Ich wäre gern eine bessere Mama #1

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Ich wäre gern eine bessere Mama.

Es gibt viele Gründe, die dafür verantwortlich sind, dass ich mich nicht als gute Mutter sehe.
Ich will daraus eine Reihe auf dem Blog machen und immer wieder einen Punkt vorstellen, an dem ich kläglich scheitere. Vielleicht geht es euch ähnlich, vielleicht habt ihr Verbesserungsvorschläge und vielleicht kann ich manchen auch das Gefühl geben, dass sie nicht allein sind.

Meine Reihe beginnt mit der Zeit.Ich habe nicht genug Zeit

Ja, die Zeit ist immer ein großer Punkt. An dem einen Tag steht ein Termin an, an dem anderen ist der Kühlschrank leer. Und alles ist nur ab 15.30Uhr zu erledigen. Oft nehme ich mir ganz fest vor, dass wir gleich nach Arbeit/Hort/Kiga auf den Spielplatz gehen. Doch dann wieder ein Blick ins Hausaufgabenheft meines Sohnes. Mathehausaufgabe bis morgen, Plakat gestalten und in 2 Tagen eine Deutschkontrolle. Ich hab keine Lust, mein Sohn hat keine Lust, doch was nützt es. Egal wie toll das Wetter ist, die Hausaufgaben müssen gemacht sein. Deutsch verschieben wir, er kann Deutsch, das Plakat besprechen wir, schneiden Bilder aus, ich gestalte das Plakat, er schreibt Stichpunkte dazu. So sind wir schneller fertig. Doch Mathe dauert, es fällt ihm nicht leicht, die Malreihen bleiben nicht im Kopf, er muss sie sich bei jeder Aufgabe vorsagen. Die Kleine wird ungeduldig, hat keine Lust mehr alleine zu spielen, will nicht mehr malen. Das wiederum stört den Großen. Ich kann nicht mehr. Wir verschieben den Rest auf später und obwohl ich weiß, dass es später nicht einfacher wird, freue ich mich auf den Spielplatz. Ich freue mich, dass ich wenigstens einen kleinen Moment Zeit habe. Das ich freie Zeit für die Kinder habe, dass sie einfach mal abschalten können und mit Freunden spielen dürfen.
Aber schon wieder drängt die Zeit, das Abendessen macht sich nicht von allein, die Kleine braucht noch Hilfe beim Duschen und ach, da waren ja auch noch ein paar Matheaufgaben. Während das Nudelwasser kocht, hüpfe ich zwischen Dusche und Schreibtisch hin und her. Die Kleine ruft:“Ich hab mich fertig gewaschen.“ Der Große ruft:“Ich komm hier nicht weiter.“ Und das Nudelwasser ist fast verdampft. Eine SMS von meinem Mann:“Hab noch ca. eine Stunde auf der Baustelle zu tun.“ Die letzten 3 von 15 Aufgaben rechne ich meinem Sohn vor, die Kleine sitzt noch in der Dusche, spielt noch mit den Entchen und ich kann schnell die Nudeln ins Wasser schütten.
Mein Sohn packt genervt seinen Ranzen, die Kleine hopst rum und kann sich für keinen Schlafanzug entscheiden. Die Nudeln sind fertig, doch was gibt es dazu. Die Kinder rufen im Chor:“Ich möchte Ketschup.“ Mir ist es recht, ich bin fertig mit kochen. Die Kinder decken den Tisch, streiten, wer wo sitzt, wer welchen Becher nimmt und wer die Teller und wer das Besteck macht. Ich höre weg, ich versuche es und endlich stehen die Nudeln auf dem Tisch. Nach weiteren Streitereien, wer die Folie vom neuen Ketschup aufmachen darf und wer zuerst Käse nimmt, kommen wir endlich zur Ruhe. 15 vielleicht 20 Minuten, dann geht der Trubel weiter. Wer steht links und wer rechts vorm Waschbecken. Sie sind fertig und sitzen vorm Fernseher, es herrscht eine himmliche Ruhe in der Küche. Mein Mann kommt heim, ich stelle ihm einen Teller Nudeln hin, er schaut mich grinsend an und gibt mir einen Kuss:“Wieder nur Nudeln mit Ketschup.“ Ihm ist klar, wie der Nachmittag lief.

Die Kinder sind endlich im Bett und ich denke nach. Ich habe nichts geschafft! Ich habe weder die Wäsche abgenommen, die schon seit einer Woche auf dem Dachboden hängt noch habe ich den Sand aus dem Flur weggesaugt. Die Blumen könnten Wasser gebrauchen und wann habe ich eigentlich das letzte Mal die Fenster geputzt? Vor meinen Augen spielen sich Bilder ab von aufgeräumten Wohnungen anderer Eltern, im Kopf klingen noch die Worte der Mama auf dem Spielplatz: „Ich habe heute zwei Stunden lang gebügelt.“ Ich musste gleich erstmal überlegen, wo mein Bügeleisen überhaupt ist.  Ich habe das Gefühl nicht genug zu sein. Ich will mehr Zeit haben, die Zeit mit den Kindern auch viel bewusster erleben. Als wir auf dem Spielplatz waren, habe ich meinen Kindern zwar zugeschaut, dabei aber bereits den nächsten Tag geplant. An Regentagen habe ich die Kinder ins Kinderzimmer geschickt um irgendwas im Haushalt zu schaffen. Ich setzte mich nicht mit ihnen gemeinsam hin und malte, nein ich stellte ihnen die Farben auf den Tisch und lobte dann im Vorbeigehen auch das 10. Bild einer Sonne.

Natürlich ist das nicht immer so, ich erledige oft bewusst keine Aufgaben im Haushalt und plane keine Termine. Dann spielen wir gemeinsam, ich setze mich zum Malen dazu oder male mit. Ich höre aufmerksam zu und nehme mir die Zeit, die meinen Kindern zusteht. Doch das klappt nicht immer und darüber bin ich keineswegs glücklich. Aber wie packt man Hausaufgaben, Spielen, Putzen, Waschen, Essenkochen und Duschen in die Zeit von 15.30 bis 18.30Uhr.

Wie kann ich es ändern? Die Tage, an denen ich mir einfach Zeit für die Kinder nehme sind in der Überzahl, dann bleibt eben die Wäsche liegen oder der Flur sandig. Ich nehme mir die Zeit meinen Kindern beim Klettern zuzuschauen. Ich zeige meinem Sohn, dass ich auch den Basketballkorb treffe und ich halte die Kleine am Po fest, damit sie die Kletterstange hochkommt. Ich höre mir den schlechten Witz vom Großen auch zum x-ten mal an und finde ihn witzig. Ich erlaube, dass der Freund des Großen einmal die Woche zu uns kommt und bis nach dem Abendessen bleibt. Ich halte die wöchentliche Sportstunde der Kleinen ein, auch wenn ich in der Zeit so viel schaffen könnte. Ich lasse sie in tiefe Pfützen hüpfen, auch wenn das heißt, dass ich an diesem Abend noch waschen muss. Doch abends ist auch mein Mann da, er hilft, er hängt ungefragt die Wäsche auf und räumt den Geschirrspüler aus. Doch trotz allen Bemühungen bleibt immer was auf der Strecke. Auf dem Fensterbrett liegt ständig was rum, was da nicht hingehört, auf der Treppe liegt Staub und Sand und ich hoffe, dass niemand zu Besuch kommen möge.

Wie schaffen andere das? Wie klappt das, dass Wohnungen wie aus dem Möbelkatalog aussehen?
Wünschen sich meine Kinder mehr Zeit mit mir? Sind sie glücklich? Und sage ich ihnen in dem Stress oft genug, dass ich sie liebe?

Ich weiß es nicht.

*Bis zur nächsten Folge meiner Gründe weswegen ich gern eine besserer Mama wäre*