Politisches im Theater

"Libertalia 2.0" (Foto: Philipp J. Ehmann)

Das Schauspielhaus in Graz lässt seine Fans noch knapp vor Saisonende aktiv an zwei neuen Produktionen teilhaben. Partizipation ist das Schlagwort und wird passend in Zusammenhang mit Stücken eingesetzt, die sich dem Thema Politik verschrieben haben.

In „Libertalia 2.0 – Was nach der Revolution geschah“ einem Demokratiespiel von Philipp J. Ehmann, wird das Publikum mit der Tatsache konfrontiert, dass sein Diktator gestürzt worden sei und es nun aktiv am Aufbau der neuen Demokratie teilnehmen könne. Es wird vom Schauspielhaus ins Landhaus in die Herrengasse geleitet und darf sich dabei der Aufmerksamkeit der Passantinnen und Passanten erfreuen. Trägt doch voran der Spielleiter eine Tafel mit der Aufschrift Libertalia 2.0. Die Sitzung, in welcher über vier unterschiedliche Punkte zum Thema Gleichberechtigung abgestimmt werden soll, findet im Sitzungssaal des Landtages statt. Dort dürfen sechs Freiwillige sich an ein Podium setzen und ihre Ideen zu vorgegebenen Themenkreisen diskutieren. Das auf den Zuschauerrängen verbliebene Publikum darf sich einbringen, Diskutierenden für einige Minuten Sprechverbot auferlegen, oder sich an ihrer Stelle zu Wort melden. Auf einem großen Bildschirm werden die Sprech- und Verbotszeiten angezeigt, sodass auch nachvollzogen werden kann, wie lange die Diskussionen im Zeitraum von einer Stunde denn noch andauern können. (Ausstattung Philipp Glanzner)

Politisches im Theater

„Libertalia 2.0“ (Foto: Philipp J. Ehmann)

Nach einer gewissen Anlaufzeit sind die Regeln einigermaßen klar und nun geht es darum, zuzuschauen und zuzuhören, wie sich das 6er-Gremium um Konsens bemüht, oder sich kräftig in die Debatte einzumischen. Gleicher Lohn, gleiche Aufstiegschancen, Schwangerschaftsabbruch, der vom Staat bezahlt wird sind einige der aufgelisteten Bereiche, über die abgestimmt werden soll. Es ist weniger die in der Stückeankündigung avisierte neue Freiheit, die „das Volk“ hier genießt.

Vielmehr erlebt es die Verkürzung von Prozessen, die schon jetzt in unseren Demokratien Gesetze produzieren. Zwar stehen hinter den einzelnen Volksvertreterinnen und -vertretern keine Parteien, aber Gesinnungen sind deutlich aus ihren Statements zu erkennen. Dass letztlich bei der Premiere die direkte Demokratie einen Sieg davonträgt – auch wenn der Moderator dies anders sah – ist die Überraschung des Abends. Stimmt doch das Publikum gegen die teils hart errungenen konsensualen Formulierungen des Regierungsvorschlages. „Das hätte ich jetzt nicht erwartet, ich hatte so ein gutes Gefühl!“, so der O-Ton einer Podiumsdiskutantin.

Nicht übersehen werden sollte, dass jedoch ausschließlich die vorher festgesetzte Spiel-Anordnung einer fiktiven Übergangsregierung maßgeblich für den Erfolg oder Misserfolg der Abstimmung verantwortlich zeichnete. Aber abgesehen vom Ausgang, der bei jeder Vorstellung gänzlich anders aussehen kann, und Kritikpunkten an dem Procedere, bietet „Libertalia 2.0 – Was nach der Revolution geschah“ die hautnahe Erfahrung, dass es besser ist, sich politisch zu engagieren, als von den Zuschauerrängen her die getroffenen Entscheidungen hinnehmen zu müssen. Und dass ist schon viel in einer Zeit, in der zwar viel über Politik gesprochen wird, sich aber nur wenige aktiv dafür einsetzen.

Weitere Termine auf der Homepage des Schauspielhauses Graz.


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