"Moon"

Fast pünktlich zum einundvierzigsten Jahrestag der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 und des historischen Satzes Neil Armstrongs über große und kleine Schritte, hat es ein Film nach beinahe zweijähriger Wartezeit geschafft, zumindest in einigen deutschen Kinos zu starten. Dieser Film belebt einen fast tot geglaubten Mythos wieder und bringt den guten alten Mond auf erfrischend altmodische Weise wieder ganz groß auf die Leinwand zurück. Regie führte Duncan Jones, der Sohn von David Bowie, der ja schon immer irgendwie ein Kind des Kosmos war und die Hauptrolle spielt unnachahmlich und meisterhaft Sam Rockwell
Auf der Erde ist alles schön. Dank eines Durchbruchs in der Energieforschung ist es tatsächlich gelungen, Energie durch kalte Fusion zu gewinnen. Dazu braucht man Helium 3, ein Element, welches es in unerschöpflichen Mengen auf dem Mond gibt. Die Firma Lunar-Industries unterhält eine Förderanlage auf dem Mond, die zu größten Teilen voll automatisch läuft. Für wenige wichtige Aufgaben braucht man allerdings einen Menschen, der alles überwacht und wartet. Dieser Mensch heißt Sam Bell und ist nun beinahe 3 Jahre auf dem Mond. In zwei Wochen soll es endlich heim gehen und Sam kann seine Freude darüber kaum verbergen, wartet doch eine schöne Frau samt Kind auf der Erde auf ihn. Obwohl er die Gesellschaft seines Supercomputerkumpels Gerty sehr zu schätzen weiß, ist Sam dennoch ein bisschen seltsam geworden. Er baut Modellstädte und redet mit Pflanzen. Neben zahlreichen kleinen Ticks beginnt Sam aber nun, kurz vor der Heimreise, seltsame Dinge zu sehen. Offensichtlich handelt es sich um Einbildungen, wie ihm Gerty glaubhaft versichert. Doch dann findet Sam etwas, was er auf keinen Fall als Halluzination abtun kann. Hinzu wächst der dringende Verdacht, dass sowohl die Konzernleitung auf der Erde, als auch Gerty etwas verheimlichen.
Der Mond übte schon immer eine ganz starke Faszination auf die Menschen aus. Kein Wunder, dass sie also ganz dringend da hin wollten. Der Mond stand immer für den Fortschritt und für das technische Können und den Wagemut der Menschheit. Das Armstrongzitat - ob er es nun wirklich gesagt hat, oder nicht - trifft es auf den Punkt. Man hatte keinen wirklichen Grund, zum Mond zu fliegen. Der Weg war sozusagen das Ziel. Kaum waren die Menschen dort und haben gesehen, dass es da wirklich nichts gibt, ist das Interesse am Mond erloschen. Zumindest, was seine astronautische Erschließung angeht. In heutigen Zeiten von Ölkrise und Ölkriegen nimmt die Science Fiction plötzlich wieder ihren ursprünglichen Sinn wahr und der Mond avanciert einmal mehr zum Symbol der Zukunft. Helium 3 soll die Erlösung bringen und so taucht der Trabant neuerdings immer wieder in aktuellen Science Fiction Büchern auf. In den Büchern ist die eigentliche Reise zum Mond natürlich längst Routine und auf dem Mond selbst befinden sich meist gigantische Bauten und Komplexe. Im Film "Moon" ist das nicht der Fall. Hier ist alles ganz schlicht. Es gibt eine halb unterirdische Bunkeranlage mit tristen weißen Koridoren und ein- und ausklappbaren Funktionsmöbeln. Über die Oberfläche schleichen die gigantischen Förderfahrzeuge und mittendrin ein kleiner Mensch. Dieses Bild und die ganze Ästhetik des Films erinnern ganz stark an große Genre Klassiker, wie "2001" und "Lautlos im Weltraum". In einer Szene sieht Sam Rockwell sogar fast aus, wie Roy Scheider in "2010". Die kleinen liebevollen Zitate gepaart mit einer sehr einfachen, aber sehr spannend erzählten Story schaffen eine dichte und total überzeugende Atmosphäre. Der Film ist aber kein Thriller, sondern ist ganz leise und plätschert langsam und gemächlich dem überraschenden Ende entgegen. Sam Rockwell liefert hier eine sehr intensive Performance ab, die seinem Ruf als kleiner Nebendarsteller in großen Filmen spottet und zeigt, dass dieser Schauspieler sehr viel mehr kann, als man ihm zugetraut hätte. Abgerundet wird die Besetzung durch Kevin Spacey, der Gerty, den „HAL-esken“ Supercomputer in der Originalversion spricht.
"Moon" ist ein kleiner Film, der vor zwei Jahren unter anderem zum Fantasy Filmfest begeisterte und nun endlich auch für Normalgeeks und Teilzeitnerds zu sehen ist. Natürlich spricht der Film eine gewisse Zielgruppe an, ist aber auch enorm zugänglich für die herkömmlichen Kinogänger. Abgesehen davon erzählt er eine Geschichte, die wahr ist, egal ob sie nun auf dem Mond, oder auf der Erde spielt.
Moon (USA 2008 / 09): R.: Duncan Jones; D.: Sam Rockwell, Kevin Spacey (OVA), u.a.; M.: Clint Mansell; Offizielle Homepage
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