Monte Casino

Eish…,* was war das heute wieder für ein Tag? Irgendwie beeindruckend, dafür doch erstaunlich langweilig und irgendwie auch erschreckend. Eine Freundin aus Mamelodi wollte an einem „Idols“-Casting in Joburg teilnehmen und bat mich sie zu begleiten. Ich habe heute Nacht nicht sonderlich gut geschlafen und der irgendwie misslungene Kaffee hat das Aufstehen um 5:13 Uhr auch nicht angenehmer gemacht. Wenn ich den Tag gerade einmal im ganzen Reflektiere, stelle ich fest, dass diese Tatsachen nicht den geringsten Einfluss auf die Geschichte, die ich erzählen möchte, haben (außer vielleicht als Erklärung meines Zustandes von dauerhafter Müdigkeit).
Das Casting zum südafrikanischem Pendant von „Deutschland sucht den Superstar“ fand in Monte Casino statt. Im Grunde besteht dieser Stadtteil aus nicht viel mehr als einer wirklich unglaublich riesigen, unvorstellbar großen Hotelanlage für deren Beschreibung mir einfach keine Superlative einfallen. Der ganze Komplex erinnert ist von außen als Burg gezeichnet wie sie sonst in europäischen Vergnügungspark zu finden ist. Teil dieses Komplexes ist auch eine Mall. Als ich diese betrat klappte mir sogleich die Kinnlade herunter. In diesem Gebäude befand sich doch tatsächlich der Nachbau einer kleinen, gemütlichen Stadt im italienischem Stil. Kleine Gassen die verschiedene Plätze, verziert mit Obelisken, Brunnen und Bänken unter Eichen, verbinden, haben die exklusivsten Geschäfte zu bieten, die man sich vorstellen kann. 90% dieser Geschäfte sind allerdings wohl eher als Restaurants zu bezeichnen. Die Krone wird diesem ganzen Luxusspektakel noch dadurch aufgesetzt, dass der Himmel gestrichen ist und durch Lichteffekte alle halbe Stunde wechselnd Tag und Nacht simuliert wird. Wir waren glücklicherweise schon sehr früh dort, so dass es noch relativ ruhig war, was die Straßen noch richtig authentisch erscheinen lies.

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Auf dem Rückweg führen wir durch Deeploof (ich glaube ich habe es im letzten Newsletter versehentlich Deepkloof genannt, ich bitte vielmals um Entschuldigung). Diesmal nicht nur an der Hauptstraße daran vorbei, sondern mitten durch.
Manchmal kommt man in Situationen, da denkt man, man hat wirklich schon alles gesehen und vielmehr kann gar nicht mehr kommen und dann sieht man etwas, was einem wieder die Sprache verschlagen lässt und dann denkt man: Doch es geht noch sehr viel weiter. So eine Situation war meine Taxifahrt durch Deeploof. Ich habe schon jede Menge Shaks gesehen und auch schon jede Menge Menschen, die auf engstem Raum leben. Ich habe schon sehr große Ansammlungen von Wellblechhütten gesehen und schon Wege, die ich nicht als solche identifiziert hätte. Jeden Tag treffe ich Menschen in dreckiger, verschlissener Kleidung und ich habe mich daran gewöhnt. Mir ist der Blick dafür irgendwie abhanden gekommen.
Als ich durch Deeploof gefahren bin wurden mir die Augen wieder aufgerissen. Zum zweiten Mal an diesem Tag, aber diesmal aus dem gegenteiligem Grund. Shaks soweit das Auge reicht. Dicht an dicht sind diese Wellblechhütten aneinandergereiht, so dass der durchschnittliche Lebensraum wohl unter 20 qm betragen mag. Für eine Großfamilie! Menschen in Lumpen scharen sich auf den kleinen Gassen, dass es den Anschein hat man wäre an einem sehr beschäftigten Samstag in einer Einkaufspassage die 90% auf alles anbietet. Die Einkaufsmöglichkeiten sind hier allerdings sehr begrenzt. Die Straße auf der wir fahren ist nicht gepflastert und übersät von Schlaglöchern. Es ist die Hauptstraße des Settlements und wohl eine der einzigen auf der zwei Fahrzeuge aneinander vorbeifahren können. Ich sitze am Fenster und die Menschen starren mich an. Ich glaube das ist für die Meisten das erste Mal in ihrem Leben, dass sie einen Weißen in ihrer Siedlung sehen. Sie haben keinen besonders freundlichen Blick. Vielleicht schämen sie sich für ihre Armut, vielleicht sehen sie mich als Touristen, der sich das Leben in Armut anschauen will, bevor er wieder in sein 5 Sterne Hotel fährt. Ich weiß es nicht. Nur die Kinder nehmen mich freundlich auf, sie winken mir, wenn sie mich im Taxi entdecken, ich winke zurück. Ich bin froh als wir endlich das Rank erreichen, wo wir die Taxen nach Pretoria bekommen. Ich glaube ich habe mich in meiner gesamten Zeit hier in Südafrika nie so unwohl gefühlt und es war das erste Mal, dass ich mich wirklich unsicher gefühlt habe.

*südafrikanischer Ausdruck von Erschöpfung, Erstaunen, Erschrecken und noch so allerhand anderer Gemütszustände.


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