Martin Schlüter: Die BND-Zentrale in Pullach

Martin Schlüter: Die BND-Zentrale in Pullach (© Martin Schlüter / Kunstfoyer München) Demnächst wird der Bundesnachrichtendienst seinen Dienstsitz weitgehend nach Berlin verlagern. Die bisherige BND-Zentrale in Pullach bei München war bisher hermetisch abgeschirmt. Erstmals konnte nun der Fotograf Martin Schlüter das Areal besuchen und Teile der Anlagen – Werkstätten, Mitarbeiterbüros und IT-Anlagen – im Bild festhalten. Zu sehen sind die Aufnahmen bis zum 5. Oktober in München.

Ausstellungsgeschreibung

In seiner Reihe zur Dokumentarfotografie zeigt das Kunstfoyer nie gesehene Innenansichten des BND-Territoriums in Pullach. Die Bilder werden im detailreichen Großformat präsentiert. Das 68 Hektar umfassende Gelände wurde jahrzehntelang hermetisch hinter hohen Betonmauern und Stahlzäunen von der Öffentlichkeit abgeschirmt.
Seine wechselvolle Nutzungsgeschichte reicht bis in die NS-Zeit zurück. Im April 1945 von amerikanischen Soldaten besetzt, wurde dort unter amerikanischer Leitung ab 1947 die „Geheimorganisation Gehlen“ aufgebaut – der Vorläufer des 1956 gegründeten Bundesnachrichtendienstes.

Einen Teil seiner Geheimhaltung gibt der BND neuerdings auf und startet eine ungewöhnliche „Transparenzoffensive“. Nicht zuletzt forciert durch die öffentliche Diskussion und Spekulation um Auftrag und Arbeitsweise des BND und seiner Kooperation mit der National Security Agency (NSA). Der BND muss seinen nachrichtendienstlichen Mehrwert gegenüber Bundesregierung und Parlament unter Beweis stellen.

Erklärtes Ziel darüber hinaus ist, „die Vertrauensbasis in der Gesellschaft zu verbreitern und als fest im gesellschaftlichen System verankerter moderner Dienstleister wahrgenommen zu werden“. So das aktuelle Selbstverständnis des BND.

Der Fotograf Martin Schlüter hat im Auftrag des BND überraschend detailreiche Einblicke hinter die Grenzmauern der BND-Zentrale bis in die Werkstätten, einzelne Mitarbeiterbüros und auch in modernste IT-Anlagen gewonnen. Vertragliche Auflage war, weder Mitarbeiter noch Fahrzeuge zu fotografieren. Er wurde begleitet von der BND-Pressestelle. Realität oder Fake? – bei einigen Aufnahmen kommen Zweifel auf, ob am „Image“ dessen, was der Fotograf sehen durfte oder sollte, gefeilt wurde.

In der Ausstellung wird die Dokumentation des externen Fotografen den Statements des BND-Präsidenten Gerhard Schindler und des beamteten Staatssekretärs im Bundeskanzleramt und Beauftragten für die Nachrichtendienste des Bundes, Klaus-Dieter Fritsche, gegenübergestellt. Die Eröffnungsreden vom 23. Juni 2014 wurden aufgezeichnet und stehen den Ausstellungsbesuchern zur Verfügung.

Objekte aus der prädigitalen Zeit des Dienstes, wie z.B. eine Enigma, eine Chiffrierrolle zum Verschlüsseln von Nachrichten oder Verbringungsmittel für geheimes Material, ergänzen die aufregende Zeitreise, die das geheime Territorium zu bieten hat. Nach dem Umzug des BND nach Berlin wird der Standort Pullach als Außenstelle des BND weitergeführt, aber deutlich verkleinert und verändert.

Martin Schlüter

Geboren 1977 in Hannover. Während der Schulzeit erste Fotos für die Schülerzeitung. 1997 Abitur, danach Fotograf bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. 1998 Fahrradtour durch Alaska, Kanada, USA. 1999 Beginn des Fotodesign-Studiums an der FH Dortmund. 2002 Auslandssemester Visual Communications an der University of Wolverhampton, UK. 2002 Fortsetzung des Studiums an der FH Hannover, 2006 Diplom. Umzug nach Hamburg. 2007 und 2008 Assistenzen bei bekannten Werbefotografen. Seit 2008 selbstständig als Fotograf für Redaktionen, Werbeagenturen, Architekten und Unternehmen. 2010 umfangreiche Fotoreportage in Alaska über sexuellen Kindesmissbrauch an Eskimokindern durch katholische Priester. 2011 Veröffentlichung der Reportage im Magazin MARE. 2012 Auszeichnung zum CNN Journalist of the Year aufgrund der MARE-Reportage. 2012 Auftrag des Bundesnachrichtendienstes, den Dienstsitz Pullach fotografisch zu dokumentieren.

Quelle: Versicherungskammer Kulturstiftung

Wann und wo

Kunstfoyer
Maximilianstraße 53
80538 München

25. Juni bis 5. Oktober 2014
Öffnungszeiten 9.00-19.00 Uhr (Eintritt frei)


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