Mit Melvin bei Armin

Mit Melvin bei Armin

Wir trafen uns in der Kantine. Ein Raum, so schien es mir, der nicht in diese Welt gehörte. Schon die Akustik war sonderbar. Da war zum Beispiel dieses Murmeln in der Luft. Armin hatte mir zwar erklärt, das liege an der defekten Lautsprecheranlage, aber ich glaubte ihm nicht. Auch die ganze Einrichtung schien nichts mit der Wirklichkeit zu tun zu haben. Die Tischbeine glänzten seltsam und die Bilder an den Wänden schienen sich zu bewegen. „Das liegt daran, dass sie von den Patienten gemalt wurden“, hatte mir Armin erläutert. Vielleicht hatte er ja recht und die Andersartigkeit der Kantine lag an ihren Benutzern.

Wir saßen also in der Kantine des Sanatoriums und Melvin und Armin kamen sofort miteinander ins Gespräch. Ich konnte dabei bloß stiller Zuhörer sein, denn der Sinn ihrer Worte blieb mir verborgen und trug ein Weiteres zu der Fremdartigkeit dieses Ortes bei.

„…je näher man der Wahrheit kommt, desto zähflüssiger werden die Gedanken“, hörte ich Melvin sagen und betrachtete dabei die Tischbeine. Sie wechselten im Licht der Leuchtstoffröhren ihre Farbe wie Chamäleons.

„Kurz vor der Entdeckung stehen sie ganz still“, entgegnete Armin.

„Ja, und dann bleibt dir nichts anders übrig, als den ganzen Weg zurück zu gehen um nochmals zu beginnen.“

„Um sich wiederum in den unzähligen Möglichkeiten zu verirren, die sie zur Täuschung ausgelegt hat.“

„Doch nirgendwo kommst du ihr so nahe wie im Traum“, sagte Melvin. „Doch leider darfst du sie bloß küssen und nicht mitnehmen. Zurück in der Wirklichkeit bleibt dir nur der Geschmack ihrer Lippen, ihre Botschaft hast du vergessen.“

„Nicht vergessen, du hast sie drüben gelassen. Denn hättest du sie nur vergessen, wäre sie noch in dir und es könnte dir eines Tages gelingen, zu ihr vorzudringen.“

„Das sehe ich anders“, erklärte Melvin. „Wer von ihr geküsst wurde, trägt den Abdruck ihrer Botschaft.“

„Ihr habt dieselbe Frau getroffen?“, mischte ich mich in ihr Gespräch.

Die Beiden starrten mich verständnislos an. An der Wand gegenüber wackelte ein Bild: Eine Frau, die durch eine Nebellandschaft wanderte.

„Auch du bist ihr sicher schon begegnet. Sie hält die Welt zusammen“, sagte Armin.

„Dann ist Gott eine Frau?“, stellte ich erstaunt fest. Aber ich hätte lieber geschwiegen. Die beiden grinsten sich an.

„Es gibt keine Götter“, erklärte Melvin.

„Nur Götzen“, ergänzte Armin.

„Sie lieben nicht die Menschen, sie lieben sich selbst.“

„Und sie kämpfen um die Vorherrschaft.“

„Doch nur im Hier und Jetzt. Bist du einmal tot, bist du ihnen entwischt.“

Mir schwirrte der Kopf. Auf den Tischbeinen spiegelte sich das Bild der Frau im Nebel.

„Die Wahrheit wartet auf dich nach dem unendlichen Schlaf am Ende der Zeit“, erklärte Armin.

„Doch wenn du aufwachst, scheint es dir, du seist gerade eingeschlafen“, fügte Melvin an.

„Die Götzen unserer Zeit sind dann längst vergangen, genauso wie das Universum, in dem sie einst existierten.“

Meschugge, dachte ich und schaute zu dem Bild mit der Frau im Nebel. Doch an ihrer Stelle hing nun ein anders Bild: ein Bett in einem verwilderten Garten. Darin lag ein Kind und schlief.

Euer Traumperlentaucher



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