Lobet und preiset den Herrenmenschen

Wer hätte gedacht, dass der Tag kommen würde, da man Ihnen gratulieren muß, Sarrazin? Trotz allem, Sie scheinen doch eine ganz vernünftige Type zu sein. Weshalb, fragen Sie? Sie können es wahrscheinlich selbst kaum glauben, was? Nun gut, sehen Sie...
Einer Ihrer Kollegen, ein Genosse, oder sagen wir, ein ehemaliger Genosse, tritt nun auf Kommunalebene für die NPD an. Wie der Mann heißt ist unspannend, man wird seinen Namen sowieso in Zukunft nicht mehr vernehmen - was uns aber interessiert ist: dieser Mann, er trägt seine psychotischen Affekte in eine Partei, die sich offen zum (Sozial-)Rassismus bekennt. Vielleicht ist mein Weltbild dort besser aufgehoben, wird er sich gedacht haben. Dort brauche ich dieses sozialdemokratische Feigenblatt nicht, muß diese verlogene Eigenart nicht vorexerzieren, stets auf fürsorglich und sozialstaatlich zu machen, obwohl dergleichen Attribute schon lange im Orkus des Seeheimer Kreises versumpft sind. Bei der NPD kann ich diese Verlogenheit ablegen, könnte sein Motiv gewesen sein - hier bin ich, hier darf ich sein!

Das klingt als Argumentation sicherlich alles vernünftig - ist es aber nicht! Es ist schrecklich feige! Dieser Ex-Genosse von Ihnen, Sarrazin, er ist ein Hosenscheißer! Sie sind aus anderem Holz, Sie sind beharrlich, nennen sich Sozialdemokrat und drücken dieser guten alten Institution Ihren unvergleichlichen Stempel auf - Sie geben dieser verlogenen Veranstaltung eine wirkliche, eine ganz realistische Prägung. Sie bleiben in dieser Partei, damit jeder zu erkennen vermag, wohin die kränkliche sozialdemokratische Gesinnung hindümpelt. Ihr Verdienst ist, dass Sie diesem trostlosen Haufen ein Profil verleihen - und nicht nur irgendeines, sondern genau das richtige Profil nach der schröderianischen Zeit. Erst Agenda 2010 mit allerlei sozialhygienischen Sonderbehandlungen - dann das dazugehörige Weltbild und der dogmatisch-pseudowissenschaftliche Überbau. Nun ja, üblicherweise läuft es andersherum, normalerweise baut man erst über, bevor man nach dem neuen Leitbild lebt; aber Sie können dafür nichts - Sie haben dafür gesorgt, dass Ihre Partei gerade noch die Kurve gekriegt, das heißt: Profil bekommen hat.
Und das, Sarrazin, das sollte man Ihnen mal laut und deutlich und mit dankendem Unterton mitteilen. Danke, Sarrazin, dass Sie nicht zur NPD wandern, obwohl Sie dort eine Führergestalt wären, obwohl Sie dort als dickster Brummer auf dem Scheißhaufen krabbeln dürften. Dass Sie der SPD treu bleiben, damit die SPD auch darstellt, was sie letztlich ist: eine Partei, die sich offen sozialhygienisch gibt, obwohl sie das gerne übertüncht - das ist Ihr unbezahlbares Verdienst. Ihr Kollege, der nun kommunal bei den Nationaldemokraten kaspert, hat das nicht verstanden: er hat seiner Partei das notwendige Profil der nachschröderianischen Ära entzogen - dabei sind Sarrazins und Buschkowkys dringend nötig!
Der sozialdemokratische Sozialrassismus braucht schließlich einprägsame Gesichter! Würden alle Freunde der gesellschaftlichen Hygiene aus den bürgerlichen Parteien der Mitte ausscheiden, dann müsste man ja fast annehmen, der Extremismus sei lediglich ein Problem in einigen sektiererischen Parteien am Rande des Spektrums - Sarrazin, Sie bleiben mittig sitzen, damit man zumindest erahnt: die Mitte ist extrem! Einen solchen Herrenmenschen sollte man loben und preisen...

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