Martin Cruz-Smith – Nacht in Havanna

Martin Cruz-Smith – Nacht in HavannaKrimis sind, wie bereits erwähnt, nicht die Art Literatur, die ich üblicherweise lese. Doch kam dieses Buch als Geschenk zu mir und spielt zudem in Havanna de Cuba; einen Ort, den ich in meinem Leben noch sehen möchte.

Wie ich dem Klappentext entnahm, ist die Hauptfigur des Buches, Arkadi Renko, eine Person, die der Autor Martin Cruz-Smith, durch mehrere Bücher begleitet.

Aber das nur am Rande. Die “Nacht in Havanna” ist ein eigenständiges Buch und so auch allein und ohne Kenntnis der anderen zu lesen. Cruz-Smith zeigt sich als ein unglaublich genauer Beobachter des kubanischen Lebens; vieles kommt mir aus der Zeit der DDR bekannt vor; anderes ist sicherlich typisch karibisch. Ihm gelingt es, das Flair dieser Stadt einzufangen und Figuren zu zeichnen, die so charaktervoll sind dass man meint, sie zu kennen.
Meine Lieblingsfigur ist eher eine Randfigur: die Mutter einer Polizistin (die genau die Schizophrenie lebt, die das Leben in der sozialistischen Gesellschaft charakterisiert: einerseits das Arbeiten für den Staat, andererseits der Glauben an Geister und Götter der afrikanischen Vorfahren).

“Hier sitze ich mit dem größten fiktionalen Werk der Welt.” Sie schlug auf ihr Heft mit Lebensmittelkarten. Seite 277

Mit solchen Nebensätzen zeichnet der Autor Realitäten, die neben dem eigentlichen Thema das Buches so etwas wie eine Umgebungsstimmung erzeugen, dass das Buch lesenswert und die Kubaner (und ihre Revolution) liebenswert machen.

Neben der eigentlichen Story, die ich hier nicht wiederzugeben versuche (ich würde daran scheitern), ist das eigentliche Thema das Verhältnis Kubas und Russlands (bzw. der Sowjetunion). Die beiden (ehemaligen) Brüdervölker werfen dem jeweils anderen vor, sie verraten zu haben: die Kubaner den Russen, dass diese sich nach dem Ende der sozialistischen Sowjetunion sang- und klanglos verabschiedeten und das kaum überlebensfähige Kuba allein ließen. Die Russen hingegen sind der Meinung, dass die Sowjetunion ohne die milliardenschwere Hilfe für Kuba länger hätte bestehen können.
Nein – ich gebe dazu keine Meinung kund; ich habe keine weil ich viel zu wenig darüber weiß.

Havanna muss – trotz allem, eine wunderschöne Stadt sein, nicht nur wegen des Charmes des Verfalls. Der Malecón, in dessen Umgebung sich die Hauptfigur bewegt, ist wie eine stumme Figur Teil des Buches.


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