Nomen non est omen

Heute: "Ausbildungsfähigkeit"
"Die Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass jeder junge Mensch, der ausbildungswillig und ausbildungsfähig ist, ein Qualifizierungsangebot erhält, das zu einem Berufsabschluss führt."
- Berufsbildungsbericht 2010, herausgegeben vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Seite 3 -
Seit Jahren beklagen Unternehmen, dass viele Jugendliche nicht mehr ausbildungsfähig seien. Gemeint sind damit mangelnde schulische Leistungen, vor allem in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Angeblich seien jedes Jahr 25 bis 50 Prozent aller Schulabgänger nicht ausbildungsreif. Die Zahlen schwanken, je nachdem ob die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder sich die Bundesregierung zu diesem Thema äußern.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im September 2005 eine Definition aufgestellt, nach der Jugendliche ausbildungsfähig seien. Zu diesen Eigenschaften und Anforderungen an Jugendliche gehören:
"Zuverlässigkeit, die Bereitschaft zu lernen, die Bereitschaft, Leistung zu zeigen, Verantwortungsbewusstsein, Konzentrationsfähigkeit, Durchhaltevermögen, Beherrschung der Grundrechenarten, einfaches Kopfrechnen, Sorgfalt, Rücksichtnahme, Höflichkeit, Toleranz, die Fähigkeit zur Selbstkritik, Konfliktfähigkeit, Anpassungsfähigkeit und zu guter Letzt die Bereitschaft, sich in die betriebliche Hierarchie einzuordnen."
Nach diesen Kriterien zu urteilen, wäre so gut wie kein Jugendlicher ausbildungsfähig. Zur Jugend gehört ein ungestümes, pubertäres und wildes und eben kein marktkonformes Verhalten, wie es sich Unternehmen gerne wünschen. Was Unternehmen mit ihrem Anspruch fordern, ist nichts anderes als die Abschaffung der Jugend. Abgesehen davon, dürfte es so gut wie unmöglich sein, all diese Kriterien bei Jugendlichen zu messen.
Insofern sind die Begriffe Ausbildungsreife und Ausbildungsunfähigkeit nicht eindeutig definiert. Es drängt sich vielmehr der Verdacht auf, dass sie politisch und ökonomisch instrumentalisiert werden. Das Schlagwort fällt z.B. häufig dann, wenn Unternehmen kritisiert werden, weil sie nicht genug Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Nach der DGB-Jugend haben rund 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung. Das sind 15 Prozent dieser Altersgruppe. Im September 2010 haben ca. 130.000 Lehrstellen gefehlt, ohne Schönrechnerei dürfte die Quote deutlich höher liegen.
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen ihre Anforderungen an zukünftige Azubis zu hoch ansetzen. Viele Jugendliche sollen am besten schon alles können, damit das Unternehmen ihnen nicht mehr viel beibringen muss und damit Zeit und Mühen sparen kann. Unternehmen benutzen also gern die Phrase der Ausbildungsunfähigkeit der Jugendlichen, um so von ihrer eigenen Ausbildungsunwilligkeit abzulenken.
Interessant ist auch, dass Jugendliche die von der Arbeitsagentur als nicht ausbildungsfähig deklariert werden, nicht mehr in der Statistik der Lehrstellen-Suchenden aufgelistet werden. Zudem werden fast eine halbe Million Jugendliche jährlich in Warteschleifen geparkt, die auch in der offiziellen Statistik der Lehrstellen-Suchenden nicht auftauchen.
Politik und Wirtschaft haben also beide ein Interesse an der Inflation des Unwortes: "Ausbildungsunfähigkeit". In der Öffentlichkeit findet indessen nur eine Debatte um die Erziehung und Bildung der Jugendlichen statt. So als liege das Problem einzig und allein an der Dummheit der Jugendlichen: Prinzip Eigenverantwortung.
Dies ist ein Gastbeitrag von Markus Vollack aka Epikur.

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