Lebenslüge der Bio-Industrie

Haha, wer sagt’s denn – die Stiftung Warentest hat mal wieder Waren getestet, dieses Mal Kartoffelchips. Ganz nebenbei: Ist es nicht ganz schön peinlich für unser Wirtschaftssystem, dass es überhaupt Warentester geben muss, damit der Betrug am Kunden nicht völlig aus dem Ruder läuft?! Angeblich überbieten sich die Anbieter doch im Kampf um König Kunde gegenseitig an Qualität bei günstigen Preisen – jedenfalls wird es in der Schulbuchbeschreibung unserer Wirtschaft so dargestellt. Offenbar gibt es aber immer ein paar Cleverles, die sich denken, dass es ganz schön blöd wäre, den Kunden zu verkaufen, was sie erwarten, wenn es doch genügt, sie glauben zu lassen, dass sie für den verlangten Preis auch die erwartete Qualität bekämen.

Für alle Freunde des Krötenschluckens: Die hier ist garantiert bio!

Für alle Freunde des Krötenschluckens: Die hier ist garantiert bio!

Eine besonders hübsche Wiese für das Spiel mit der Kundenerwartung sind Bioprodukte. Natürlich müssen ernsthafte Bioerzeuger für ihre Bioprodukte mehr verlangen, weil sie in der Regel auch mehr Arbeit in ihre Produkte investieren müssen als konventionelle Erzeuger. Auch wenn Bioäpfel oder Biosalat sich am Ende bei Vitamin- und Schadstoffgehalt kaum von herkömmlichen Obst und Gemüse unterscheiden, so ist es oft doch eine andere Wirtschaftsweise, die die Konsumenten von Bioprodukten mit den höheren Preisen, die sie zahlen, unterstützen wollen. Wobei sie sich schon klar machen sollten, dass auch Bio ein Geschäftsmodell ist, das im Kapitalismus aufgehen muss.

Und so kommt es, dass im Bioregal vom Supermarkt nebenan biologisch angebauter Knoblauch auch China oder Bio-Bohnen aus Afrika verkauft werden, was schon ein bisschen absurd ist, angesichts der vielen Kilometer Transportweg, die das Label “bio” infrage stellen sollten – und man darf sich ruhig auch fragen, warum das Biozeug aus fernen Ländern trotzdem noch billiger ist, als das Biozeug vom Biohof in der Region.

Genauso darf man sich fragen, was man von Bio-Produkten erwarten sollte, die schon von ihrem Konzept her völlig unbio sind – etwa Tiefkühlpizza oder eben Kartoffelchips. Wobei ich gar nichts gegen Tiefkühlpizza oder Kartoffelchips an sich habe, ab und zu ist es halt bequem, nur schnell mal eine Pizza in den Ofen zu schieben. So ist das eben mit der modernen Lebensweise, man hat wenig Zeit für die liebevolle Zubereitung von Mahlzeiten, also frisst man auch mal Fertigfraß. Aber der bleibt auch Fertigfraß, wenn man ihn zu absurden Preisen aus der Tiefkühltruhe im Bioladen geholt hat. Wenn ich eine “Biopizza” will, dann mache ich einen vernünftigen Hefeteig und belege den liebevoll mit Zutaten, die nicht mal vom Biomarkt sein müssen, aber frisch und lecker. Ich wette, dass der selbstgeriebene Käse aus dem Sonderangebot immer noch besser ist, als das Zeug, das der Tiefkühlkosthersteller nach zahlreichen Kostenoptimierungen als Schmelzmasse auf seine Pizza streut.

So, genug des Exkurses, zu den Kartoffelchips und der Stiftung Warentest. Die hat nämlich herausgefunden, dass teure Chips nicht unbedingt besser sind als billige. Die Biochips allerdings sind alle durchgefallen – nicht nur, weil sie alt, ranzig und pappig schmecken. Ihr Zutatenverzeichnis verschweigt außerdem, das sie geringe Anteile von Palmöl oder Palmfett enthalten. Das fanden die Tester gar nicht gut, denn diese Fette sind alles andere als bio.

Das zeigt einmal mehr: Bio ist nicht besser, sondern eine Illusion, mit der sich die Kunden ein besseres Gewissen erkaufen. Vielleicht ist der miese Geschmack der Biochips dabei sogar ein Teil des Selbstbestrafungsprogramms, weil man ja eigentlich weiß, das Kartoffelchips an sich nicht unbedingt idealer Bestandteil einer gesunden Ernährung sind und man sich auf diese Weise daran hindert, zu viel davon zu essen. Aber warum dann überhaupt Chips essen?!