. Hier mal das Tempo gekonnt verschleppt, dort ein paar verquere Perkussions, an einer Stelle mit geschmeidigem Pop irritieren und mittendrin zur Auflockerung ein bisschen Kammermusik. Alles in allem überhaupt kein Grund zur Depression. Und so viel ist auch klar – einen anständigen Exorzismus kann das Weiße Haus gerade ganz gut vertragen.