Noch ein paar Doppelbelichtungen

Noch ein paar Doppelbelichtungen und schaun wir mal, welche Reaktionen zu diesem Thema kommen …
Manchmal wird mir die Frage gestellt, warum ich das alles mache. Und gerade diese Doppelbelichtungen. Die versteht doch kein Mensch. Warum, wieso und weshalb sind immer schöne Fragen. Mit einem Achselzucken könnte ich das beantworten oder näher darauf eingehen.

Doppelbelichtungen mache ich, weil es mir Spaß macht

Viele Jahre Fotografie kann auch zur aktiven Verwaltung der wiederkehrenden Monotonie führen. Ich will jetzt nicht sagen, dass man nach 2 oder 3 Jahren alles durch hat, was die Fotografie so bietet. Aber immer nur das Gleiche zu machen, ist auch nicht so erbauend. Darum probiere ich gerne immer wieder etwas Neues aus. Doppelbelichtung ist jetzt nicht unbedingt neu. Aber die Geschichten die ich damit erzählen kann, die neu erfundenen Darstellungen die ich zeigen kann, die sind neu. Und ich kann auch etwas, das schon tausendmal und mehr veröffentlicht wurde, neu interpretieren. Das macht Spaß. Das erhält den Spaß an der Fotografie.

Spaß macht mir immer nur das, was für mich eine Herausforderung darstellt. Da kann man sich so richtig austoben, weil nichts Routine ist.

Doppelbelichtungen mache ich, weil es eine Herausforderung ist

Es gibt zwei Arten der Doppelbelichtung: die Zufällige und die Geplante. Das mit der Zufälligen habe ich probiert und außer einem „… ist das lustig“, hat es mir nichts gegeben. Ich stehe total auf die geplante Doppelbelichtung. Da mache ich mir vorher ein schönes Fotokonzept, erkläre es lang und breit dem Fotomodell (falls es eine Sache mit Model ist … und ernte regelmäßig ungläubige Blicke, weil sich niemand vorstellen kann, wie das aussehen kann), mache eine Art Drehbuch, steuere jede Belichtungsstation exakt an und habe auch keine Angst davor das Bild zu versemmeln. Ui, was für ein ellenlanger Satz. Aber eigentlich sagt er alles aus. 100% Wahrheit. Mehr bedarf es nicht … aber auch nicht weniger.

Doppelbelichtungen macht man nicht so einfach aus dem Handgelenk. Jedenfalls nicht, wenn man eine komplexe Geschichte erzählen möchte.

Doppelbelichtungen mache ich, weil ich Geschichten erzähle

Gestern habe ich schon etwas zu Doppelbelichtungen und den Geschichten gesagt. Ganze Geschichten erzählen, mit nur einem Bild. Das übt für mich einen großen Reiz aus. Eine komplexe Geschichte in nur einem Bild darzustellen und dabei den Bildbetrachter zum Nachdenken anzuregen … das ist das Größte. Gibt es überhaupt noch eine andere Kommunikationsform, die ähnliches leisten kann? Ich glaube nicht. Möglicherweise kommen wir hier an den Punkt, der bei vielen Fotografen zur Ablehnung dieser Art der Fotografie führt.

Doppelbelichtungen versus Klarheit im Bild

Nun sollte sich jeder Leser einmal selbst an die Nase fassen. Sind wir es nicht alle gewohnt, Realitäten in eindeutiger und unmissverständlicher Weise zu erfassen, weil wir aus Erfahrung wissen, wie es sich anfühlt und was es ist? Gut, jetzt können alle ihre Nase wieder los lassen. Schon aus frühester Jugend wissen wir, wie sich unsere Nase anfühlt. Das ist eine auf Erfahrungen basierende Realität. Angenommen, irgendetwas wird auf unsere Nase geklebt … plötzlich fühlt sich unsere Nase nicht mehr so wie gewohnt an. Ungewöhnlich. Und genau so ist es mit Doppelbelichtungen. Jedes einzelne Bild für sich alleine würde der Bildbetrachter wahrscheinlich sofort als „bekannt“ einordnen können. Aber mehrere Bilder übereinander? Wenn diese Einzelbilder auch noch ineinander fließen, dann springt das Auswerten des Bildes über die Bekannt-Funktion des Gehirns nicht mehr so einfach an.

Ich liebe es ja, Bildbetrachter von ihrem gewohnten Sehen abzubringen. Klare Bilder ohne besondere Herausforderungen gibt es in großer Menge. Also muss ich mich da mit meinen Bildern nicht permanent einordnen. Aber wie spannend ist das doch, wenn der Bildbetrachter seine eigenen Sehgewohnheiten aufgibt und dann versucht die Botschaft (oder das Geschehen) im Bild zu enträtseln. Die auf den ersten Blick mangelnde Klarheit in der Doppelbelichtung bildet sich durch die Gedankenleistung des Bildbetrachters.

Klar, das Ganze ist eine Herausforderung an den Fotografen, der seine Doppelbelichtungen so aufbauen muss, dass der Bildbetrachter das Geschehen respektive die Geschichte entschlüsseln kann. Und Bildbetrachter müssen bereit sein, sich auf ein Bild mit eigenen Interpretationen einzulassen.

Sind Doppelbelichtungen automatisch Kunst?

Ach, wie ich diese Frage liebe. Nein, nichts, aber auch gerade gar nichts, wird automatisch zu Kunst. Aber einige Bilder werden zu Kunst. Fotokunst eben. Heute wurden einige Doppelbelichtungen von mir in die Kategorie Fotokunst im Spürsinn-Shop aufgenommen. Wenn die Kuratorin von Spürsinn der Ansicht ist, dass diese Bilder Fotokunst sind, dann ist das so. Ich habe da volle Vertrauen zu Anne. Schließlich hat sie Kunstwissenschaften studiert und sich (trotzdem?) ein waches Auge bewahrt.

Jetzt noch schnell ein paar Bilder. Diese Serie finde ich bezaubernd, weil sie alles und nichts zeigt und dabei auch ein leichtes Schmunzeln ins Gesicht des Bildbetrachters zaubert. Kunst muss ja nicht immer todernst sein ;-)

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Will jemand die Bilder kaufen? Hier ist der Link >>>


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