"Nein, Jonathan geht nicht in die Migrantenkita."

Werbespots von Apple suggerieren uns die Honigkuchenharmonie in der Familie und im Freundeskreis. Alle sind beisammen. Und können sie es einmal nicht sein, dann verbinden sie sich mit ihren Applegeräten. Wenn sie sich sehen (als iPhone Selfie) freuen sie sich. Wenn sie einander sehen, auch. Ja ja klar, das ist bei uns auch so. Nur sind meine Eltern bis heute nicht im Internet. Mein Bruder ist der einzige Kontakt in meiner Facetimeliste. Alle anderen haben kein iPad, es ist nicht zu fassen.
Der Werbespot "apple"liert nicht nur ans uns, Geräte zu kaufen. Er appelliert auch an unseren Gemeinschaftssinn. Dass wir zu einer Gruppe gehören. Und man erinnert sich, dass man das selber auch will. Aber bitte ohne Gruppenzwang.
Die Familie ist die große Geschichte der Konservativen. Endlos die Zahl der Entlarvungsversuche linker Autoren und Regisseure. Zum guten Ton eines Pubertierenden gehört die Distanzierung von den Eltern. Zum guten Ton des Vaters, dagegen zu halten.
Denn Familie ist das letzte Reservoir, in der unbeobachtet Herrschaft ausgeübt werden kann. Oder Herrschsucht. Und dann wird das Credo von der Familiengemeinschaft mit Sonntagsspaziergang und Kirchbesuch zur Heuchelei.
Die das schon immer angeprangert haben, suggerieren, den Gegenentwurf zu leben. Gemeinschaft ist ihnen verdächtig, die "Volks"gemeinschaft wäre da nicht weit, nicht wahr..? Und auch der Verein ist ihnen verdächtig, zu spießig. Sie laufen nicht hinter Flaggen, sie laufen hinter Transparenten her - wenn es hoch kommt.
Sie setzen Gesellschaft gegen Gemeinschaft. Zur Gesellschaft gehören alle, da wirst du nicht gefragt. Und wenn du zu denen gehörst, denen es schlechter geht, dann übernimmt die Gesellschaft Verantwortung für dein Leben. Wie praktisch, nicht wahr, Verantwortung war eh nie dein Ding. Sag nicht, du hast die Schule geschmissen, die Lehre oder das Studium. Sage, dass du schwache Schultern hast und appelliere laut, besser kreischend, an unsere "Solidarität". Verlange "Teilhabe" an der "Gesellschaft". Und ganz wichtig: Verachte und beschimpfe die, die mit dir solidarisch sind.
Auf einer Silvesterpartie zitierte ein aktives FDP-Mitglied mal Margaret Thatcher: "So etwas wie Gesellschaft gibt es nicht." Ich musste schlucken, obwohl ich schon angefangen hatte, die liberalen Denker zu lesen. 
Heute verstehe ich dieses Zitat. Gesellschaft ist eine Projektion von Linken, die ihre Familie vermissen, das aber nicht wahrhaben wollen. All ihre politischen Diskurse sind Ersatzkriegsschauplätze ihrer Familien. In der Regierung bekämpfen sie ihre Väter, in der Kirche ihre Mütter. Alle Minderheiten kennen wir nur, weil sie ihnen Namen gegeben haben, damit sie sie uns als Opfer unserer Taten vorhalten können. Das ist die Funktion, die sie den "Refugees" geben. Und das fängt bei dem Begriff an, der natürlich "global" daher kommen muss. "Flüchtling" wäre ja unsere Sprache. Wie Pubertierende halten sie aber mit einer eigenen dagegen. 
Für die Flüchtlinge fordern sie "Teilhabe". Von uns fordern sie "Willkommenskultur". Was sie von sich selbst fordern, bleibt unbekannt. Was sie in ihrem Aktivistenaktionismus aber finden ist die ersehnte, von ihren Eltern verweigerte Anerkennung. 
Wir wohnen an der Grenze zwischen Kreuzberg und Mitte. Unsere Nachbarn wählen grün. Auf Uraniaveranstaltungen verbessern sie Leute, die am Mikro Zigeuner, Bettler oder schwul sagen. Auch wenn das Rentner sagen, bei denen diese Begriffe nie negativ besetzt waren. Aber Herrschaft erfolgt über die Sprache und deshalb fängt die Auslebung der gutmenschlichen Herrschsucht mit Korrekturen der falschen Begriffe an.
Wenn diese moralischen Instanzen dann wieder zu Hause sind, suchen sie weiter nach einem Kitaplatz für Jonathan oder Lena-Charlotte. Aber Achtung: hier gelten nun andere Regeln.
Gespräch im Treppenhaus:"... und wie geht es Jonathan, hat er schon einen Kitaplatz?"- "Ja endlich, in Friedrichshain."- "Waas, so weit weg? Warum nicht hier um die Ecke, das wären doch nur 3 Minuten Fußweg?"(Anm.: In der Kita sind mehr als die Hälfte Kinder von türkisch-arabischen Einwanderern. Aber wirklich liebe, wohlerzogene Kinder von integrierten Einwanderern.)- "Ah nee, wir wollten Friedrichshain wegen des besseren pädagogischen Konzeptes."- "Und wie kommt er dahin?"- "Mein Mann fährt ihn vor der Arbeit mit dem Auto hin."- "Ich dachte, er fährt mit dem Bus?"- "Ah nee, das würd zu lang dauern."
Gutmenschen reden nur ungern über ihr eigenes Leben und wie sie es mit den moralischen Maßstäben halten, die sie anderen vorhalten. 
Und auch wenn es um ureigene Interessen geht, sind sie nicht so aktiv wie auf Demos gegen xy-phobien. "Phobie" ist auch wieder so eine Vergesellschaftung privat-seelischer Probleme. 
"Weißt du, hast eine Islamophobie. Du hast auch eine Homophobie."- "Dann hast du eine AKW-Phobie."- "Quatsch. AKWs sind schon in die Luft geflogen."- "Und der IS hat Menschen getötet."- "Nicht alle Muslime sind Terroristen."- "Und nicht alle AKWs sind unsicher."- "Was haben denn AKWs mit deiner Islamophobie zu tun?"- "Meine Islamophobie gibt es nur in deiner Einbildung. Weil du ein Feindbild brauchst."- "Mit dir kann man nicht diskutieren. Du bist unpolitisch." 
Gutmenschen empören sich gerne, weil das emotional entspannt. Es ist ihre Form des Druckablassens. Wirklich für eine Sache kämpfen lassen sie lieber andere. Man weiß ja nie, welche Partei gewinnt und wozu sollte man es sich mit dem späteren Gewinner verscherzen?
Gespräch im Treppenhaus wenige Tage vor der Eigentümerversammlung:"So, am Freitag werden wir der Wohnungsgesellschaft wegen der verschwiegenen Schäden einheizen, oder?"- "Ja müssen wir mal sehen, da läuft doch noch das Schlichtungsgespräch."- "Ja, inzwischen seit drei Jahren. Ohne Drohkulisse bewegen die sich nicht. Werden sie für das Klagerecht der Eigentümerversammlung stimmen?"- "Ja nee, müssen wir mal sehen."
Auf der Versammlung sagen sie kein Wort. Andere kämpfen für sie, teilweise laut, teilweise auch gegen den zu passiven Beirat. Die Gutmenschen enthalten sich, profitieren am Ende aber vom Stimmergebnis. Nur das Schlusswort behalten sie sich vor: Sie appellieren daran, doch bitte konstruktiv miteinander umzugehen und "ganz herzlichen Dank an den Beirat und die Wohnungsgesellschaft, dass sie sich bewegt haben". Dafür bekommen sie Applaus. Die wenigen Mutigen, die aufgestanden und laut geworden waren, gelten ihnen als unfein.
Als der Beirat nur Eigentümer war, waren wir im Beirat. Jede Woche stand er auf der Matte mit Fragen über Fragen. "Wann setzen sie dies um, wann jenes?".  Mitzukämpfen gegen den großen Gegner war nicht so seine Sache, er fragte uns lieber, ob drei Prozent ein guter Hypothekenzins seien.
Nach zwei Jahren gaben wir den Job ab, und schlugen ihn als Kandidaten vor. Er konnte nicht ablehnen und wurde gewählt. Als erstes "glättete" er "die Wogen" zur Wohnungsgesellschaft. Als zweites, weil es in Arbeit ausartete, beantragte er in der nächsten Versammlung eine Unkostenpauschale für die Arbeit im Beirat. Uns blieb die Spucke weg. Die Pauschale wurde abgelehnt. Aber er beantragte sie jedes mal wieder und fand immer mehr wortreiche Fürsprecher. Bei denen, die so gerne andere für sich kämpfen lassen.
Einer seiner Fürsprecher machte Furore als er hier einzog: Mit wochenlangem Lärm stemmte er alle Zwischenwände aus seiner Wohnung. Als der Beirat nach einer Baugenehmigung fragte, winkte er ab. "Stop" rief der Beirat, "was ist mit der Statik? Wenn da etwas schief geht, sind die Hausnummern rechts und links auch betroffen." - "Ich bin Architekt, machen sie sich keine Sorgen." Er schickte seine Frau zu unserer Wohnungstür. Mit einem Kind auf dem Arm und dem anderen an der Hand fragte sie uns, warum wir ihren Einzug verzögern:"Weil sie ohne Prüfung und Baugenehmigung ihre Wände abreißen. Hausverwaltung und Beirat können das nicht akzeptieren."- "Mein Mann ist Architekt."- "Um so schlimmer."- "Wenn wir die Statikprüfung und Baugenehmigung einholen sollen, verzögert sich unser Einzugstermin. Wo sollen wir dann bitte hin mit zwei Kindern?".
Regel Nummer 1 im Gutmenschenratgeber: Regeln gelten nur für andere. Für sie selbst gelten  eigene Regeln. 
Also, nicht die moralische Überheblichkeit ist das nervendste am Gutmenschen. Sondern seine Doppelmoral, die alle Worte als Heuchelei enttarnt. Es ist eine passive Form von Aggression. Sie spannt andere für die eigenen Interessen ein. Sie entzieht sich selbstverantwortlichen Handelns. Sie findet jemanden, der es aus moralischen Gründen für sie tun muss. Sie projiziert private Konflikte ins Grundsätzliche ("Politische") und schmeisst das, was sie ihren Eltern noch sagen wollte, anderen vor den Kopf. Ihre Aggression speist sich aus dem Schuldgefühl genauso wie ihre Eltern geworden zu sein, und darum mit auf die Anklagebank zu gehören, auf der ihre Eltern nach dem Krieg nie saßen. Ihre Pubertät bliesen sie zu einer Antifa-Aktion auf. Im Herzen sind sie selbstsüchtige, herrschsüchtige, menschenverachtende Bürger geworden.
Und das ist es, wovor mir bei einer schwarz-grünen Bundesregierung so grauen würde.

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