Meine Bücherliebe und die Kinder

Meine Bücherliebe und die KinderWenn ich meine Mutter frage, was ich gemacht habe, als sie sich damals um meinen kleinen Bruder gekümmert hat (ich war bei seiner Geburt 2 Jahre und 4 Monate alt und nicht im Kindergarten), sagt sie immer: "Du hast Dir Bücher angeschaut." Als Teenager saß ich stunden-, nein tagelang (zumindest in den Ferien) in meinem Zimmer und las, teilweise immer die gleichen Bücher nochmal und nochmal, denn in der DDR gab es bekanntlich nicht so viel Auswahl. Neben meinem Studium arbeitete ich viele Jahre als Quereinsteigerin in einer Buchhandlung und auch danach habe ich noch sehr viel gelesen. Allerdings war ich nie eine freiwillige Bibliotheksgängerin und lese nicht gern ausgeliehene Bücher. Sie müssen mir gehören und unberührt sein, neu riechen und knacken beim Aufschlagen.  Unsere Wohnung ist voll von Bücherregalen mit gelesenen und ungelesenen, teilweise zweireihig stehenden, mittlerweile recht eingestaubten Büchern. Seit ich Kinder habe, lese ich nämlich leider kaum noch, zumindest kaum Romane, dafür fehlt mir der Flow, ich kann nicht richtig eintauchen und mir fehlen die tiefen Emotionen von früher. Dafür lese ich aber, mehr als früher, das eine oder andere Sachbuch zu Themen, die mich interessieren, denn diese kann ich "durcharbeiten", und schreibe sogar ab und zu Rezensionen auf meinem Blog. Bücher sind sehr wichtig für mich und auch wenn ich derzeit eine Kinder-Leseflaute habe, weiß ich, das wird zurückkommen.
Ich hoffe, dass diese Bücherliebe ein Stück weit auf meine Kinder abfärbt, da sie ihnen sozusagen in die Wiege gelegt wurde, und frage mich, ob sie durch mein Vorbild selbst zu Büchernarren werden oder so gar kein Interesse am Lesen entwickeln. Wahrscheinlich wird das, wie bei so vielen Dingen, gar keinen Einfluss auf ihren Entwicklung haben, denn schon jetzt sehe ich deutlich die Unterschiede zwischen beiden Kindern. Mit dem Großen haben wir von Anfang an viele Bücher angeschaut und vorgelesen, obwohl er früher ziemlich unruhig war und es lange dauerte, bis er sich wirklich darauf einlassen konnte, still auf unserem Schoß oder an unserer Seite zu sitzen und zuzuhören. Ich hatte aber nie den Eindruck, dass er sich großartig für Bücher interessierte. Mit einem Erwachsenen zusammen ja, aber allein so gut wie gar nicht. Aber das war und ist ja bei fast allen Beschäftigungen bei ihm der Fall. Auch heute noch nimmt er sehr selten ein Buch selbst in die Hand. Er zeigt auch kein Interesse daran, Buchstaben oder Wörter darin zu erkennen. Vorgelesen bekommt er dagegen sehr gern und kann das mittlerweile auch ruhig und konzentriert genießen. Ich selbst mag zwar die Situation des Vorlesens, habe aber Schwierigkeiten, einer Geschichte zu folgen, die ich selbst vorlese. Das ging mir auch bei Hörbüchern immer so, ich habe die Geschichte gar nicht richtig mitbekommen und bin deshalb (und auch, weil meine Gedanken viel zu stark dabei wandern) bis heute kein Fan von Hörbüchern. Der Große hört zum Einschlafen immer ein Hörbuch, macht sich aber tagsüber nie selbst eins an. Kindgerechte Sachbücher wie die tolle Pixi Wissen Serie* lese ich dagegen gern vor, weil ich selbst noch etwas dabei lerne und mich nicht auf eine Geschichte konzentrieren muss. Der Große merkt sich übrigens manche Namen oder Details aus Büchern sehr lange, die wir schon längst wieder vergessen haben. Die Fakten aus den Kindersachbüchern kennt er teilweise schon nach dem ersten Lesen. Dafür kann er schlecht Geschichten reproduzieren bzw. erzählen, worum es ging. Insgesamt würde ich ihn bis jetzt nicht als Bücherfan einordnen und bin gespannt, ob sich das verändert, wenn er selbst lesen kann.
Die Kleine dagegen interessiert sich deutlich mehr für Bücher, obwohl wir uns mit ihr weniger (vor allem weniger exklusiv) beschäftigten. Schon als Baby faszinierten sie die Klappen in Kinderbüchern oder das Herausziehen bestimmter Teile. Sie liebt wirklich ihre Tiptoi-Bücher* und setzt sich damit auch mal alleine hin. Manchmal nimmt sie sich einen Stapel Bücher aus dem Regal und drapiert diese um sich herum, um sie zu sichten. Sie mag auch gern Märchenbücher und weiß oft, wo welches Buch gerade ist (im Gegensatz zum Großen). Beim Vorlesen ist sie leider noch sehr unruhig, was es schwierig bis unmöglich macht, beiden Kindern gleichzeitig ein Buch vorzulesen. Das finde ich ziemlich schade. Und was mir richtig körperlich weh tut, ist ihr Umgang mit Büchern. Sie blättert schrecklich kraftvoll und unbedacht um, schert sich nicht um Knicke und Eselsohren, um eingerissene Seiten und abgerissene Pop-Up-Figuren. Sie beschädigt Bücher, lässt sie ins Waschbecken fallen etc., ohne traurig oder beschämt zu sein. Das spiegelt wirklich ihr Temperament, der Große ist da viel behutsamer und achtsamer, auch wenn ihm Bücher weniger bedeuten. Auch hier sieht man, dass das Vorbild weniger Einfluss hat als das Temperament/ der Charakter. Mit dem Großen bin ich früher manchmal in Buchhandlungen gegangen, da er nicht alles angefasst hat, sondern sorgfältig war. Das machen wir nun ganz selten, wenn die Kleine nicht mit dabei ist. Mit ihr ist das sehr stressig, weil sie sich alles im Schnelldurchlauf und nicht gerade vorsichtig anschaut. Dafür weiß sie genau - im Unterschied zum Großen - wo die Kinderbuchabteilung unserer hiesigen Kette ist, obwohl wir nur ganz selten dorthin gehen. Und sie interessiert sich total für die Bücher, die Bilder und übrigen Produkte, erkennt Figuren, zeigt mir begeistert neue Bücher und will unbedingt das eine oder andere haben. Der Große macht das kaum. Schon lustig, diese Unterschiede!
Die Kinder sehen uns äußerst selten dabei, wie wir mit einem Buch herumsitzen und lesen. Denn Lesen erfordert Konzentration und das ist für mich in Anwesenheit meiner (wachen) Kinder absolut nicht möglich. Ich lese eigentlich nur abends oder wenn ich frei habe. Leider erleben sie demzufolge nicht, dass sich Erwachsene mit einem Buch auf dem Sofa entspannen und ausruhen. Gestern, als die Kleine mit dem Papa in der Badewanne war, probierte ich mal, mich mit einem Buch hinzusetzen. Der Große war im gleichen Raum und langweilte sich zu Tode, setzte sich immer wieder neben mich und schaute, was ich mache. Für Kinder ist das stille Lesen, glaube ich, sehr schwer greifbar, weil so gar nichts passiert. Natürlich konnte ich mich so nicht konzentrieren, aber ich wollte es ihm einfach mal zeigen, dass nach viel Beschäftigung MIT den Kindern auch mal Elternzeit ist. Und dass ich gern Bücher lese. Er ist eigentlich in dem Alter, wo man das auch verstehen und akzeptieren kann. Aber er kennt es halt so gar nicht, weil es kaum möglich ist. Ein Kreislauf.
Ich hoffe, dass ich ein bisschen was von meiner Bücherliebe an meine Kinder weitergeben kann. Vielleicht finden sie Spaß am Lesen, wenn sie dies selbst können. Vielleicht werden sie aber auch eher Kindle- oder Hörbuchliebhaber, was ich so gar nicht bin. Auf jeden Fall bekommen sie mal eine riesige Heimbibliothek vererbt;-).
Wie ist es bei euren Kindern, sind sie büchervernarrt oder eher desinteressiert, beschäftigen sie sich allein mit Büchern und sind, falls ihr mehrere Kinder habt, diese unterschiedlich in ihrem Interesse für Bücher?
Bildquelle: Pixabay
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