Meine Buchvorstellung „Der Junge im gestreiften Pyjama“

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Es sollte immer mal wieder eine Buchvorstellung auf meinem Blog geben. Bei dieser hab ich lang überlegt, ob ich sie schreiben soll, ob ich die richtigen Worte finde.

Ich habe mich dafür entschieden, denn gerade in dieser Zeit sollten viel mehr Menschen Bücher dieser Art lesen.

Ich stelle euch heute ein Buch von John Boyne vor, welches im Fischer Verlag erschienen ist.

Der Junge im gestreiften Pyjama

Eine Fabel steht unter dem Buchtitel.
Definition Fabel: Eine Geschichte, die den Leser moralisch belehren will.Zunächst zum Autor:
John Boyne, 1971 in Dublin geboren. Das Buch „Der Junge im gestreiften Pyjama“ verkaufte sich über fünf Millionen Mal, erhielt zahlreiche internationale Buchpreise und wurde mit großem Erfolg verfilmt.
Das Buch ist für 7,95€ erhältlich.

Nun zur Geschichte:
Diese spielt in der Zeit des zweiten Weltkrieges. Zu Beginn lernt man Bruno
kennen, ein neunjähriger Junge, der mit seiner Familie in Berlin lebt.
Der Vater ist ranghoher Nazi-Offizier und wird von Hitler persönlich in ein Konzentrationslager versetzt. Die Mutter will nicht umziehen und sagt zu derartigen Entscheidungen immer
„Weil ein gewisser Jemand das entschieden hat“ womit sie ihren Mann meinte.
Im Buch nennt Bruno den Ort Aus-Wisch und Hitler ist der Furor. Die Familie verlässt das schöne große Haus in Berlin, welches Bruno sehr vermisst, da das neue Haus alt und grau ist. Aus seinem Zimmerfenster entdeckt er eines Tages das Lager, er sieht die vielen Menschen, die Baracken, die schreienden Soldaten und zwei Schornsteine. Gemeinsam mit der Schwester überlegt er was das sein könnte, keiner der Beiden hat zu dem Zeitpunkt irgendeine Ahnung von Konzentrationslagern. Bruno fällt lediglich auf, dass alle Menschen das Gleiche tragen- einen gestreiften Pyjama, auch Pavel, der bei ihm zuhause die Kartoffeln schält, trägt so einen. Er sieht wie abschätzig die Soldaten, die im Haus aus-und eingehen mit Pavel umgehen, versteht aber auch das nicht.

Als es ihm zu langweilig im Haus wird, will er die Gegend erforschen und spaziert an dem endlosen Zaun entlang. Bis er Schmuel trifft, ein Junge, der im Schneidersitz auf der anderen Seite des Zauns sitzt. Bruno und Schmuel freunden sich an, sind darüber erstaunt, dass sie am selben Tag geboren sind und unterhalten sich fast jeden Nachmittag. Es ist Brunos Geheimnis, er erzählt niemanden von seinem Freund, doch seit er ihn kennt, vermisst er Berlin nicht mehr so sehr. Ihm fällt auf, dass Schmuel viel dünner ist als er und das seine Haut ganz grau ist, aber in seiner kindlichen Naivität denkt er nicht weiter darüber nach. Er glaubt, dass es toll auf Schmuels Seite des Zaunes sei. Glaubt an Läden zwischen den Baracken und stellt sich spielende Kinder vor. Schmuel kann ihm nicht richtig beschreiben, wie es auf seiner Seite ist, versteht er als Kind vielleicht selbst noch nicht wirklich, was vor sich geht. Bruno bringt ihm manchmal etwas zu Essen mit, doch auch das Gefühl oder das Verständnis von Hunger kann er noch nicht verstehen, denn oft hat er es selbst auf dem Weg zu ihm aufgegessen.

Als sich der „Furor“ zu Besuch angemeldet hat, wird im Haus überall geputzt und vorbereitet. Als Bruno in die Küche geht, steht er plötzlich vor Schmuel, der die Cherrygläser putzen muss. Eine Auseinandersetzung mit einem der Soldaten im Haus führt dazu, das Schmuel beim nächsten Treffen am Zaun im ganzen Gesicht blau ist. Bruno glaubt an einen Fahrradunfall.

Nie erklärt Schmuel die Situation im Lager, beide bleiben naiv und sind
einfach nur froh über ihre Freundschaft.

Eines Tages will die Mutter mit den Kindern zurück nach Berlin, was Bruno wirklich schade findet, muss er doch seinen Freund zurücklassen. Als er Schmuel davon erzählt, planen sie ein letztes Abenteuer…

Mehr kann und will ich hier gar nicht verraten.

Mein Urteil über das Buch:
Im Buch wird nur die naive Sicht von Bruno dargestellt. Er selbst mag den Furor nicht, aber die nette blonde Frau, Eva, die mag er, da sie ihn so freundlich anlächelt. Er weiß nicht, was sein Vater genau tut oder was die vielen Soldaten immer im Haus wollen. Er interessiert sich für Bücher mit Geschichten über Forscher, will selbst Forscher werden und denkt sich nichts dabei, dass eines abends der Kellner angebrüllt und aus dem Haus gebracht wird und seitdem nicht mehr wiederkam.Ich glaube neunjährige Kinder wurden in der Zeit schon anders erzogen, gerade wohl die von hochrangigen Soldaten. Im Buch erklärt ihm sein Vater nur, dass diese Menschen, die er von seinem Fenster aus sieht eigentlich keine Menschen sind. Seine Schwester erklärt ihm später, dass es Juden sind, hat aber auch keine Erklärung warum sie keine Menschen sein sollen.
Diese Tatsache, dass die Kinder derartig naiv und unwissend sind, halte ich für eher unwahrscheinlich und mag den Eindruck erwecken, dass die Geschichte nicht allzu schlimm sei, wie es oft heißt. Es gehört also ein Grundwissen über den Nationalsozialismus in Deutschland dazu.

Das Buch war trotzdem spannend, ich konnte es kaum weglegen. Ich hoffte beim lesen, dass Bruno bei seiner Familie nachfragen würde, dass er jemandem von seinem Freund erzählen würde oder dass er Schmuel besser zuhören würde. Ich stellte mir beim Lesen die beiden Jungen am Zaun vor und habe versucht mich in dessen Lage zu versetzen. Ist eine Freundschaft zwischen Kindern in dem Alter so einfach. Sie sind einfach froh einen Freund zu haben? Nachdenklich machte mich allerdings, dass Schmuel immer an dem Zaun saß, er schien keine Arbeit zu haben, es war nie ein anderer Gefangener bei ihm und nie ein Soldat. Doch der Auto sagt selbst, dass er Bruno extra so naiv gestaltet habe. Es ginge nicht darum die Geschichte zu erzählen sondern will darin erinnern und die Leser aufrütteln.

Ich hatte oft einen Kloß im Hals, beispielsweise als Bruno neidisch auf Schmuel ist, da der so viele Freunde auf seiner Zaunseite hat und den ganzen Tag im Pyjama rumlaufen darf. Der Autor schreibt, dass es in dem Buch um zwei neunjährige Jungen geht, das Buch aber nicht für neunjährige Jungen geeignet sei. Ich selbst hatte das Thema Nationalsozialismus und Holocaust in der 9. und 10. Klasse und vorher empfehle ich dieses Buch nicht. Ich hätte es ganz sicher vorher nicht verstanden.

Zum Nachdenken, hier noch die letzen Zeilen des Buches, die ich ironisch auffasse, denn es enthält eine unausgesprochene Warnung. Es kann bei uns wieder passieren, es wiederholt sich nicht, es war nie zu Ende. Es ändert sich lediglich der Ort, die Art und Weise, aber es war nie weg.

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Und das dürfen wir nie vergessen!