Mugen wol die besten sîn ...

Peter Hartz berät François Hollande und Daniel Bahr soll Obamacare retten. Was kommt als nächstes? Klaus Zumwinkel als Konsultant der griechischen Post oder Friedrich Merz als Kopf einer Brüsseler Kommission, die über die soziale Gerechtigkeit tagt? Mir jedenfalls kommt es vor, als positionierte diese Kanzlerin nach und nach das deutsche Wesen in der Welt.
Mugen wol die besten sîn ...

Sie schwärmen aus, die Vertreter der deutschen Herrenart, der Herrenökonomie, um der Welt zu zeigen, wie man angemessen lebt, wie man richtig arbeitet und wirtschaftet, wie man nützlich für seine jeweilige Gesellschaft wird und wie die jeweilige Gesellschaft nützlich wird - für Deutschland. Hollande hat es jetzt endlich eingesehen. Und es gibt ja doch keine Alternative. Bahr wird die amerikanische Krankenversicherung so gestalten, dass auch deutsche Pharmaunternehmen etwas von diesem historischen Reförmchen haben. Wie kleinkariert diese Neonazis mit ihrem Deutschland den Deutschen doch waren und sind. Darüber ist die hiesige politische Klasse schon lange hinaus. Die Welt den Deutschen! Nicht als physische Besatzungsmacht, sondern durch psychische Infiltration. Das pedantische deutsche Wesen im Verbund mit dieser aggressiven Ökonomie ergibt ein Sendungsbewusstsein auf Weltniveau.


Um das deutsche Wesen, das ganz besonders anständig, gut und unübertroffen ist, ging es immer wieder. Von der Gründerzeit bis zu Wilhelm Zwo war es so. Emanuel Geibel schrieb in jenen Jahren ein Gedicht über Deutschlands Beruf, das damals wie heute passend ist. ... Macht Europas Herz gesunden ... / ... Macht und Freiheit, Recht und Sitte / Klarer Geist und scharfer Hieb / Zügeln dann aus starker Mitte / Jeder Selbstsucht wilden Trieb / Und es mag am deutschen Wesen / Einmal noch die Welt genesen, schrieb er voller Stolz. Später ging es um das neue Deutschland, das erwacht war und der Welt seinen neuesten Stempel aufdrücken wollte. Aber selbst schon der olle Walther von der Vogelweide dichtete Ende des 12. Jahrhunderts ... tiuschiu zuht gât vor in allen ... / ... Von der Elbe unz an den Rîn ... / ... mugen wol die besten sîn / die ich in der werlte hân erkant - Deutsche Art und Bildung übertrifft alle anderen ... / ... Von der Elbe bis an den Rhein ... / ... da leben gewiss die Besten / die ich in der ganzen Welt gefunden habe.


Was nur treibt deutsche Eliten nur immer wieder dazu, ihre Typus anderen aufnötigen zu wollen? Selbst das Amt des Bundespräsidenten, das sich im Laufe der Geschichte der Bundesrepublik zu einer (meist) mäßigenden und moralisierenden Institution entwickelt hatte, ist heute mit dem Eifer der Sendung beschäftigt. Klar hat Gauck recht, wenn er zum Beispiel die Todesstrafe in Indien kritisiert. Ethisch betrachtet. Aber diplomatisch? Da reist er nach Indien und sagt den Leuten, wie sie ihr Leben zu organisieren haben. Als Kerry vor kurzem in Deutschland war, mahnte er übrigens nicht an, dass die Vereinigten Staaten die Todesstrafe endlich abschaffen sollen. Denn die USA sind auch mit ihr ein Rechtsstaat. Besserwessi haben die Leute im Osten Westdeutsche genannt, die ihnen das Leben erklären wollten. Man muss offenbar gar kein Westdeutscher sein, um ein solcher Besserwessi zu werden. Im Namen des Westens ist man ja ohnehin immer besser.


Im Durchschnitt wollen die Eliten dieses neuen Deutschlands nicht leben. Hierzu lassen sie den pathologischen Neoliberalismus ausschwärmen und den nationalen Pathos aufwärmen. Hierzu zieht der Läufer Hartz auf g5 und der Bauer Bahr zwei Felder vor auf h4, derweil von der Leyen von Verantwortung spricht und Steinmeier diese Äußerungen dick unterstreicht und von Gauck absegnen lässt. Diese Eliten wollen Weltpolitik machen und die Welt nach ihrer ökonomischen Marschrichtung laufen lassen. Wollen das die normalen Leute eigentlich auch?


Neulich war ich in Konstantin Weckers neuen Solo-Programm. Er las aus seinem autobiographischen Werk Die Kunst des Scheiterns vor. Auch jene Passage, in der sein Vater ihn vor den Wehrdienst bewahrte. Der habe gesagt, dass er selbst nicht bei den Nazis Soldat gewesen sei und nun werde auch sein Sohn nicht zum Militär gehen. Das sei bei den Weckers eben so, las Wecker vor und schob nach: Das hätte ich auch Frau von der Leyen schicken können. Viel Applaus, der das Gelächter erstickte. Oder Herrn Gauck, setzte er nach. Wieder Applaus. Und genau das macht Hoffnung. Wenigstens so ein bisschen.


Jedenfalls sind sie gegen direkte Kriege. Bei der klammheimlichen und angebotsorientierten Kriegserklärung gegen Demokratie und den darin enthaltenen Partizipationsgedanken, den sie Agenda 2010 nennen, sieht es weniger rosig aus. Dieser Krieg mit den friedlichen Mitteln des Verwaltungsaktes ist so in "vernünftige Argumentationen" und "dialektische Auseinandersetzungen" verstrickt, dass man die Propaganda kaum richtig erkennen kann. Der Krieg bringt vielleicht nicht mehr das Beste des Mannes hervor. Das haben wir nun eingesehen und sind deshalb gegen ihn. Das erledigt nun unsere Sozial- und Arbeitsmarktpolitik, die wir der Welt überstülpen. Sie aktiviert nun das Beste in den Menschen. Eigeninitiative statt Heldenmut, Zumutbarkeit statt Kameradschaft. 1984 ist auf vielen Ebenen aktuell. Auch dort, wo Frieden Krieg ist oder andersherum.
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