Peter Bialobrzeski — Neue Arbeiten

 Peter Bialobrzeski: Aus der Serie Athens Diary, 2015Spät, aber hoffentlich nicht zu spät kommt dieser Ausstellungs­hinweis: In der L.A. Galerie in Frank­furt am Main sind noch bis zum 26. März 2016 neue Arbeiten von Peter Bialo­brzeski ausgestellt. Gezeigt werden die Serien Nail Houses und Athens Diary, für die Bialo­brzeski während des Höhe­punkts der Griechen­land-Krise im Früh­jahr 2015 zehn Tage in Athen verbrachte.

Ausstellungsbeschreibung

Nail Houses

Nail Houses, wie Nägel aus einem Stück Hartholz, die sich weder ziehen noch einschlagen lassen, ragen sie empor. Sie erheben sich wie Trutzburgen gegen die zahlreichen Immobilien und Infrastrukturprojekte von Behörden und Bauherren. „Dı¯ngzihù“ nennt der Volksmund in China jene Gebäude, deren Eigentümer sich weigern, ihr Heim für einen Neubau zu verlassen. Protest in Zeiten der Hochgeschwindigkeitsurbanisierung. „Chaˉ i“ (Abriss) verkünden weiße Kreidezeichen vielerorts im Reich der Mitte. Nicht nur die traditionellen Häuser fallen der Modernisierungswelle zum Opfer, ganze Altstadtviertel und mit ihnen gewachsene Vergangenheit und Kultur müssen neuen Stadtzentren ohne jeden historischen Bezug weichen: „Ehe nicht das Alte gegangen ist, kann das Neue nicht kommen“, besagt ein chinesisches Sprichwort. Noch immer scheint bei
der Durchsetzung von Bauvorhaben Maos Credo „Ohne Zerstörung kein Aufbau“ zu gelten, bestehende Richtlinien zum Denkmalschutz werden in der Praxis oftmals übergangen. Der bauliche Aderlass ist groß, der Verlust kulturellen Erbes wiegt schwer. Unerwünschte Anwohner wurden in den vergangenen rund zwei Jahrzehnten häufig enteignet und zwangsumgesiedelt, nicht selten unter Anwendung von Gewalt. Entstehen zwischen Abriss und Neubau Orte ohne chinesische Identität, „Städte ohne Eigenschaften“? Mit Blick auf den pragmatischen und reformoffenen Geist seiner Landsleute verneint dies der Architekt Ma Qingyun: „Das ist das wirklich Chinesische. Alles mutiert, nichts ist fixiert. Wir glauben nicht an Raumordnung. Uns ist es ein bisschen egal, wie die Häuser aussehen, also lebt jeder in Shanghai in einem hässlichen Gebäude. Uns ist es wichtig, ein bequemes Leben zu haben.“ Doch immer mehr Hausbesitzer stellen sich der Wachstumsdynamik in den Weg und kämpfen um ihr vertrautes Zuhause oder eine angemessene Entschädigung für den Verlust ihrer Heimat. Durch das zunehmende Interesse der Öffentlichkeit sah sich die chinesische Regierung unter Druck: In einem historischen Beschluss stellte sie 2007 privaten Besitz unter denselben Schutz wie staatliches oder kollektives Eigentum. Die neue Gesetzgebung soll Hausbesitzer erstmals vor entschädigungslosen Enteignungen bewahren. Bereits seit den 1990er-Jahren hatte der Staatsrat der Volksrepublik China eine Veränderung des Eigentumsrechts erwogen, große Hoffnungen liegen nun auf dessen Umsetzung. (Stefanie Gommel)

Athens Diary

Auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise im Frühjahr 2015 verbringt Peter Bialobrzeski zehn Tage in Athen. Seine fotografische Untersuchung des Stadtraums mit dem Titel „Athens Diary“ tritt in Dialog mit den medial omnipräsenten Bildern des Syntagma Platzes, übermüdeten Syriza Politikern und Rentnern vor leeren Geldautomaten. Jenseits jeden Pathos findet der Künstler lakonische Bilder, sowohl von Vernachlässigung, als auch von Hoffnung.

27th April 2015: Frühmorgens in der Nähe des Omonia-Platzes, die Stadt erwacht. Mein Weg Richtung Plaka, der Altstadt, führt mich durch eine Straße gesäumt von heruntergekommenen Häusern, mit Graffiti übersät bis zu den Obergeschossen. Keine Geschäfte, aber ein kleiner Haushaltswarenhändler scheint noch Geschäfte zu führen. Die Ankunft am Flughafen Athen gestern schien noch meine These zu bestätigen, dass die Krise äußerlich kaum sichtbar ist. Die Gegend, in der ich jetzt bin, weniger als eine Meile von der Akropolis entfernt, sieht aus wie ein Kriegsgebiet. Athen liegt näher an Beirut als an Hamburg. Sehr billiges Mittagessen in einer gemeinnützigen Einrichtung, nach meinen Informationen eine „Volksküche“ für Bedürftige in Exarchia, einem der ärmeren Stadtgebiete. Die Kundschaft in der Einrichtung sieht eigentlich eher ‚hip‘ aus, es gibt überwiegend vegetarisches Essen, billig für das, was man bekommt, teuer für das, was sich Arme leisten können. Auf dem Weg, am Hintereingang der Fakultät für Architektur, spritzt sich ein Mann H in die Vorhaut. (Peter Bialobrzeski)

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Wann und wo

L.A.Galerie Lothar Albrecht
Domstraße 6
60311 Frankfurt am Main

23. Januar bis 26. März 2016


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