Ogfanga hat des ja ois 68 …

Konstantin WeckerDer, den wir kannten, hat uns damals jene Geschichte erzählt, die uns einen kalten Schauer über den Rücken trieb. In gruselig-schönem Bayerisch vorgetragen. Wie es koan anderer kann, außer Konstantin Wecker selbst. Die Geschichte vom Willi …

“Du woast hoit imma an Dreh weiter wia mir, imma a bisserl wuider, ond imma a bisserl ehrlicher”

Hach ja. Die alte Studentenbude. Der RIAS-Mitschnitt auf dem Kassettenrekorder. Zigarettenqualm und rotweinversiffte Zahnputzbecher.

“Und du hast damals scho gsagt, lang hoelt des ned, Wecker, lang hoelt des ned, da is ma zvui Mode dabei, wenn scho de Schickeria ihrn Porsche gegan 2 CV umtauscht, dann muaß was faul sei an der großen Revolution, mitlaffa ohne Denka koh offt ma guat sei, aa ned für a guate Sach.”

Hannes WaderDer völlig andere damals und gestern auf der Bühne war ist Hannes Wader. Melodie und Rhythmus.

Auf deinem Kreuz finde ich, toter Soldat,
Deinen Namen nicht, nur Ziffern, und jemand hat
Die Zahl neunzehnhundertundsechzehn gemalt,
Und du warst nicht einmal neunzehn Jahre alt.

Der Erzähler präsentiert den Sänger, München trifft Bielefeld, die Schlagsahne den Hering und “Kein Ende in Sicht”. Jeder für sich wäre es wohl wert zu pilgern, doch sie geben ihr Konzert gemeinsam. Mit neuen Liedern, oder neuem Text zu einer alten Melodie.

Es ist – kapiere ich plötzlich – das Künstler-Publikum-Paradoxon: Das Oftgesungene geht dem Künstler wahrscheinlich so sehr auf den Keks, dass er aller Welt beweisen muss, er entwickle sich weiter und liefert wie zum Beweis völlig neues Material. Doch der alte Mann im Publikum kam eigentlich nur zum Konzert, um sich zu erinnern. An damals, an die alten beschissen-schönen Gefühle. Jedes Publikum denkt nur an sich.

Und heute wohnst du irgendwo
Und dein Cello steht im Keller
Komm pack das Ding doch noch mal aus
Und spiel so schön wie früher…

Jedenfalls fuhren wir beide bis nach Oranienburg, harrten im Regen aus, bis das Konzert endlich – mit einer Stunde Verspätung – begann. Dann saßen wir frierend mit Rum im Kaffee, dabei ständig bereit, das Feuerzeug aus der Tasche zu ziehen, um alte Lieder zu singen. Die von damals.

Diese Blume, so sagen alle,
Bella ciao, bella ciao,
Bella ciao, ciao, ciao,
Ist die Blume des Partisanen,
Der für unsre Freiheit starb!

Aber nee –—> Es sind zwar die selben Leute, aber nichts bleibt, und nichts bleibt, wie es war.

Kein Ende in Sicht

Jedenfalls…

Gestern hams an Willy daschlogn,
und heit, und heit, und heit werd a begrobn.


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