Mediale Darstellung Jordaniens

Vor etwa einem Jahrzehnt mehrten sich positive Berichte über Jordanien. Der junge, als dynamisch geltende Abdullah bin al-Hussein bekam zu jener Zeit das Zepter in die Hand gedrückt und fortan galt Jordanien als aufgeklärter islamischer Staat, der für westliche Werte wie Demokratie und Menschenrechte aufgeschlossen war. In einer Dokumentation, in der Jordanien als mögliches Urlaubsziel und als Land voller Kultur und Modernität dargestellt wurde, gab sich König Abdullah II. als Biker, als lockerer easy rider, dem die Gutmütigkeit ins Gesicht sonnengebrannt war. Deutsche Urlaubsratgeber in TV und Print berichteten vom jordanischen Paradies, malerischen Landschaften und der Jugend des Landes, die ganz westlich-aufgeklärt Rock und Pop höre, zudem in Nachtclubs ausschwärme, um sich zu amüsieren. Ein Visionär schien den Thron bestiegen zu haben - und dass er zukunftsfähige Visionen hatte, untermauerte ja auch sein Statistenauftritt 1996 bei Star Trek Voyager, einer visionären TV-Serie. Nebenher dominierte Rania, die Gattin Abdullahs, das internationale Jetset und war sich allerlei bewundernder Devotionalien der yellow press gewiss.

Kurzum: Jordanien geriet in den wohligen Ruf ein zukunftfähiges, modernes und aufgeschlossenes Land zu sein - Abdullah II., der so bürgernah ist und sich so bürgerlich in Jeans ablichten läßt, galt und gilt weiterhin als Gesicht dieses mondänen Jordaniens. Dass Jordanien im Westen angekommen schien, fast demokratisch und freiheitlich roch, lag freilich auch an der politischen Konzeption und Stellung - man ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA außerhalb der NATO, verfügt über Abkommen mit der EU, sitzt auf annehmbar großen Uranvorräten, macht sich mit der palästinensischen Sache nicht gemein und liegt überdies in einer geopolitisch spannenden Zone: all das ist die sympathische Grundlage des bikenden Königs in grobem Jeansstoff, der der Welt sein Reich zur Schau stellt; ein iranischer Präsident, sei er noch so konziliant und höflich, fände in Motorradfahrerkluft niemals Eingang in die westliche Journaille. Erst die Anbiederung und natürlich vorallem der Anschein, man führe in vorgekerbte Rillen, die geradewegs zur Installation westlicher Werte hinführten, erlauben eine solch wohlwollende Presse. photoPhoto:World Economic Forum

Tatsächlich griffen tunesische Zustände nun auch auf Jordanien über. Drastische Wirtschaftsreformen haben das Land in noch tiefere Armut geworfen - denn ärmlich ging es dort allezeit zu, eine mit Geschmeide behangene und haute couture gewandete Rania von Jordanien kann wohl kaum als Maßstab jordanischen Wohlstandes herangezogen werden. Immer wenn Rania in westlichen Industrieländern als liebenswerter Staatsgast gefeiert wird, wünschte man sich eine Meinhof in Höchstform zurück, eine, die auch dieser Regentin einen offenen Brief zustellte, so wie damals der Farah Diba, die dereinst aus einem Paralleluniversum heraus Hof hielt, in dem ihr Land als ein Hort des Glücks und der Lebensfreude fungierte. Man las wenig davon, dass in Jordanien die Rede- und Pressefreiheit stotterte; wenig über die monarchische Allmacht, die sich spärlich demokratisch ausgestaltete; wenig darüber, dass auch dort die schari'a gilt - was nichts heißen muß, was aber bei Ländern wie dem Iran fortwährend penetrant kritisiert und als Verstoß gegen die Menschenrechte postuliert wird.
Mit Tunesien lief es ähnlich. Europa machte dort seit Jahren Urlaub: Es galt als beliebtes Urlaubsziel; man freute sich vor einigen Jahren mit ausgelassenen Tunesiern, die den Sieg beim Africa Cup of Nations feierten - alles schien zwar nicht in wunderbarer Ordnung zu sein, die Armut wütete dazu zu arg, aber letztlich sei man auf einem guten Weg. Dass Tunesien eine Diktatur sei, hätten europäische Touristen kaum bejaht - das Tunesien aus dem eigenen erfahrenen Urlaub und das Tunesien aus den Medien und Hochglanzprospekten etlicher Reisebüros, erlaubten kein gegenteiliges Urteil. Das wirkliche Tunesien, so zeigt es sich nun der Öffentlichkeit, war ein ganz anderes.
Nun wusste man seit geraumer Zeit von Problemen in der jordanischen Wirtschaft, aber dass dahinter mehr steckt, unzufriedene Massen nämlich, die die Diktatur gerne beseitigt sehen wollten, das könnte vielleicht in nächster Zukunft auf den Tisch kommen. Denn Abdullah II. mag durchaus höflich und weltgewandt sein, aber seine königliche Position ist despotisch angelegt und sein Land ist nicht auf Demokratie und Liberalität programmiert, auch wenn dieser Anschein gerne erweckt wurde.
Eine weitere Marionettenregierung der westlichen Hemisphäre, die taumelt und wankt. Aber mit der guten Presse könnte es sogar möglich sein, gegen Demonstranten zu schießen - wenn dann Rania aus ihrem Flieger steigt und erlaucht winkt, dann sind die armen Teufel, die da durchsiebt wurden, schon wieder vergessen; und man wird schreiben, dass nun in Jordanien Reformen anstehen, um den Frieden und die zarten Knospen der Demokratie zu stützen. Und keiner wird mehr ahnen oder sich daran zurückerinnern, dass Jordanien alles ist, nur kein Land freier Menschen...


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