Parallelwelten

De Lapuentes literarische Nachrichten aus der Propaganda-Republik. Eine Rezension von Markus Omar Braun für die Neue Rheinische Zeitung. Erschienen am 1. Juni 2011.
"An ihrer Sprache sollt ihr sie erkennen!", mit diesem Zitat fasst eine Rezension ihr Lob an Roberto De Lapuentes Sammelband "Unzugehörig" (Renneritz, 2009) zusammen. Warum nicht an ihrem Denken? Unbestritten: De Lapuentes Sprache besticht durch Ausdruckskraft, Vielfalt, Eleganz, und, und, und. Zugegeben: Denken klingt papiern, erinnert an das Papier der meisten Zeitungen, nicht nur der "Bild", welches in der Mehrheit seines Inhalts zurecht ungelesen als Dokument fortgesetzter Vergehen am nicht nur deutschen oder finnischen Wald dem Recycling als Öko-Toilettenpapier zugeführt wird.
Kein Realist,
Parallelwelten
Besser vielleicht, zu sagen: An ihrem Wirklichkeitssinn sollt ihr sie erkennen. Denn Sinn für Wirklichkeit ist Sinn für die lebendige Welt, in der wir leben, die wirkende, agierende, interagierende. Nicht bloß für die dingliche, die Welt der Dinge, der rerum, der Sachen. "res", das ist auf lateinisch "die Sache", "das Ding", und damit ist Realismus als Sachlichkeit, Dinglichkeit enthüllt, als Sinn für das nicht immer goldene Kalb. Wirklichkeit geht über die Realität hinaus, umfasst nicht nur die Welt der Dinge, umfasst die Welt ihres Wieseins, Miteinanderseins, Nebeneinanderseins, Aufeinanderbezogenseins, umfasst die Welt der Freundschaften und der Feindschaften, der Zugehörigkeiten und Unzugehörigkeiten, die Welt des Seins und des Werdens, des Vergehens und des Wiedererstehens.
sondern Lehrbuchschreiber
Robert Fisk hat bei der Recherche zu seinem Buch "The Great War for Civilisation" entdeckt, dass er in Geschichtsbüchern mehr über die Wirklichkeit des Iraq der Jahre nach der Invasion 2003 erfahren konnte, als in den Depeschen der "Koalition der Willigen", ihren Pressekonferenzen, oder den meisten Presseorganen der entsprechenden Länder. Möchte einer von den Sweatshops in Bangladesh lesen oder hören, so soll er im Kapital von Karl Marx, im ersten Band, nachschauen, und findet die heutige bengalische Wirklichkeit dort bis aufs Komma nachgezeichnet: Nur die Namen und Jahreszahlen wären zu ändern. Wer dagegen erwartet, nicht nur aus der "Bild", sondern aus "Spiegel", FR, FAZ oder anderer Qualitätspresse sich ein nur annähernd lebensnahes Bild nur eines Teils der gesellschaftlichen Wirklichkeit des globalen Dorfes und der globalen Weltunordnung machen zu können, kann sich seine täglich neue Enttäuschung am Kiosk oder im Internet gleich dutzendfach abholen.Hier weiterlesen...

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Klingt gut
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