Mein Tag im Überblick.

Ich mag ja keine Vertretungsstunden, besonders wenn sie so liegen, dass ich den lästigen Bürokram nicht erledigt kriege. Die beiden Kolleg*innen, die in derselben Klasse Vertretungsstunden machten, hatten jedoch einen Film begonnen, den ich gar nicht so schlecht fand.

Was wohl die Eltern sagen, wenn die Kinder ihnen erzählen, dass sie drei Schulstunden lang einen Spielfilm sahen?

Aber es gibt auch gute Nachrichten:

Der Chlorgeruch, der letzte Woche noch ätzend in der Luft hing, weil der Hausmeister die schimmeligen Stellen an der Decke im Klassenzimer damit besprüht hatte, ist quasi nicht mehr existent.

Und seitdem die Schule eine Zwischentür zwischen dem Flur vor den Toiletten und dem Hauptflur eingebaut hat, kommt auch viel weniger übler Ammoniakgeruch aus dem Sanitärtrakt, was die Schüler aber nicht vom Klagen abhält:

„Frau Solanum!“, meckert meine Klasse, „die 5er pinkeln immer noch auf den Boden und in die Waschbecken! Tun Sie doch was dagegen!“

Leider habe ich keine Ahnung, was ich da tun kann, werde aber der Klassenlehrerin entsprechende Meldung machen. Die wird aber auch nicht wissen, was sie dagegen tun kann.

Der Ton in meiner Klasse wird rauer.

„Frau Solanum“, sagt einer meiner Schüler in einem enervierenden Tonfall, „meine Mutter möchte eine Liste aller Tage habe, an denen ich unentschuldigt gefehlt habe, damit sie Entschuldigungen schreiben kann.“

Ich liebe diese Tage.

„Leider“, entgegne ich, „nützt das nichts mehr, die Zeugnisse sind geschrieben. Und da stehen jetzt deine unentschuldigten Fehltage drauf.“

„Sie will das trotzdem haben.“

„Die Fehltage stehen im Klassenbuch. Du darfst es dir nehmen und dir die Fehltage raussuchen.“

„Ok“, erwidert der Knabe gedehnt, „dann kann ich wohl leider kein Deutsch mitmachen. Ich muss ja das Klassenbuch durchsehen.“

„Das ist kein Problem“, antworte ich, „ich erlaube dir, in der Pause drinzubleiben und das Klassenbuch durchzusehen.“

„DAS GANZE KLASSENBUCH? IN DER PAUSE? Das ist Freiheitsberaubung!“

„Ach“, antworte ich, ebenfalls gedehnt, „und wenn ich das mache, dann ist keine Freiheitsberaubung?“

„Nein, das ist ja Ihr Job.“

(Ich bin dann aber doch hart geblieben.)

Nachtrag: „Frau Solanum, ich HATTE aber die Entschuldigungen! Sehen Sie!“

„Mein lieber Schüler“, sage ich und sehne mich nach meinen Baldriantropfen, „die Entschuldigungen sind ja toll, aber du musst sie mir auch ZEIGEN!“

Und wenn man dann denkt, dass man Feierabend hat, nach einem Tag, der mit Vertretung anfing, einem Tag, an dem ein Schüler meckert, dass der Test zu schwer sei, weil man für eine 1 hätte lernen müssen, nach einem Tag mit Schülern, die den Schuss noch nicht gehört haben, nach so einem Tag also trifft man ein Pulk Schülerinnen, die Fragen stellen wie:

„Kann man auch schwanger werden, wenn man Kondome benutzt?“ (Ja.)

„Ist es schlimm, wenn man ein Kondom benutzt, das zu groß ist?“ (Ja.)

„Ist es sicher, dass man schwanger ist, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist?“ (Ziemlich.)

Jedenfalls habe ich jetzt einen Termin in der Schwangerschaftskonfliktberatung. Mit einer 15jährigen.


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