Medellín

Wie erwähnt wohnen wir hier in Medellín bei Santiago, einem Freund einer Kollegin vom Spanischunterricht in der Schweiz. Er und seine Eltern sind mega nett, für unsere Begriffe manchmal etwas überschwänglich und beschützend. Das trifft vor allem auf Rosita, seine Mutter, zu, die uns kaum alleine aus dem Haus gehen lässt.
Am Freitagabend wurden wir zu Natalia, einer Cousine von Santiago verfrachtet, da sie uns anscheinend eingeladen hatte, eine Nacht bei ihr zu verbringen. Die junge Frau, ihr 7-jähriger Sohn und ihre Mutter wohnen in einem grossen, noch nicht ganz fertiggestellten Haus etwas ausserhalb von Medellín. Dort wohnen auch drei winzige Hündlis und ein grosser, total unerzogener Hund, der nur so sprüht vor Energie. Da wir vom Auswärts-Übernachten erst im allerletzten Augenblick informiert wurden, hatten wir so nützliche Sachen wir Anti-Mosikto-Creme nicht dabei und endeten darum am Morgen im Garten als Frühstück für die Armadas von Zancudos und anderen Bichos.
Natalia brachte uns dann an die Plaza Bolívar, wo schon Santiago und Eltern auf uns warteten. Samstags findet dort jeweils ein grosser Artesanía-Markt statt, wo wirklich wunderschöne Sachen angeboten wurden. Schon viel zu bald wurden wir aber wieder weggelotst und in Santiagos Auto gesteckt. Da wir uns mitten im Centro befanden, standen wir natürlich lange im Stau, was aber zum sicheren Fotografieren des üblichen Stadtchaos genutzt werden konnte.

Medellín

Verkehrschaos in Medellín.


Zu unserer Freude sahen hier diverse Strassenzüge so südamerikanisch lebendig, farbig und unorganisiert aus, wie wir das aus Bolivien und Peru gewohnt waren. Von Medellín hatten wir bisher nur unser nobles Wohnquartier und herausgeputzte Malls gesehen, abgesehen von den Slums, die man von der Metro aus zu sehen bekommt. Dort rumzuspazieren würde uns aber nicht einfallen.
Als nächstes stand ein Besuch bei der Panadería von Rositas Schwester auf dem Programm. Diese Bäckerei ist anscheinend schon über 100 Jahre alt und hat wirklich äusserst feine Sachen im Angebot.
Nach der Bäckerei fuhren wir zum Bike House, gemäss Santiago Medellíns bester Veloladen. Martina brauchte neue Velohandschuhe und ich suchte ein neues Sonnendächli für meinen Helm, das alte war in Tumbaco verlorengegangen. Ausserdem hätte ich gerne einen anderen Rückspiegel. Derjenige von Trujillo ist viel zu stark gekrümmt und es ist darauf nichts frühzeitig zu erkennen. Die Helmvisiere werden aber nicht einzeln verkauft und Rückspiegel führte der Laden keine.
Gestern schafften wir es doch noch, alleine aus dem Haus zu gehen. Wir haben die Metro genommen und ein Reisli mit dem Metrocable, der städtischen Gondelbahn gemacht. Gondeln sind für uns ja im Prinzip nichts Neues, ausser dass wir uns dabei eher an Aussicht auf Berge und Kuhweiden gewohnt sind und nicht an Häusermeere unter uns und Wolkenkratzer in der Distanz.

Medellín

Aussicht vom Metrocable.


Der erste Abschnitt des Metrocable zählt zu den ÖVs und war im Preis der Metro inbegriffen. Weiter oben wird's touristischer und man bezahlt extra. Bald befanden wir uns nicht mehr in der Grossstadt, unter uns standen zwar noch einige Häuser, je höher wir kamen, desto ländlicher wurde es aber. Bald war da nur noch Wald, wir hatten den höchsten Punkt des Berges erreicht, es ging aber immer weiter und weiter. Mit Aussicht auf Medellín war bald nichts mehr, aber eine Endstation war nicht in Sicht. Erst nach einer ganze Weile  über den Wald schweben sahen wir ein paar Gebäude. Dort schien sich eine Art Park zu befinden. Bestimmt wäre die Gegenz zum wandern geeignet, da wir aber nicht damit gerechnet hatten, waren wir nicht dazu ausgerüstet und hatten kein Futter dabei. Ausserdem hatten wir noch andere Pläne für den Tag (und keine Lust, nochmals zu bezahlen), weshalb wir beim Wendepunkt sitzen blieben und wieder zurückgondelten.

Medellín

Aussicht vom Metrocable (Touristrecke).


Der Botanische Garten der Stadt weckte den ersten positiven Eindruck beim Eingang, wo steht, dass der Eintritt frei ist. Die Grünanlage ist aber auch sonst überzeugen, schon die vielen farbigen Hibiskusblüten und andere Blumen sind echt chevre.

Medellín

Hibiskus im Jardín Botánico.


Der Jardín hat u.a. auch einen Bambuswald, eine Heilpflanzen-Abteilung, ein Mariposario mit wunderschönen Bewohnern und einige Orchideen. Auf den Wiesen picknickten ganze Familien, der Park schien ein beliebtes Ausflugsziel zu sein, wo man auch gerne mehrere Stunden mit Nichtstun verbringt.

Medellín

Bewohner des Mariposarios.


Anschliessend wollten wir eigentlich noch das Aquarium und evtl. das Planetarium anschauen, die waren aber geschlossen. Ein kurzer Spaziergang zum Parque del Deseo erschloss uns auch keine weiteren Sehenswürdigkeiten. Wir nahmen einen Bus zu einer grösseren Mall, wo wir schon einmal ein super Glacé gegessen hatten. Dort checkten wir auch das Kinoprogramm und stellten etwas enttäuscht fest, dass der neue Piratas del Caribe noch immer nicht läuft. Tja, schade, wir werden ja sehen, wenn wir das nächste Mal in die Nähe eines Kinos kommen.
Am Montag unternahmen wir, zusammen mit Daniela, einer 20-jährigen Chica, die auch bei Santiago wohnt, eine Tour mit Medellíns Turibus. Das war interessanter als wir uns das vorgestellt hatten. Zwei Stationen kannten wir schon, das Pueblito Paisa, ein Modelldörfchen der Region Antioquia, wo wir mit Santiago ingegangen waren, und den Parque Botero. Ganz in der Nähe dieses Parkes gibt es eine Pastelería Suiza, eine Schweizer Konditorei. Die Sachen dort sahen schon sehr überzeugend aus, leider waren auch die Preise entsprechend hoch und so kauften wir nur je einen kleinen Moorenkopf. Der war nicht schlecht, kommt jedoch nicht an diejenigen von Huaraz heran.

Medellín

Pferdestatue im Parque Botero.


Den Parque de los Deseo fanden wir erst nicht so spannend, bis unsere Guía uns zwei Halbkugel zeigte, die etwa 10 Meter voneinander entfernt standen und und so gebaut waren, dass man mit ganz normaler Lautstärke in die Öffnung der einen Hälfte sprechen konnte, und die andere Person auf der anderen Seite einen klarer als am Telefon verstand.
Cool fand ich auch die Unidad Deportiva, das Sportzentrum. Dort gibt es eine (blaue) Rundbahn und eine ganze Menge grosser Sporthallen. Leider hielt der Bus dort nur etwa 20 Minuten, so blieb nicht genau Zeit, in alle Hallen zu schauen um zu sehen, was für Sportarten dort praktiziert wurden. Gesehen hatten wir nur irgendeine Kampfsportart und Basketball, eine Halle war mit Handball angeschrieben. Weiss nicht, ob ich je eine so riesige Sportanlage gesehen habe.
Der letzte Stopp des Turibuses war beim Parque de los Pieds Descalzos, dem Park der nackten Füsse. Dort gab es einen geführten Recorrido, der mit einem Bambuswäldchen mit Holzschnitzelboden begann. Wenn man sich Barfusslaufen nicht mehr gewohnt ist, war das schon recht pieksig. Dann folgte grober Sand und eine Art Labyrinth, wo man sich mit geschlossenen Augen einen Weg auf die andere Seite suchen konnte. Dort wartete eine Menge Holzpflöcke, wo die Idee war, (mit offenen Augen) einen Weg darüber zu finden. Anschliessend bekamen wir eine kurze Fussmassage gezeigt und gingen dann zu einem Wasserbecken, wo Wasserdüsen die Massage übernamen. Bei einem Springbrunnen konnte man versuchen, trocken auf die andere Seite zu gelangen, was die meisten Kindern nicht witzig zu finden schienen und lieber direkt über den Löchern im Boden warteten bis das Wasser von unten angriff.
Die ganze Tour hatte etwa vier Stunden gedauert, wir haben danach etwas gegessen und dann hatten wir den Barfuss-Parcours gemacht und während dieser ganzen Zeit uns nicht bei Rosita gemeldet. Wie besorgt war sie wohl schon? Da ihre Überbehütung aber eine Art kindischer Trotz in uns geweckt hatte, "vergassen" wir, dies nachzuholen und nahmen einen Bus ins Einkaufszentrum Los Molinos, und gingen dort ein feines Glacé essen. Am Abend waren wir von der Familie von Antias Exfreund noch zum Essen eingeladen, was ziemlich kompliziert wurde. Wir sollten die beiden Frauen in der Stadt treffen, hatten aber Rositas Anweisungen nicht genau verstanden, bzw. Martina hatte nicht dasselbe verstanden wie ich. Und wie immer hatte ich mein Handy nicht dabei. Nach etwa einer halben Stunde suchen und warten fanden wir uns (eher zufällig) doch noch. Und das Restaurant, das Sara und Catalina ausgewählt hatten, war megafein (wir wären da nie reingegangen weil viel zu teuer).
Am Mittwoch stand noch ein letzter Ausflug mit Santiago und Eltern auf dem Programm. Wir mussten Santa Fé de Antioquia sehen. Dort ganz in der Nähe stand auch die Finca eines Schwiegersohns von Oliva, Santiagos Tante. Das Städtchen war denn auch noch ganz herzig mit viel kolonialer Architektur. Allzuviel Zeit, das alles zu bewundern hatten wir aber nicht, schon hiess es wieder ins Auto steigen. Ein paar Minuten später kamen wir bei der Finca an. Dominiert wurde das riesige Grundstück von einem modernen Haus und einem grossen Pool. Bei genauem Hinschauen erkannte man, dass es beim Pool eine Bar gab und drei Barhocker im Wasser. Etwas weiter hinten wurde gebaut, gemäss Rosita sei dort ein Solarium im Bau. Wie bitte??? Wir befanden uns hier fast auf Meereshöhe, es war sehr warm (da bewölkt, sonst wäre es brütend heiss gewesen). Wozu würde jemand an so einem Ort ein Solarium brauchen? Vermutlich weiss der Eigentümer des Hofes schlicht und einfach nicht, was er mit all seiner Kohle anstellen soll. Eigentlich soll man ja nichts gegen Leute sagen, in deren Pool man herumplantschen darf und in deren Hängematten man Siesta schläft, aber so langsam hatten wir genug von Leuten, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Einmal sowas zu sehen, mag ja interessant sein, inzwischen fühlte sich das langsam nach einer Überdosis an. Speziell in einem Land wie Kolumbien, wo die Armut ja noch nicht so ganz ausgerottet ist.

Medellín

St. Fé de Antioquia.


Da auf jener Finca viele Mangobäume wachsen, nahmen wir sieben Kisten Mangos (und etliche andere Früchte) mit zurück nach Medellín. Martina und ich waren froh, als wir unsere Taschen packen und für die Abreise am nächsten Morgen vorbereiten konnten.

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