Meinung am Sonntag | Der Krieg gegen die Presse

Paris am Mittwoch, den 8. Januar 2015. Die Stadt ist im Ausnahmezustand. Attentäter schossen in der Redaktion des französischen Satirenmagazins „Charlie Hebdo“ gezielt um sich, rissen zwölf Menschen und somit fast die gesamte Redaktion in den Tod. Darunter auch der Herausgeber und Karikaturist Stéphane Charbonnier.

Als die Zeitschrift im Jahr 2012 in einer Affäre um Mohammed-Karikaturen (Erscheinen der Sonderausgabe “Scharia Hebdo”) in den Fokus rückte, erhielt Charbonnier erste Morddrohungen. Seit diesem Zeitpunkt stand er unter ständigem Polizeischutz. In einem Interview mit der französischen Zeitschrift „Tel Quel“ lies er vor einigen Jahren verlauten, dass er „lieber stehend sterbe, als auf Knien zu leben“.

Die Reaktionen der deutschen Tageszeitungen sind überwiegend die gleichen. Die einen zeigen Flagge, trauern, tragen Schwarz und stellen die solidarische Botschaft „Je suis Charlie“ in großen weißen Lettern für alle gut sichtbar in den Fokus ihres Blattes. Andere nehmen diesen furchtbaren Vorfall zum Anlass, in fast schon trotziger Art und Weise „Jetzt erst recht!“ zu schreien. Mohammed-Karikaturen zieren am Tag nach dem Anschlag zum Beispiel die Titelseiten des „Tagesspiegels“, der „B.Z.“ und der „ Morgenpost“. Deutschland, Europa und die Welt zeigen Mitgefühl, nehmen Haltung ein, bereiten sich auf alle Eventualitäten vor.

Nur wenige Journalisten und Redakteure zeigen sich ängstlich oder gar eingeschüchtert. Schließlich liegt es in unserer Natur, Durchhaltevermögen zu zeigen, Dinge zu hinterfragen und die Realität unverblümt darzustellen. Was aber ist eigentlich die Realität? Realität ist, dass unser höchstes Gut angegriffen wurde, das Recht auf Meinungsfreiheit und damit zusammenhängend die uneingeschränkte Pressefreiheit. Realität ist, dass man beinahe automatisch die Haltung einnimmt, dass ein solcher Vorfall bei uns so schnell sicher nicht geschehen wird. Realistisch? Darauf wird mit Sicherheit niemand eine 100%ige Antwort wissen.

Vorbereitung und Vorsicht sind neben der persönlichen Stellung- und Anteilnahme aber bestimmt keine schlechte Art und Weise, eine menschliche Reaktion auf dieses Geschehen zu zeigen. Mögliche Reaktionen müssen von allen Seiten aus logisch eingeschätzt und Worte sollten mit Bedacht gewählt werden. All die Titelblätter, all die Kommentare und Meinungen, jede einzelne Äußerung kann von Gegnern „unseres Systems“ als Angriff gewertet werden. Menschen werden nicht geschlossen positiv auf Publikationen reagieren, sie werden veröffentliche Fotografien verurteilen. Manche werden sich angegriffen fühlen, könnten jede Bewegung als Provokation sehen und vielleicht auch dementsprechend agieren und antworten. Es könnten weitere Anschläge folgen – aus Rache, aus Verständnislosigkeit, aus Intoleranz oder auch aus zweifelhaften Glaubensgründen. Verlage, Redaktionen und ganze Länder scheinen vorbereitet und müssen dennoch mit allem rechnen – im Krieg gegen die Presse.

Je suis solidaire, je suis réaliste, je suis Charlie.


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