LiteraTour Nord 2013-2014: 5. Lesung mit Marion Poschmann: Die Sonnenposition, in Hannover am 23. Januar 2014

Die 5. Lesung der LiteraTour Nord dieser Saison (2013-14) hat Marion Poschmann mit ihrem Roman "Die Sonnenposition" gestaltet. Die "Sonnenposition" - Orientierungskraft für alle Patienten - nimmt der Psychiater Altfried Janich ein (oder meint, sie einnehmen zu müssen), der rundliche Rheinländer, der nach der Wiedervereinigung in einem etwas verkommenen barocken "Ostschloss" seine leitende Arbeit aufgenommen hat, denn in dem Schloss befindet sich jetzt eine psychiatrische Klinik. Ein kunstvoll gestaltetes, keineswegs linear erzähltes, dennoch gut lesbares Werk.

Die LiteraTour Nord ist für dieses Mal inzwischen zu Ende gegangen - die 5. Lesung (23.1.14) von Marion Poschmann, die 6. von Thomas Glavinic (6.2.14). Über beide habe ich bisher hier nicht berichtet.

Poschmann-42401Als Alfrieds enger Freund Odilo durch einen ungeklärten Autounfall ums Leben kommt, gerät der Psychiater selbst aus der Bahn, sein Verhalten wird immer seltsamer, am Schluss fragt sich die Leserin, der Leser, ob er jemals aus dem Schloss mit seinen kafkaesken Elementen, durch das er nachts herumgeistert, wieder herauskommen wird. Odilo ist Fachmann für Biolumineszenz (Lebewesen mit Leuchtfähigkeit) - und das Thema Licht und Dunkel (von der Sonne bis zum Glühwürmchen, von seelischer Klarheit bis zu ihrer Verdunkelung) durchzieht den ganzen Roman. Überhaupt ist das Sprachwerk von verschiedensten Motivketten durchdrungen, manchmal offensichtlich, manchmal versteckt (Leserin und Leser sind gefordert, genau zu lesen); die Motivketten sind es, die das Buch zusammenhalten - darauf macht Marion Poschmann in dem Gespräch nach der Lesung selber aufmerksam. Ein weiteres Beispiel sind die Pomeranzen - und die Erlkönige: natürlich auch eine Anspielung auf das Goethe-Gedicht, aber vor allem bezogen auf das gemeinsame Hobby der beiden Freunde, nämlich "Erlkönige" zu jagen, Prototypen neuer Automodelle, die vor allem nachts halb verhängt zur Probefahrt an unbekanntem Ort herumgefahren werden; wer davon ein Foto erwischt (was Alfried trotz aller Hartnäckigkeit nur einmal gelingt), kann damit gutes Geld verdienen. Es ist nicht zuletzt ein Roman des Misslingens, was auch in den Patientengeschichten zum Ausdruck kommt (die Autorin widmet jeder/jedem von ihnen einen eigenen Abschnitt).

Marion Poschmann ist auch anerkannte Lyrikerin, das ist in ihrer Prosa zu spüren.

Der Moderator - wie immer in Hannover Martin Rector - spricht von ihrer großen sprachlichen, metaphorischen Kraft, die den Roman zusammenhält. An einer Stelle, in der Einleitung vor der Lesung, dachte ich aber auch: "aber, aber, Herr Moderator". Er sagte "da mussten Sie (Marion Poschmann) zusätzlich eine Arbeit annehmen (gemeint war ein zusätzlicher Job zum Geldverdienen). Ist die Dichtkunst etwa keine Arbeit? Auch, wenn sie nicht gleich Geld einbringt?

 


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