Lehrermobbing

Es ist momentan so derart langweilig, dass eine Geschichte, die es normalerweise nicht mal in den Lokalteil einer Zeitung schaffen würde, mittlerweile bundesweit die Medien beschäftigt. Die Überschrift müsste es Ihnen eigentlich schon sagen- das hier meine ich:

Streit um Unterrichtsmethoden
Mediale Offensive

sueddeutsche.de
 

Umstrittene Lehrerin
Thilo Sarrazins Frau fühlt sich von Türken gemobbt
welt-online

Die Überschriften zeigen bereits, wie sehr unterschiedlich man über das Thema berichten kann, und das ist es auch, was mich zuguterletzt das Thema weiterverfolgen ließ: Es ist nämlich schlichtweg unmöglich, herauszufinden, was jetzt eigentlich passiert ist.

Das hält natürlich niemanden davon ab, ganz genau zu wissen, was Sache ist: Also entweder, dass Frau Sarrazin mindestens genau so böse wie ihr Mann ist oder eben ganz genau so toll wie ihr Mann. Was die Berichterstattung angeht, kann man in jedem Fall davon ausgehen, dass der Vorwurf, hier ginge es bestenfalls nebenbei um das, was im Klassenzimmer vorgefallen, stimmt. Dass die Dame allerdings schon seit geraumer Zeit unter der Popularität ihres Mannes leidet, kann ich mittlerweile auch feststellen, und zwar mindestens seit 2008.

Damals meldeten Eltern ihr - durch ein Gutachten als hochbegabt bezeichnetes -Kind in der dritten Klasse einer Berliner Grundschule an, deren Klassenlehrerin Ursula Sarrazin war. Und dann...

Nach einiger Zeit soll sich aber gezeigt haben, dass das Kind überfordert war. Klassenlehrerin Sarrazin schickte es in die 2. Klasse – letztlich mit Einverständnis der Mutter. Nach BILD-Informationen hat das Lehrer-Kollegium die „Rückversetzung“ im Nachhinein einstimmig gebilligt.

Aber nach einem Gespräch mit der kommissarischen Schulleiterin schaltete die Mutter doch Schulrat Reinhold Hartmann und eine Anwältin ein. Folgen: Die Juristin reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Ursula Sarrazin ein und der Schulrat kündigte ihre Versetzung an.

Dagegen wehrte sich die Senatoren-Gattin: Sie legte formal korrekt Eilbeschwerde ein, sprach von einem „persönlichen Rachefeldzug“.

So stand es in der Online-Bild. In der Berliner Zeitung hingegen läßt sich nachlesen:

Nach Schilderung der Mutter Patricia Appel gab es sofort Probleme zwischen Ursula Sarrazin und ihrem als hochbegabt eingestuften Kind.

Zu Beginn der Weihnachtsferien 2007 soll die Lehrerin plötzlich die Schultasche des Kindes genommen haben und Schulbücher und Unterrichtsmaterialien der zweiten Klasse reingesteckt haben.

Auf Nachfrage der Mutter soll Ursula Sarrazin gesagt haben, dass das Kind nun die zweite Klasse besuchen werde. Allerdings: Einen für eine solche Maßnahme notwendigen Beschluss der Klassenkonferenz gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Später soll die Grundschullehrerin sogar gesagt haben, dass das Mädchen die Schule gar nicht mehr besuchen werde.

So, und da werden Sie jetzt mal schlau draus. Es wird daraus auf jeden Fall ersichtlich, dass das Problem in diesem Fall nur bedingt die Versetzung ist. Ob das allerdings so passiert ist, wie von der Mutter geschildert: Wir wissen es nicht. Zumindest aber können wir ausschließen, dass es damals an "Deutschland schafft sich ab" gelegen hat. Damals war der Ehemann nämlich noch Finanzsenator - aber eben auch schon so unbeliebt, dass man ein glaubwürdiges Motiv daraus konstruieren könnte.

Sogar schon 2001 litt Ursula Sarrazin unter dieser Form von Verfolgung. Darüber können wir lesen:

Hat Frau Sarrazin mit der Blockflöte zugelangt?
tagesspiegel.de

Und dort darf sie dann sagen:

Sarrazin war von 1999 bis Sommer 2002 an der Reinfelder Schule. „Erst als mein Mann im Januar 2002 Finanzsenator wurde, wurden mir Schwierigkeiten gemacht.“

Nur steht in dem Artikel halt auch:

„In kürzester Zeit gab es einen Aufstand der Eltern und Schüler“, berichtet eine Mutter, deren Kind bis 2001 die Reinfelder Grundschule in Charlottenburg besuchte.

Naja, aber vielleicht wußten die ja einfach, was kommt, und das war dann schlimm genug - ich meine den, nicht die Sarrazin. Irgendwo dort könnte man auf jeden Fall die Wahrheit über Frau Sarrazin rausfinden .

Nicht über die Debatte, die sie, die von den Medien verfolgte, in großen Exklusiv-Interviews quasi nebenbei angestossen hat. Mein Problem ist dabei weniger, ob die Frau nun Musikinstrumente mußbraucht, sondern eher die Vielzahl von Leuten, die so degeneriert sind, dass sie sie trotzdem verteidigen würden. Aber das wäre ein Thema für einen Montag.

Jetzt ist nur noch Zeit fürs Wetter.


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