Liebe ist Chefsache

Einmal las ich in einer Zeitung einen Artikel über erstklassige Arbeitsplätze. Hintergrund bildete eine Untersuchung mit dem Titel „Wo Talente arbeiten wollen.“ Mehr als eine Million Arbeitnehmende sowie über 80’000 Führungskräfte waren dazu befragt worden. Aufgefallen war mir dabei die Erkenntnis, dass Mitarbeitende nicht das Unternehmen, sondern ihre Vorgesetzten verlassen. Auf die Frage, was denn erstklassige Arbeitsplätze auszeichnet, wurden zwölf Aspekte formuliert. Da heisst es zum Beispiel, dass man weiss, was von einem erwartet wird. Oder dass man in den letzten sieben Tagen Lob und Anerkennung erhalten hat. Oder dass sich jemand für mich als Person interessiert, oder meine Entwicklung fördert. Oder dass man den Eindruck hat, eigene Vorstellungen würden auch zählen. Einmal mehr ist mir klar geworden, wie der Ausdruck von Wertschätzung im Umgang mit Mitarbeitenden ein entscheidendes Element darstellt.

Wir alle wünschen uns eine von Wertschätzung geprägte Arbeitswelt. Dabei müssen wir aber allzu oft erkennen, dass Wunsch und Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Und wie ist das in der Liebesbeziehung? Was kann ich lernen, wenn ich die Erkenntnisse aus der eingangs erwähnten Umfrage auf die Gestaltung meiner Beziehungen übertrage? Immerhin ist doch das Projekt „Wie gelingt die Liebe?“ eine der schwierigsten Herausforderungen im Leben. Oder finden sie etwa nicht?

Etwas verspielt könnte ich behaupten, die Gestaltung der Liebesbeziehung sei Chefsache. Als Führungskraft in Beziehungsdingen gehen mich die erwähnten Fragen durchaus etwas an. Weiss ich, was meine Partnerin von mir erwartet, oder ich von ihr? Spreche ich regelmässig Anerkennung aus? Interessiere ich mich für meine Partnerin, und fördere ich ihre Entwicklung? Gebe ich meiner Frau den Eindruck, dass ihre Vorstellungen mir teuer sind?

Und wenn ich nun noch einen Schritt weitergehe, dann frage ich mich, wie ich denn Wertschätzung im Liebesalltag konkret ausdrücken kann. Was prägt eine Kommunikation der Wertschätzung? Spontan fällt mir dazu ein Schlüsselwort ein: Danke!

Zum Schluss will ich ehrlicherweise offen einräumen, dass meine Frau für sich selbst ebenfalls eine führende Position in der Gestaltung unserer Liebesbeziehung beansprucht. Das macht das Projekt auch nicht einfacher.