No beginning, no end

Die sagenumwobene, uralte und anmutige Medina Marrakeshs lag vor uns, wir hatten 6:30 Uhr und die Sonne erweckte so langsam die Gassen. Weit und breit keine Spur von dem regen Treiben wie man es hier erwartet. Keine nie endende Schlangenbeschwörer Flöte, welche betäubte Schlangen betäubt, keine Trommeln, keine Marktschreier, kein gar nichts. Ab und zu gab es eine Toilettenspülung in der Wand zu hören. Der Taxifahrer hat uns auf der Fahrt erklärt, das der “Djamaa el Fna”, der Mittelpunkt der Medina, früher kein Vergnügungsplatz, sondern der Vollstreckung derjenigen diente, die zum Tode verurteilt waren. Ihre Köpfe wurden auf Pfähle gespießt und standen da solange bis sie eben verfault waren. Der Platz der Gehängten. Guten Morgen Marrakesh.

Für mich war eines meiner persönlichen Highlights das direkt nach dem Aufstehen, mit einer Frühstückszigarette über den Platz zu laufen um Wasser zu besorgen. Natürlich am anderen Ende und natürlich an einen Kiosk. Jeder Kiosk hat Wasser. Und Shampoo und Zigaretten und Schokolade und Shampoo und so ziemlich jeder Kiosk hat Taschentücher. Einen Berg Taschentücher. Meist sogar ausgelegt in einem separaten Abteil. Ich hab vor einiger Zeit mal gelesen das Marokkaner das Sperma des Mannes in Taschentüchern “einfangen” um diese für etwaige Fruchtbarkeitsgebete zu nutzen. Wenn man aber dann wiederum die Menge der Taschentücher beachtet ist es nur wahrscheinlich, das die sogenannte Erkältung auch eine gewisse Rolle spielen könnte. Aber wie bekommt man eine Erkältung wenn es so gut wie nicht regnet? Und sowieso gibt es niemanden, der hier seine Nase schnäuzt. Diese und weitere Fragen stelle ich mir, während der Tag an mir vorbeibraust und im von Nebelschwaden eingehüllten Trommelwirbel untergeht. Man hat hier genug Zeit sich solche Gedanken zu machen, denn morgen beginnt alles wieder von vorne und ein Kioskbetreiber verkauft seine  Taschentücher.