Oper irgendwie anders – März 2015

Oper irgendwie anders – März 2015

Hallo März! Worüber soll ich mich hier eigentlich mehr freuen? Über die ersten frühlingshaften (wenn auch noch immer frisch-kalten) Sonnenstrahlen oder über ganze 9 (in Worten: neun!) spannende Opernpremieren?!

IRRELOHE von FRANZ SCHREKER am Pfalztheater Kaiserslautern (Premiere am 7. März 2015)

Es gibt Ortsnamen, zu denen fällt einem sofort eine gute Geschichte ein. Oder zumindest ein guter Witz. Wie zum Beispiel bei den bekannten pittoresken deutschen Ortschaften Gammelshausen, Oberkotzau oder Wixhausen. Man muss schon ein verdammt fantasievoller und talentierter Komponist sein, um sich von einem Ort wie dem Bahnhof Irrelohe bei Regensburg zu einer ganzen Oper inspirieren zu lassen. Und die handelt von einem Fluch, der auf den Grafen liegt, die ein sagenumwobenes Schloss bewohnen. Im Leben eines jeden Grafen von Irrelohe kommt laut Legende irgendwann der Tag, an dem er vom Wahnsinn übermannt wird, eine Frau vergewaltigt und dann umnachtet stirbt. Ob dieser Fluch am Ende der Oper gelöst wird? Man darf sehr gespannt sein auf diese Oper, die 1924 in Köln uraufgeführt wurde. Ich bin es in jedem Fall.

Musikalische Leitung: Uwe Sandner
Regie: Holger Müller-Brandes
Bühne: Thomas Dörfler
Kostüme: Almut Blanke
Dramaturgie: Andreas Bronkalla

VANESSA von SAMUEL BARBER am Theater Hagen (Premiere am 7. März 2015)

Noch mehr ausdrucksstarke Musik erwartet euch am Theater Hagen, wo ihr Samuel Barbers Oper Vanessa (UA 1964 in New York) erleben könnt. Die titelgebende Frau wartet schon seit vielen Jahren auf ihren geliebten Anatol. Das einzige, was sie neben ihrer Sehnsucht umtreibt, ist die Angst vor dem Altern. Endlich fährt eine Kutsche vor - aber statt ihrem heiß ersehnten Anatol erscheint dessen Sohn. Vanessa verliebt sich in das jüngere Ebenbild ihres mittlerweile verstorbenen Geliebten. Aber dieser wiederum begehrt eine andere... Eine todtraurige russische Liebesgeschichte mit Samuel Barbers melodiös melancholischer Musik - das darf man sich nicht entgehen lassen. Taschentücher und romantische Begleitung nicht vergessen.

Musikalische Leitung: Florian Ludwig
Regie: Roman Hovenbitzer
Bühne und Kostüme: Jan Bammes
Licht: Ulrich Schneider
Video: Volker Köster
Dramaturgie: Imme Winckelmann

NEUES VOM TAGE von PAUL HINDEMITH am Theater Lüneburg (Premiere am 7. März 2015)

Diese "lustige Oper in drei Teilen" hatte 1929 an der Krolloper in Berlin ihre Uraufführung und ihre Handlung spielt zufälligerweise genau zu dieser Zeit in einer deutschen Großstadt. Es geht um ein junges Ehepaar, Eduard und Laura, die sich ständig heftig streiten. Schon bald wird klar, dass sie mit der Grundsituation unzufrieden sind und dass wohl eine Scheidung am allerbesten sei. Ein befreundetes Ehepaar hält das aber für total übereilt und versucht, die beiden Streithähne wieder zu versöhnen. Nicht nur, dass dieser Versuch gründlich und witzig misslingt, nun wollen sich auch die Freunde scheiden lassen. Also auf zum sogenannten "Büro für Familienangelegenheiten GmbH", wo man gegen Bezahlung alle möglichen Arten von Scheidungsgründen erwerben kann. Einer davon ist der schöne Herr Hermann, der Chef dieses Büros. Aber plötzlich wird Eduard eifersüchtig und will sich gar nicht mehr scheiden lassen. Klingt ganz nach einer kurzweiligen Parodie, in der es sogar eine Koloraturarie zum Lob der Warmwasserversorgung zu hören gibt. Hoffentlich sitzt die hübsche Sopranistin dabei in einer Plexiglas-Badewanne.

Musikalische Leitung: Thomas Dorsch
Regie: Hajo Fouquet
Bühne und Kostüme: Stefan Rieckhoff

ROTE LATERNE von CHRISTIAN JOST an der Oper Zürich (Premiere der UA am 8. März 2015)

"Rooooxääään! You don't have to put on the red light." Ein Hauch von Rotlicht durchzieht die neue Oper von Christian Jost, die auf dem Roman Wives and Concubines des chinesischen Schriftstellers Su Tong basiert. Die junge Chinesin Song-Lian wird in eine traditionelle chinesische Familie verheiratet. Dabei handelt es sich nicht nur um eine arrangierte Ehe, sondern außerdem um eine Ehe mit einem Mann, der bereits drei andere Frauen hat. Klingt nach dem klassischen Beziehungs-Fünfeck und nach vorprogrammierter Katastrophe in allen Bereichen. Der Stoff wurde 1991 vom Regisseur Zhang Yimou verfilmt, der dafür eine Oscarnominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" erhielt. Und nun leuchtet es also auch auf der Zürcher Opernbühne bald rot mit einer neuen Komposition des gefragten Komponisten Christian Jost.

Musikalische Leitung: Alain Altinoglu
Regie: Nadja Loschky
Bühne und Kostüme: Reinhard von der Thannen
Licht: Franck Evin
Dramaturgie: Claus Spahn / Fabio Dietsche

THE FALL OF THE HOUSE OF USHER von PHILIP GLASS am Theater Hof (Premiere am 13. März 2015)

Wer sich auf hohem Niveau so richtig gruseln will, ist genau richtig bei Edgar Allan Poe. Der schrieb die gleichnamige Kurzgeschichte, auf der die Oper von Philip Glass (UA 1987) basiert, welche nun am Theater Hof in einer Neuinszenierung präsentiert wird. Die Handlung spielt auf einem gespenstischen Anwesen, das von einem offenbar geisteskranken Hausherrn und seiner Zwillingsschwester bewohnt wird. Die unerklärlichen Geräusche der Nacht lassen diesen Usher nicht zur Ruhe kommen, deswegen lädt er einen alten Jugendfreund ein, um ihm Gesellschaft zu leisten und hoffentlich so seine Krankheit erträglicher zu machen. Aber dann stirbt die Schwester des Gastgebers unvermittelt. Die Frage ist nur: Wie ist sie zu Tode gekommen? Die Shortstory von Poe lebt von seiner gruseligen Atmosphäre - was könnte also passender sein, als eine solche Geschichte vom Meister der atmosphärischen Musik in eine Oper setzen zu lassen?

Musikalische Leitung: Arn Goerke
Regie: Kay Neumann
Bühne und Kostüme: Günter Hellweg
Dramaturgie: Guido Hackhausen / Thomas Schindler

DIE BLUTHOCHZEIT von SÁNDOR SZOKOLAY am Stadttheater Bremerhaven (Premiere am 14. März 2015)

Wenn zwei Familien durch Blutschuld miteinander verfeindet sind und sich die Kinder von ihnen ineinander verlieben, kann das nicht gut enden. Das wissen wir alle von Romeo und Julia. Die Geschichte von der Bluthochzeit, die von Sándor Szokolay in Musik gesetzt und 1964 in Budapest uraufgeführt wurde, stammt vom spanischen Schriftsteller Federico García Lorca. Man kann also davon ausgehen, tödliche Leidenschaft und schmerzvollen Stolz zu erleben bei diesem außerhalb Ungarns selten aufgeführten Opernabend.

Musikalische Leitung: Marc Niemann
Regie, Bühne und Kostüme: Andrzej Woron
Choreographie: Andrea Danae Kingston
Dramaturgie: Juliane Piontek

DIE BRAUT VON MESSINA von ZDENEK FIBICH am Theater Magdeburg (Premiere der deutschen Erstaufführung am 14. März 2015)

Friedrich Schiller hat mal ein Drama geschrieben, das er Die Braut von Messina oder die feindlichen Brüder. Ein Trauerspiel mit Chören genannt hat. Wer hätte es gewusst? Das Schauspiel vom Weimarer Klassiker wurde lange als minderwertig befunden - kaum zu glauben, bei dieser Story: Die Fürstin Isabella von Messina will ihre beiden verfeindeten Söhne versöhnen und ihr lang gehütetes Geheimnis lüften. Ihr wurde vor vielen Jahren prophezeit, dass ihre Tochter das Ende des Fürstengeschlechts verursachen würde. Damals brachte sie es aber nicht übers Herz, ihr kleines Mädchen kurzerhand aus der Welt zu schaffen und ließ sie unerkannt in einem Kloster aufziehen. Als nun diese mittlerweile junge Frau in das Leben der beiden Brüder tritt, geschieht aber das denkbar unglücklichste: Beide verlieben sich in sie und von brüderlicher Liebe ist von nun an keine Rede mehr. Neben Bedrich Smetana gilt Zdenek Fibich als bedeutendster tcheschicher Opernkomponist. Und der hat die Musik zu dieser Schillerschen Tragödie, die am Theater Magdeburg ihre deutsche Erstaufführung erlebt, beigesteuert.

Musikalische Leitung: Kimbo Ishii
Regie: Cornelia Crombholz
Bühne: Marcel KellerKostüme: Marion Hauer
Dramaturgie: Ulrike Schröder

DER GOLDENE HAHN von NIKOLAI RIMSKI-KORSAKOW am Saarländischen Staatstheater (Premiere am 14. März 2015)

Der alte Zar Dodon hat keine Lust mehr auf die ganze Arbeit, die eine Regierung mit sich bringt. Er will es sich eigentlich nur gut gehen lassen und die Pflichten möglichst ohne Anstrengung hinter sich bringen. Da kommt ihm das Geschenk seines Astrologen gerade recht: ein goldener Hahn, der bei Gefahr krähen soll. Das tut er dann auch, aber seine Söhne, die der Zar in den Krieg geschickt hat, kommen nur noch im Holzkasten zurück. Beim zweiten Krähen gerät der Zar selbst in eine noch ausweglosere Lage: Er verliebt sich in die schöne aber hinterhältige Königin von Schemacha, die ihn nur verführt, um die Macht über sein Reich zu erlangen. Doch dann stellt plötzlich auch der Astrologe Ansprüche auf die Königin - er will sie haben als Preis für den ach so hilfreichen goldenen Hahn...
Die Oper Der goldene Hahn basiert auf dem gleichnamigen Märchen des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin. Das Stück wurde 1909 in Moskau uraufgeführt - aber erst mit einer Inszenierung im Jahr 1914 in Paris wurde die Oper eine Sensation. Und nun - 101 Jahre später - wird es auch am Saarländischen Staatstheater sensationell.

Musikalische Leitung: Christopher Ward
Regie: Johannes Pölzgutter
Bühne: Nikolaus Webern
Kostüme: Janina Ammon
Dramaturgie: Caroline Scheidegger

PARADISE RELOADED (LILITH) von PETER EÖTVÖS am Theater Chemnitz (Premiere der deutschen Erstaufführung am 21. März 2015)

Stammen wir wirklich von der biblischen Urmutter Eva ab? Oder vielleicht doch eher von Adams erster Frau Lilith? Eine Frage, die nicht nur den Stammbaumfanatiker interessieren dürfte, sondern die ganze Menschheit. Lilith, eine unabhängige, selbstbestimmte und dämonisch sexy Frau, wurde nämlich vorzeitig aus dem Paradies vertrieben und trifft nun in der Wüste auf Lucifer aka Satan aka Belzebub aka den Teufel höchstpersönlich. Und mit dessen Hilfe versucht sie Adam zurückzugewinnen und ihm ein Kind zu gebären. Der ist aber zwischenzeitlich nicht mehr alleine, sondern mit Eva zusammen. Hm. Aber gibt es denn nicht auch noch andere Paradiese auf dieser Erde?
Die Oper Paradise Reloaded (Lilith) nach einem Text vom deutschen Schriftsteller Albert Ostermaier wurde 2013 in Wien uraufgeführt. Und wenn sie nur halb so gut ist wie Peter Eötvös' jüngstes Werk Der goldene Drache, das im letzten Jahr seine Uraufführung im Frankfurter Bockenheimer Depot feierte, kann man sich auf großartiges zeitgenössisches Musiktheater gefasst machen.

Paradise Reloaded (Lilith) von Peter Eötvös feiert seine deutsche Erstaufführung am Theater Chemnitz am 21. März 2015. Weitere Termine sind 25., 28. März, 4., 18., 28. April.
http://www.theater-chemnitz.de/sparten/oper/premieren/201415/paradise_reloaded.html

Musikalische Leitung: Frank Beermann
Regie: Helen Malkowsky
Bühne: Hermann Feuchter
Kostüme: Henrike Bromber


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