Masha Qrella - Speak Low

Die Präsenz von Berliner Künstlern auf dem New Yorker Broadway war insbesondere in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts ausgesprochen stark. Zwei Exilanten deutscher Herkunft trugen mit ihrem Wirken maßgeblich zum seinerzeit vitalen Musical-Boom bei: Frederick Loewe und der unvergessene Kurt Weill. Ihre Kompositionen hat die Berliner Musikerin Masha Qrella neu interpretiert und damit für heutige Pop-Zirkel wieder anschlussfähig gemacht.
„Speak Low – Loewe And Weill in Exile“ heißt das Werk, auf dem Qrella sich den Stücken von einst mit den musikalischen Mitteln ihrer Bands Mina und Contriva nähert. Mag die Verbindung zwischen den bis zu 60 Jahre alten Swing- und Jazz-Melodien und Qrellas elektronisch-instrumentalem Frühwerk zunächst nicht unbedingt auf der Hand liegen, so gibt es doch einen gemeinsamen Nenner. Und der findet sich eindeutig in der Pop(ulär) Musik. „Broadway - Cradle of Popular Music“ lautete im Oktober 2007 das entsprechende Motto der Festlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des Berliner Haus der Kulturen der Welt, die von Qrella für einen Abend mitgestaltet wurden und die der vorliegenden Sammlung vorausgingen. „Die Songs von Weill und Loewe“, so Detlef Diederichsen, der Kurator der Veranstaltung, wurden „dahingehend überprüft, inwieweit sie rund ein halbes Jahrhundert später noch Relevanz besaßen“. Zudem sollte die Neubearbeitung der Stücke von jemandem übernommen werden, der einerseits eng mit der deutschen Hauptstadt verbunden ist, andererseits einen möglichst genrefremden und damit unbeschwerten Zugang zu den Originalen findet. Masha Qrella bringt diese Eigenschaften mit und setzt sie mit kluger Zurückhaltung ein. Mit Unterstützung einer exzellenten Band flößt sie den alten Kompositionen eine neue Energie ein, freilich eine Energie, die ihre Kraft aus aktuellen Pop-Pattern schöpft und ihre Richtung mit Bedacht, ja geradezu nachdenklich wählt.
Pathos und Überschwang der Originale werden auf „Speak Low“ auf eine nachvollziehbare Gefühlsebene herabgeholt. Diese Reduktion auf das Wesentliche geht einher mit einem Zugewinn an Lakonie und an etwas, das man mit „emotionale Behutsamkeit“ einfassen könnte. So wird Weills „Speak Low“, das die Four Freshmen einst mit trompetendem Gebalze vortrugen, zum filigranen Indiepop umgedeutet. Dann gibt es da noch den „Wandering Star“, dessen Geist durch den brummenden Lee Marvin endgültig in der Whiskey-Flasche gebannt schien, bei Qrella jedoch zu munter geschlagenen Akkorden als frische Herbstbrise davon sausen darf. Und erst die anmutige Aufarbeitung von „I Talk To The Trees“ offenbart, dass es sich hier um eine der schönsten Loewe-Melodien überhaupt handelt. Angesichts ihres originären Zaubers fällt es schwer zu glauben, dass diese Songs gecovert sein sollen. Oder wie Detlef Diederichsen die Wirkung dieser Sammlung beschreibt: „Wer nicht um ihre Herkunft weiß, wird Mashas neue Stücke womöglich einfach als neue Qrella-Originale annehmen.“

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