Feuer, Tanz und Tod

Von Marc Schanz
Neun Jahre ist es her. Jeder, der die entsetzlichen Bilder des Einsturzes der Türme sah, kann sich genau an diesen Tag genau erinnern. Für mich begann dieser Tag ganz normal an meinem Schreibtisch im Büro.Auf einmal wurde es unruhig, leise  sprach es sich unüberhörbar herum: das World Trade Center brennt! Ich wollte im Internet nachschauen, aber es war bereits zusammen gebrochen, sämtliche Online-Zeitungen waren nicht mehr erreichbar. Wir gingen zu den Fernsehgeräten in den Fluren, denn im firmen-internen TV-Programm von SAP zeigten sie Live-Bilder vom Anschlag. Geschockt starrten wir auf die sich ständig wiederholenden Sequenzen von Feuer, Rauch und Tod, unfähig, das Unfassbare zu verstehen.
Der 11. September 2001. Tag des Terrors. Auftakt zum Krieg gegen den Terror. Bereits im Oktober begann die Bombardierung Afghanistans. Das war damals nur eine Randnotiz, denn alle schauten gebannt auf den gefährlichen Irak des Massenvernichtungswaffen besitzenden Teufels Saddam Hussein.
Die modernste, teuerste und effektivste Kriegsmaschinerie gegen das Böse. Nach den chirurgisch präzisen Siegen würde im Herzen der muslimischen Länder ein Leuchtturm der Demokratie entstehen, hieß es. Ein schneller Krieg würde es werden, Freiheit und Öl würden sprudeln und der Terror würde wie von Geisterhand entfernt für immer aus der Welt verschwinden.
Jetzt führen wir nach neun Jahren immer noch Krieg und keines dieser Versprechen ist wahr geworden. Im Gegenteil: der Irak ist und bleibt instabil, der Krieg in Afghanistan weitet sich aus und mit Pakistan und dem Iran kommen weitere Konfliktherde hinzu.Versuche, mich an die Zeit vor dem 11. September zu erinnern, fallen mir zu meinem Erschrecken immer schwerer. War sie nicht unbeschwerter, friedlicher, sicherer? Ich glaube schon, doch ich kenne diese Gefühle kaum noch. Dazu gesellt sich eine düstere Vorahnung, dass der Terror in all den Jahren immer näher kommt. Französische Banlieues, griechischer Wirtschaftskollaps und sarrazynisches Aussterben. Links, rechts oder mit Blick in die Zukunft – überall warten Krisen, lauern Gefahren.
Schaue ich zurück, muss ich unweigerlich an die Zeit vor etwas über einem Jahr denken. Schwarz-gelb war noch nicht gewählt. Unser Verteidigungsminister Herr Jung erzählte uns bei jeder Gelegenheit seine sehr nette Geschichte über einen Nichtkrieg am Hindukusch. Dieses märchenhafte Bild eines idyllischen Militäreinsatzes wurde am 4. September am Fluss Kunduz in Fetzen gesprengt. Wohl aus Vorfreude erfolgte das Anzünden der beiden waagrechten Türme im Fluss ein paar Tage zu früh. Wieder verbrannten Menschen in einem  Flammeninferno, wieder tanzte der Krieg und verlangte nach seinen Opfern.
Für die diesjährige Feierlichkeiten bietet das Festprogramm erneut eine feurige Überraschung: der christlicher Fanatiker Pastor Jones möchte den Koran öffentlich verbrennen. Es ist eine abstruse Geschichte über eine Sekte, deren Oberhaupt sich verrannt hat. Und doch ist es ein treffliches Sinnbild für den 11. September und Bushs Krieg gegen den Terror. Vielleicht erreicht Pastor Jones ein Anruf von Obama, vielleicht verhindert ein göttliches Zeichen den Tanz um den Scheiterhaufen der Ignoranz, und dennoch wäre es nur ein Aufschub. Längst zersetzt die spaltende Kraft des militärischen Freund-Feind-Schemas die Heimatfront. Die Menschen werden sortiert, nach Genen, Migrationshintergründen und sozialen Schichten. Damit das Gift des Hasses richtig wirken kann, braucht es einen ordentlichen Tabubruch: Man wird doch noch sagen dürfen, dass Feindbilder und Menschenverachtung wieder massentauglich sind! Zur heilen Welt fehlt dann nur noch eine möglichst einfache Methode zur Identifizierung der extremistischen Gutmenschen: wer nicht gegen den Koran ist, der ist eben selbst ein Islamist!
Es wird immer offensichtlicher, der Terror hat längst unsere Köpfe erobert.
(Anm. d. Red.: Die geplante Koran-Verbrennung scheint einstweilen ausgesetzt.)

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