Langzeitstill-Ende?

Wir haben seit einer Woche nicht mehr gestillt. War das das Ende? Ich weiß es nicht, aber es fühlt sich so an, als hätte sich nun auch mein zweites Kind, die Kleine, mit 2 Jahren und 4 Monaten ganz von allein abgestillt. Zwar später als der Große, aber genauso ohne Einwirkung von außen, ohne Frust und ohne Leid. Das ist wunderbar und ich bin sehr dankbar über zwei lange, relativ problemlose Stillzeiten und das selbstbestimmte Abstillen beider Kinder.
Über die Stillkarriere meines Großen habe ich bereits ausführlich geschrieben. Der Start war holprig und ich tat mich lange Zeit schwer mit der Fremdbestimmung, die das Stillen mit sich brachte. Er war anfangs ein dauerstillendes Baby und verweigerte sich unseren Flaschen- und Schnullerversuchen vehement. Als das Stillen aber nicht mehr nur Nahrungsaufnahme war, konnte ich es dann auch richtig genießen. Er stillte sich mit 20 Monaten selbstständig von einem Tag auf den anderen ab, als ich im 4. Schwangerschaftsmonat mit der Kleinen war. Die letzte verbliebene Stillmahlzeit mit ihm war das nachmittägliche Kita-Verarbeitungsstillen, was unumgänglich, für ihn sehr tröstend und für mich sehr inniglich war, weil er sonst überhaupt keinen Schmuse-Körperkontakt zuließ. Diese Stillkarriere ging für beide Seiten ganz und gar ruhig und zufrieden zuende und obwohl ich, wie ihr wisst, im Rückblick mit vielem aus der Babyzeit des Großen hadere, betrifft dies unsere Stillbeziehung so gut wie gar nicht.
Mit der Kleinen war der Stillstart total angenehm und einfach, sieht man vom schmerzhaften Milcheinschuss ab. Sie war kein dauerstillendes Baby, im Gegenteil, bei ihr hatte ich ob meiner reichlichen Milchproduktion öfter Probleme, wenn sie zu selten und zu wenig trank. Sehr angenehm war, dass ich bei ihr im Liegen stillen konnte, was mit mir und dem Großen irgendwie nicht funktioniert hatte. Das erleichterte vieles, vor allem die Nächte wurden dadurch wesentlich erträglicher. Beim Großen saß ich stundenlang nachts im Stillsessel, mit der Kleinen lag ich im Bett. Sie stillte auch nachts nicht so lange Stunden, dafür aber im vergleichbaren Alter noch öfter als der Große. Mit über einem Jahr wollte sie oft noch alle 1-2 Stunden nachts stillen. Das zehrte schon sehr. Auch tagsüber brauchte sie die Brust noch öfter als der Große damals, allerdings ist sie auch wesentlich körperbetonter als er und tankte dadurch gern Kuscheleinheiten. Manchmal wollte sie zuhause fast ununterbrochen stillen, was mir wirklich Schmerzen bereitete, so dass ich mich bewusst lange draußen mit ihr aufhielt. Im Freien verlangte sie in diesem Alter eigentlich nie danach. Mit 16 1/2 Monaten, vor fast genau einem Jahr, verbesserte sich ihr Nachtschlaf enorm und das nächtliche Stillen wurde fast überflüssig. Mit 18 Monaten, 5 Monate später als beim Großen seinerzeit, fiel das Einschlafstillen aufgrund ihres schlimmen Magen-Darm-Virus' weg. Unser gemeinsames Einschlafen ist seitdem eine wunderschöne, kuschelige, zärtliche Angelegenheit, die wir beide sehr genießen.
Nachdem also das nächtliche und das Einschlafstillen weggefallen waren, stillten wir noch morgens nach dem Aufwachen, nachmittags/abends nach der Kita (beim Nachhausekommen) und am Wochenende nach dem Mittagsschlaf. Seit Mitte Juni benötigte sie das nachmittägliche Kita-Verarbeitungsstillen immer weniger und irgendwann fiel es ganz weg. Auch nach dem Mittagsschlaf wollte sie nicht mehr grundsätzlich trinken. Ab und zu hatten wir auch ganze Tage ohne Stillen zwischendurch. Aber morgens jammerte sie meist sofort, wenn es nicht schnell genug die Brust gab. Das Aufwach-Stillen hielt sich bei ihr am längsten und ist eben jetzt anscheinend Geschichte. Vor einer Woche nuckelte sie an mehreren Tagen, wechselte mehrmals die Brust, weil wohl nichts mehr kam, und als ich ihr sagte, dass es mir weh täte, ließ sie auch ab. Seitdem hat sie nicht wieder gefragt. Stattdessen fängt sie morgens gleich an zu erzählen, dass sie lange (haha) geschlafen hat und Papa ihren Regenschirm reparieren soll etc.
Ich denke, das war das einvernehmliche und unspektakuläre Ende unserer überwiegend sehr schönen Stillbeziehung. Man weiß ja nie, wann es wirklich das letzte Mal gewesen ist. Als sie 3 Tage morgens nicht stillte, notierte ich mir vorsorglich das Datum. Und nun war es wohl tatsächlich so. Mit 28 Monaten, also 8 Monate später als der Große (der mir damals schon spät vorkam), stillte sie sich nun selbstbestimmt ab. Ich bin sehr dankbar über die langen Stillzeiten mit beiden Kindern, die ich trotz aller Widrigkeiten - was das Stillen betrifft - in positiver Erinnerung behalte. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich zweimal so lange stillen würde. Ich hätte nicht gedacht, dass beide Kinder sich selbstbestimmt abstillen würden. Ich konnte meine Kinder erst ernähren, dann Trost und Nähe durch die Brust geben und dadurch viele turbulente Schübe, Krankheiten und Veränderungen (wie Kitastart etc.) vielleicht etwas auffangen. Beide Kinder haben weder Flasche noch Schnuller akzeptiert und haben bis heute auch keinerlei Übergangsobjekte, die ihnen diesen Trost hätten bieten können. Mit dem unkuscheligen Großen war das Stillen lange Zeit der einzig mögliche Austausch von Zärtlichkeiten und Körperkontakt. Mit der Kleinen war das Stillen Symbol einer inniglichen, symbiotischen Verbindung. Ein ganz klein wenig Traurigkeit ist auch dabei, wenn es nun wirklich ein Ende hat. Aber es überwiegt ganz klar die Dankbarkeit und Zufriedenheit. Und das Gefühl, dass bei allen Problemen in den Babyzeiten diese Sache insgesamt gut gelaufen ist. Und das bedeutet mir wirklich sehr viel!

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