Meine Meinung zum Anschlag auf “Charlie Hebdo” in Paris

Und wieder einmal erleben wir einen feigen, brutalen, verabscheuungswürdigen Terroranschlag: Diesmal auf die Satirezeitschrift “Charlie Hebdo” in Paris. Knapp 4 Stunden nach der tat sind 12 Tote zu beklagen, darunter 2 Polizisten und 4 Zeichner des Blattes, einer davon der Chefredakteur. Die Täter sind auf der flucht, man geht von einem islamisch motivierten Terroranschlag aus. Ganz Frankreich trauert, die Welt sendet Solidaritätsadressen, und einige Zyniker werfen der Zeitschrift eine Mitschuld an dem Verbrechen vor.

Ich muss gestehen, dass sich in meinem Herzen die unterschiedlichsten Gefühle und in meinem Kopf die unterschiedlichsten Gedanken breit machen, seit ich von dem Anschlag gehört habe. Entsetzen und Wut machten den Anfang. Entsetzen, weil einfach Menschen brutal aus ihrem Leben gerissen werden, weil Familien trauernd, verzweifelt und unglücklich zurückbleiben, und weil es wieder Menschen gelungen ist, ihre Ansichten mit Gewalt kundzutun und durchzusetzen. Die Wut folgt auf dem Fuße, denn sie zerstören die Grundlage menschlichen Zusammenlebens, das Vertrauen, irgendwo friedlich leben zu können. Sie tragen die Angst in die Herzen der Anderen, und sie wissen das und spielen damit.

Aber schon danach stellt sich mir die Frage: Wer spielt da eigentlich mit unserer Angst? Wer opfert für seine Ziele die Leben der unschuldigen, das Glück der Trauernden und die Sicherheit der Nachgeborenen? Sind es wirklich Islamisten? Es wäre so einfach: Irgendjemand hat sie den Propheten und Gott loben hören, und das ist doch Beweis genug, nicht wahr? Alles Andere können wir, die Laien, die Zuschauer, doch nicht selbst nachprüfen oder widerlegen. Aber dieser Zweifel hat sich in meinem Kopf festgesetzt wie ein Krebsgeschwür. Zweifel, den ich vor 14 Jahren ebenso als
Verschwörungstheorie abgetan hätte wie noch vor 2 Jahren die Vorstellung, dass alle Telefongespräche, Emails, Briefe, Faxe und Skype-Unterhaltungen regelmäßig überwacht und ausgewertet werden. Zweifel, wem dieser Anschlag, die toten und die trauernden Familien, wem die Angst und die Unsicherheit am meisten nützen. Den Islamisten, oder denen, die sie als Gefahr stilisieren und sich mit der Unsicherheit die Zustimmung zur Abschaffung der Bürgerrechte erkaufen. Frei nach der Devise: Solange es einen äußeren Feind gibt, der uns ins Herz treffen kann, solange stehen wir zusammen und keiner stellt freiheitliche Forderungen. Es ist nur ein Zweifel, für den ich mich schäme, den ich verachte, aber er ist nicht auszumerzen, und ich muss zu ihm stehen. Wäre er gerechtfertigt, dann wäre die Trauer eine zynische Posse zum Nutzen allgemeiner Geschlossenheit gegen einen Feind, der in Wahrheit gar nicht existiert oder doch zumindest keine Macht hat.

Und dann gibt es da noch die Menschen, die dem Satireblatt eine Mitschuld an dem Attentat geben. Vor 3 Jahren hatte der Chefredakteur gesagt: “Wir loten Grenzen aus und überschreiten sie.” Wer das tut, sagen einige Leute, der muss auch mit der Reaktion der Gegenseite rechnen. Das ist zynisch. Selbst wenn die Satire keine Satire, sondern Beleidigung und Volksverhetzung wäre, wird ein Terroranschlag dadurch nicht gerechtfertigt, solange es eine funktionierende statliche Ordnung gibt, die recht- und gesetzmäßig eingreifen kann. Aber hier handelt es sich, bei allem was ich weiß, immer noch um Satire. Vielleicht ist sie geschmacklos, in keinem Falle ist sie politisch korrekt, was Satire an sich auch nicht sein kann, und sie tut bestimmt so manchem Gläubigen weh, was durchaus auch mal der Sinn der Sache sein dürfte. Satire geht ihrer Natur gemäß über Grenzen. Auch das kann eine Meinung sein. Die Grenze zur Herabwürdigung Anderer mag manchmal schwer zu ziehen sein, sie muss im Einzelfall gefunden werden. Wer Satire macht, macht sich jedoch keinesfalls eines Verbrechens schuldig, und schon gar nicht entsteht daraus das Recht auf eine Mordtat, auch nicht bei einem Angriff auf die persönliche Ehre.

Und wenn ich all das bedacht habe, dann bleibe ich mit Traurigkeit, Resignation und Ratlosigkeit zurück. Traurigkeit über die Toten und die Trauernden, Resignation, weil die Welt um keinen Deut besser wird, und Ratlosigkeit, weil ich nun immer noch nicht weiß, wer der Bösewicht war. Nur eins ist klar: Neben den Toten und den Familien sind auch die Menschenrechte Opfer.

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