Offener Brief an die mit der Politik unzufriedenen Mittelschichtler

Von Stefan Sasse
Seid gegrüßt, ihr mit der Politik unzufriedenen Mittelschichtler!
Es ist ja durchaus löblich, dass ihr euch in letzter Zeit in Bewegung gesetzt habt. Eure Bilanz des letzten halben Jahrs ist beeindruckend. Ihr demonstriert gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Ihr ärgert euch über Krieg im Ausland. Ihr protestiert gegen Stuttgart21. Ihr schreit gegen den Integrationskonsens an. Man muss sagen, das ist mehr politische Aktivität als ihr im letzten Jahrzehnt gesammelt geleistet habt. Landab, landauf schreiben die Leitartikler abwechselnd von Politik- und Politikerverdrossenheit, plädieren für mehr Volksnähe in der Politik oder sogar Plebiszite. Ihr sonnt euch in der Aufmerksamkeit die ihr plötzlich bekommt, in dem Ärger, dem ihr Luft macht und der die Politik so furchtsam zusammenzucken lässt. Das verschafft Befriedigung, das kann ich verstehen. Und doch kann ich nichts an dem finden, was ihr gerade tut. Ich finde es geradezu heuchlerisch.
Die Politik soll sich volksnäher geben, heißt es. Was für ein Unsinn! Ihr müsst euch politischer geben! Wir brauchen nur einen Blick nach Stuttgart zu wenden, dort kondensiert gerade alles, was in den letzten Jahren falsch lief. Seit 1993 wird Stuttgart21 geplant, budgetiert und durch die Gremien gebracht. In Umfragen fandet ihr es gut. 60%, 70% Zustimmung ermittelten Umfrageinstitute. Stuttgart21, das war die Zukunft, und ihr sonntet euch in seinem Glanz. Die wenigen Gegner, die es damals schon gab, habt ihr nicht beachtet oder geschmäht. Euer "Was kann ich schon ändern", euer blinder Glaube oder doch zumindest eure Resignation, die euch immer wieder hat das Kreuz bei der CDU machen lassen ist schuld, nicht die Ignoranz der Politiker. Ihr habt sie doch gewählt! Habt ihr geschrieen, als Stuttgart21 beschlossen wurde? Nein. Ihr habt Schwarz-Gelb zur Macht verholfen und einer Partei, die sich kaufen und euch dafür bluten lässt fast 16% gegeben. Und da wagt ihr es, euch danach auch noch zu beschweren?
S. Gaschke schreibt in der Zeit "Politiker, hört die Signale" und hat nette Ideen, wie man vielleicht mehr Bürgerbeteiligung erreichen könnte. Das ist ja ganz schön, Gaschke, nur warum sollten die Politiker hier die Signale hören? "Völker, hört die Signale" müsste man rufen. Die Politik macht, was ihr sie machen lasst. Nicht sie muss sich volksnah geben, oh nein. Würde sie so wankelmütig sein wie ihr, das wäre noch schlimmer als der Populismus, den man ihr absurderweise im gleichen Atemzug vorwirft. Ihr merkt gar nicht, wie lächerlich eure Anschuldigungen sind. Hättet ihr euch schon immer dafür interessiert, was die Herren und Damen in Parlament und Ministerium in eurem Namen tun, hättet ihr aufgepasst und ihnen von Anfang an auf die Finger geklopft und gesagt "So nicht!", das alles wäre nie passiert. Es gäbe keine Verdrossenheit. Aber so ist es natürlich bequemer. Seinem Ärger einmal Luft machen, das kurze Aufwallen von Macht genießen. Und danach sich wieder in das bequeme Bett verziehen und darüber resignieren, dass die da Oben sowieso machen, was sie wollen. Natürlich machen sie das. Ihr lasst sie doch! Also verschont mich mit eurem Gejammer.
Links: Politiker, hört die Signale (Zeit)
Die Medien trifft keine Schuld (Niggemeier)

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