Meek’s Cutoff

Langsam und beschwerlich bewegt sich eine Siedlerkarawane durch die Wüste. Sie kommt zu einem Fluss, der ein Hindernis darstellt, das schwer überwunden wird. Sind wir nicht gewöhnt, dass im Western die Protagonisten heldenhaft durchs Wasser reiten? Meek's Cutoff von Kelly Reichardt spielt originell wie geschickt mit den Erwartungen des Zuschauers.

Westernfans werden überrascht sein, denn das Genre von seiner realistischen Seite zu beleuchten ist der Regisseurin Kelly Richardts (Night Moves) mit Meek's Cutoff wahrlich gelungen. Die Geschichte ist einfach, sie handelt von drei Familien, die 1845 mit drei Planwägen durch eine dürre und trostlose Wüste ziehen. Angeführt werden sie von Stephen Meek (Bruce Greenwood), dem eine vermeintliche Abkürzung zum Verhängnis wird und so verläuft sich die Truppe hoffnungslos, bis sie auf einen Indianer treffen, der das Vertrauen der Gruppe gewinnt und zu ihrem neuen Leben lotsen wird.

Meek ist die Verkörperung des Westernklischees, ein Dampfplauderer, der mit seinen Heldentaten gerne von den eigentlichen Problemen und seinen eigenen Fehlern ablenkt. Durch seine falsche Wegangabe verliert sich die Truppe in der Wüste und sucht verzweifelt nach Wasser. Die Anspannung wächst spürbar, sie misstrauen Meek und mutmaßen er hätte sie absichtlich in die Irre geführt. Es sind vor allem die Frauen der Siedler, die ins Bild gesetzt werden, wenn sie in ihren langen Kleidern in der Hitze arbeiten. Emily (Michelle Williams) übernimmt während der Erzählung immer mehr und mehr die Rolle der heimlichen Führung. Vor allem als der Indiander von Meek gefangen genommen wird, ist sie es, die ihm ein Gewehr an den Kopf hält und sich gegen ihn stellt. Höchst ungewöhnlich und positiv überraschend, denn im klassischen Macho-Western sind heldenhafte Züge an Frauen unvorstellbar.

Auch die Figur des Indianers wird in Meek's Cutoff aufgewertet. Sie verstehen zwar gegenseitig ihre Sprache nicht, trotzdem wird der Indianer zum Lebensretter der Siedler, da er die Gegend bestens kennt. Die Siedler befinden sich in einer Ausnahmesituation, die sich immer mehr und mehr verschlimmert, und das wird von der Kamera auf bemerkenswerte Art und Weise beschreibend auf die Leinwand gebracht. Durch das Misstrauen gegenüber Meek wächst ein innerer Konflikt in der Gruppe, der sie zunehmend schwächt, während von außen sich die Gefahr der Natur anbahnt. Man wartet auf einen Höhepunkt, eine Eskalation, aber es sind die alltäglichen Anstrengungen, die gezeigt werden und das Publikum spüren lassen, wie zunehmend beschwerlich das Leben der Siedler wird.

Kelly Reichardt hat mit Meek's Cutoff in gewisser Weise einen Anti-Western gedreht, der mit sämtlichen Klischees und Kitsch aufräumt und sich auf die alltäglichen Dinge im Leben der Siedler besinnt. Der Film dreht sich um die täglichen Anstrengungen der Siedler, die Hindernisse, die es zu überwinden gilt und auf die Gefahren, die draußen lauern. Die Gefahr vom Weg abzukommen und die daraus resultierende wachsende Spannung in der Gruppe wird bemerkenswert beschrieben. Fans dürfen sich keinen Hollywood Western erwarten, sie werden aber von Meek's Cutoff trotzdem nicht enttäuscht sein.

Regie: Kelly Reichardt, Drehbuch: Jon Raymond, Darsteller: Michelle Williams, Bruce Greenwood, Will Patton, Zoe Kazan, Paul Dano, Filmlänge: 104 Minuten, DVD-Release: 30.09.2013

Meek’s Cutoff

Aufgabenbereich selbst definiert als: Kinoerlebnissesammlerin. Findet es schön, dass "die Kamera etwas sieht, was das menschliche Auge durch den Gewohnheitsblick nicht wahrnimmt. Das ist Kino." (Alexander Kluge).


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