Mythos oder Medizin? Salzbrezeln und Cola bei Durchfall?

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Mal sind es Viren, die einem die Freude am Essen gründlich vermiesen, mal hat der Bäcker um die Ecke das Eierschinkenbrötchen zu lange in der Sonne liegen lassen. Dann treiben Bakterien im Darm ihr Unwesen.

So oder so: Durchfall fühlt sich unangenehm an und entzieht dem Körper neben Wasser auch wichtige Nährstoffe.

Da liegt es nahe, den Verlust über energiereiche Cola und salzige Brezeln wieder ausgleichen zu wollen. Grundsätzlich halten Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium die Funktion von Zellen im Körper aufrecht. Zucker stellt sicher, dass Salz aus dem Darm in den Körper transportiert werden kann. Außerdem schmecken Cola und Salzbrezeln auch noch, wo man doch sowieso wenig Appetit hat.

“Wirklich geeignet, um Durchfall zu bekämpfen, sind sie trotzdem nicht”, sagt Tom Ganten, Oberarzt der Gastroenterologie der Uni-Klinik Heidelberg. Cola besitze zum einen Koffein, was zumindest für Kinder problematisch und eher Durchfall fördernd sei. Zudem sei der Zuckergehalt in dem Getränk viel zu hoch. “Zu viel Zucker kann dazu führen, dass es zu einer vermehrten Wasserausscheidung über die Niere kommt. Dadurch verliert man unter Umständen noch mehr Flüssigkeit und wichtige Elektrolyte wie das Kalium.” Eine Studie im “Internal Journal of Clinical Practice” kam sogar zu dem Ergebnis, dass große Cola-Mengen von zwei bis drei Litern am Tag einen Kaliummangel hervorrufen können.

Gleichmäßig nachfüllen

“Natrium und Kalium werden im Körper eng reguliert”, erklärt Ganten. “Das gelingt dem Organismus in der Regel selbst bei Durchfall noch, so lange alle Organe richtig arbeiten und die nötigen Substanzen verfügbar sind.” Salzbrezeln allerdings enthalten vor allem Natrium und kaum Kalium. “Bei Durchfall gehen beide Elektrolyte verloren und sollten gleichmäßig wieder aufgenommen werden.”

Geschieht das nicht, kann das bei schwerem und länger anhaltendem Durchfall schwerwiegende Folgen haben: Kalium hält unter anderem die Zellmembran der Herzmuskelzellen stabil und ist an der Steuerung des Herzrhythmus beteiligt. Ein Mangel kann zu Lähmungserscheinungen im Körper bis hin zu Herzrhythmusstörungen führen. Fehlt Natrium, äußert sich das durch Müdigkeit und Verwirrungszustände. Im Extremfall lagert sich Wasser im Hirngewebe ein, ein Ödem entsteht.

Elektrolytlösung statt Cola

Besser als Salzstangen und Cola eignen sich als Gegenmaßname Elektrolytlösungen aus der Apotheke. “Zu Hause kann man sich so ein Getränk auch selbst zubereiten”, erklärt Ganten. Dafür muss ein Teelöffel Salz in einen Liter abgekochtes Wasser gemischt werden, das stellt die Natriumversorgung sicher. Hinzu kommt der Saft von vier Orangen, sie dienen als Kaliumlieferant. Die letzte Zutat sind sieben Teelöffel Traubenzucker (Glukose). Der Zucker liefert Energie und erleichtert es dem Körper, die Elektrolyte aus dem Cocktail aufzunehmen.

Bei leichtem Durchfall beruhigen auch Tee mit ein bisschen Zucker und Zwieback den Verdauungstrakt. “Viel Trinken ist oberstes Gebot”, sagt Ganten. “Mindestens drei Liter am Tag bei Erwachsenen, je nach Schwere der Erkrankung kann auch sehr viel mehr nötig sein.” Ein Anhaltspunkt für den Status der Wasserversorgung im Körper seien gut durchblutete und feuchte Schleimhäute – etwa in der Nase.

Hingegen ungeeignet für die Behandlung sind in der Regel Tabletten, die den Darm vorerst ganz verstopfen, denn Durchfall erfüllt eine Funktion: Er spült Viren, Bakterien und Giftstoffe aus dem Verdauungstrakt. Meist befallen diese den Dickdarm, der dafür zuständig ist, Wasser aufzunehmen. Ist er entzündet, gelingt das nicht mehr richtig.

Mit trockenem Brot und Äpfeln wieder anfangen zu essen

Beruhigt sich der Magen allmählich, kann man anfangen, trockenes Brot zu essen, ein wenig Apfel oder gekochte Karotten. “Beides enthält Pektine, die gut vertragen werden und Giftstoffe binden”, sagt Ganten. Wer keinen Appetit auf einen festen Apfel habe, könne diesen auch kleinraspeln und zu Brei verarbeiten.
“Nicht geeignet bei Durchfall sind dagegen Lebensmittel mit hohem Fettgehalt”, so der Gastroenterologe. Sie überfordern das gereizte Verdauungssystem. Ähnlich sei es mit Milch. “Viele Menschen vertragen den Milchzucker Laktose nicht, wenn der Darm gereizt ist.” Grund hierfür ist, dass das Enzym Laktase, das den Milchzucker im Dünndarm spaltet, bei einer Entzündung nicht in ausreichender Menge vorhanden ist – ähnlich wie bei einer Laktoseintoleranz.

Verschwindet der Durchfall nach etwa drei Tagen nicht von allein, ist er blutig oder fühlt man sich stark geschwächt, sollte man zum Arzt gehen. Das gelte in besonderem Maß für Kinder und alte Menschen, so Ganten. Wenn man die Haut zusammenkneift und die Falten stehen bleiben, dunkel gefärbter Urin oder fehlende Urinausscheidung seien Hinweise auf extremen Flüssigkeitsmangel. “Dann muss direkt ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.”

Fazit: Leicht gesüßter Tee, Zwieback und Elektrolytlösungen unterstützen den Körper bei Durchfall besser als Cola und Salzstangen. Einziger Trost: Durch die richtige Behandlung verschwinden die Beschwerden hoffentlich schneller. Anschließend sind süße und salzige Sünden wieder erlaubt.


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