Oblivion

Neulich hatte ich noch gesagt, ich hätte mal wieder Lust auf eine richtig echte Space-Opera. Wann hat es so etwas gegeben seit „Star Wars“ und „Star Trek“? Es gab da so ein paar Ansätze mit „Riddick“ und bei „Green Lantern“ wurde uns das Blaue vom Himmel versprochen. Erstaunlicherweise hatte ich am ehesten das Gefühl eines großen und lebendigen Universums bei „Starship Troopers“. Die Space-Opera ist ein ganz bestimmtes Subgenre des Sci-Fi, welches irgendwie ausgestorben ist und dank solch ambitionierter Serien wie „Mass Effect“ mittlerweile auf die Konsolen umgezogen ist. Space-Operas eröffnen eine riesige Welt und vermitteln den Eindruck, hier ein lebendiges Universum zu besuchen. In Space Operas werden außerdem hochdramatische Geschichten in epischen Ausmaßen erzählt. Space Operas wollen nichts anderes, als riesig sein und eine Welt erschaffen, die man selbst erforschen möchte. Es sind Geschichten, die dazu animieren können, sich am liebsten sofort in ein Raumschiff setzen zu wollen und los fliegen zu wollen.
 In diesem Jahr wurden nun neben dem heiß erwartete „Star Trek Into Darkness“ noch zwei neue Projekte vorgestellt. Beim Trailer zu „Oblivion“ überkam mich ein leichtes Kribbeln und sogar M. Night Shyamalans „After Earth“ sieht nach frischer Sci-Fi aus. „Oblivion“ ist vor einigen Wochen angelaufen und hat einen gemischten Eindruck hinterlassen.
Die Erde ist kaputt. Irgendwann sind Außerirdische gekommen und haben den Mond zerstört. Das hat eine Reihe verheerender Naturkatastrophen ausgelöst, die fast die ganze Menschheit vernichtet hat. Anschließend landeten die Aliens, um der Erde den Rest zu geben. Doch die Menschen haben sich gewehrt und alles mit Atombomben gepflastert. Das hat den Planeten allerdings vollkommen unbewohnbar gemacht und die Menschen sind zu einer Kolonie zum Titan geflohen. Diese Kolonie braucht allerdings das Wasser der Erde, um zu überleben. Und da kommt Jack ins Spiel. Er ist zusammen mit seiner Kollegin Victoria der letzte Mensch auf dem Planeten. Seine Aufgabe besteht darin, die Wasserkollektoren zu bewachen.
Als Unterstützung hat er eine große Anzahl, super-aggressiver Drohnen, die über die zerstörte Oberfläche patrouillieren und alles platt machen, was den Kollektoren zu nahe kommt. Auf der Erde scheint es nämlich noch ein paar Überlebende der Aliens zu geben. Jack erledigt seine Aufgabe gewissenhaft, doch wird er immer von Träumen und Erinnerungen geplagt, die er eigentlich gar nicht haben kann. In seinen Visionen sieht er immer wieder eine Frau und Szenen aus einer Zeit, zu der er eigentlich noch nicht geboren war. Eines Tages stürzt ein Raumschiff ab und darin macht Jack eine unglaubliche Entdeckung, die sein gesamtes Weltbild durcheinander bringt.
Kommen wir gleich zum Punkt. „Oblivion“ hat es nicht, dieses Gefühl des Großartigen. Vom unglaublich großen und weiten Kosmos ist nämlich nichts zu sehen. Dafür sieht die zerstörte Erde um so überzeugender aus. Die karge Landschaft ist gespickt mit alten Ruinen und Kratern. Überall gibt es stumme Zeugen einer längst vergangenen Zeit. Im krassen Kontrast dazu steht Jacks Haus auf einer Gebirgskette. Erhaben von all der Zerstörung ist hier alles in sauberenm, strahlendem Weiß gehalten. Ebenso die Klamotten und Waffen von Jack. Das Schiff, mit dem der Techniker durch die Gegend fliegt, ist ebenfalls schneeweiß und sauber. Das ist ein schönes Bild und entwickelt einen sehr ansprechenden Look. Auch die Stimmung auf der – häufig recht friedlichen - Erdoberfläche ist gelungen. Hier wird häufig mit langsamen Einstellungen gearbeitet. Man hat viel Zeit, sich umzusehen und die Atmosphäre auf sich wirken zu lassen. Das ist etwas, was in vielen neueren Sci-Fi-Filmen vernachlässigt wird.
„Total Recall“ zum Beispiel hat eine sehr detaillierte Welt entworfen, von der man leider nichts sieht, weil alles so hektisch und schnell erzählt werden muss. Ähnlich, wie bei „Dredd“, der ganz kurz die faszinierende Kulisse der „Megacity One“ zeigt und dann die Handlung ins Innere eines Wolkenkratzers verlegt. In „Oblivion“ spielt sich das Meiste draußen ab und der Film zeigt sogar hin und wieder den Mut, ein völlig fremdes Setting in den Pott zu werfen. So Abwechslungsreich das ganze Setting sein mag und so homogen das alles ineinander fließt, bei der Story haben sie es verkackt. Die ist vollkommen banal und zu hundert Prozent vorhersehbar. Den einzigen Umschwung, der eine andere Dynamik in die Geschichte gebracht hätte, hat man bereits im Trailer verbraten. Das letzte Drittel besteht aus, uninspiriert zusammen geklauten Versatzstücken aus anderen Geschichten. Wenn Jack also im Finale durch ein Best-Of-Pottpurie aus den langweiligsten Elementen aus „Independence Day“, „Apollo 13“ und jeder andere x-beliebige Sci-Fi-Schwarte der letzten Zehn Jahre stolpert und dazu noch ein musikalisches Cresendo läuft, welches bis auf den letzten Ton aus „Inception“ zu stammen scheint, fragt man sich doch, wozu man sich zu Beginn die Mühe gemacht hat, eine so homogene Welt zu erschaffen.
„Oblivion“ will anders sein, als der heutige Action-Sci-Fi-Mix, der uns neuerdings ständig serviert wird. Zu gewissen Teilen gelingt das auch. Der ganze Stil ist frischer und auch Tom Cruise versucht, abseits seiner zwei Gesichtsausdrücke, anders zu sein. Das gelingt ihm aber deshalb nicht richtig, weil seine Figur so blass geraten ist, so, wie die gesamte Story. Das Ende ist schlichtweg dumm und der positive Eindruck, den man während der ersten zwanzig Minuten gewonnen hat, wird innerhalb kürzester Zeit weg gefegt. Das ist mal wieder schade, denn aus der Idee hätte man vielleicht etwas richtig gutes machen können.
Oblivion (USA, 2013): R.: Joseph Kosinski; D.: Tom Cruise, Olga Kurylenko, Morgan Freeman, u.a.; M.: M.8.3.; Offizielle Homepage
In Weimar: CineStar
Kineast im Radio: Jeden Sonntag, 14:00 bis 15:00 Uhr auf Radio Lotte Weimar.

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