Land der Karrenbauer

Deutschland wandelt sich: Vom Land der Autobauer zum Land der Karrenbauer.

WELT-Leser

Wenn Du für mangelnde Leistung kritisiert wirst, lenke diese Kritik auf die Opfer Deiner Mangelleistung. So wie Annekröt gestern Abend, als Gabor Steingart ihr ins Gesicht sagte, er könne in Saarbrücken keine Ergebnisse guter Politik sehen. Annekröt antwortete ihm ausweichend, das sei ja wohl etwas despektierlich den Saarländern gegenüber. Nicht wahr?

Willkommen im Land der schwarzgrünen Kindergartentanten und Karrenbauer. Wo Parteitage "spannend" sind (n-tv), also vor allem der Unterhaltung dienen. Wo man das Glossar des Abendlandes umschreibt und alle in einem "reichen Land" leben. Wo man deshalb Renten besteuert. Wo man Pendlern das Bahnfahren predigt und ihnen wochentags den Müll jahrzehntelanger Misswirtschaft von Mehrdorn über Hanisch bis Pofalla zumutet. Am Adventswochenende die Preise erhöht und montags den Betrieb einstellt.

Land der Karrenbauer


Wo man die Probleme "der Menschen" (da draußen in DIESEM (nicht unserem) Land) in hübsche Hashtags verpackt und nach der Lieblingsfarbe für eine Schleife fragt (#FREIFAGULU)

In meiner Vorlesung "Prozessleittechnik" nannte ein Dozent den Alptraum aller Ingenieure, die komplexe Strukturen oder Prozesse umsetzen sollen: Widersprüchliche Zielvorgaben.

Die leistet sich der Bund nicht nur bei der Bahn. Sondern auch bei den Abgasregeln für PKW. In den 90ern wandelte der geregelte Fahrzeugkatalysator Kohlenwasserstoffe in CO2 und andere Stoffe um. Danach kam die Zielvorgabe, CO2 Emissionen zu reduzieren. Das bewirkte Entwicklungstrends in Richtung höherer und sauberer Verbrennung. Die deutschen Autobauer investierten stark in die Dieseltechnologie. Mit dem angenehmen Nebeneffekt, bei weniger Leistung mehr Drehmoment zu erzielen. Wo es immer mehr und wechselnde Tempolimits gibt, da will man wenigstens schnell überholen können.

Dann erkannten die Grünen die Nachteile niedriger CO2 Emissionen: Höhere NOX Emissionen. Aber auch hierfür entwickelten Chemiker eine Lösung: AdBlue für die Abgasnachbehandlung mittels SCR ("selektive katalytische Reduktion"). Das Versäumnis deutsche Autobauer war es, die Adblue Tanks ausreichend für vollständige Inspektionsintervalle zu bemessen und stattdessen zu Abschalteinrichtungen zu greifen. Aber an sich ist das Problem gelöst.

Wer partout bei Benzinmotoren bleiben will, der wird runtergestuft auf vier Zylinder. Aber als 924S Fahrer kann ich dazu nur sagen: So what?!

Land der Karrenbauer

Bei den VerwaltungsmodernisiererInnen, die ihre Abschlüsse in Sozial-, Europa und Verwaltungs"Wissenschaften" machten, und die ich kennen lernen durfte, gilt der Dieselskandal als das Ende von "German Engineering". Überhaupt sind sie der Meinung, dass der technische Fortschritt dringend der Begleitung ("Bundesmittel") durch Humanisten bedarf. Denn, so deren Blick auf die Welt, IT-Architektur kann man sich am Wochenende selbst beibringen, Verwaltung und Humanismus aber zeichne die wahren Gelehrten aus...

Die Scrum Master und Entwickler in meinem Projekt sehen das ganz anders. Wer hier reinkommt und meint, ohne eigenen Entwicklungserfahrung anderen die Regeln beibringen zu können, steht bald im Abseits. Verwaltungswissenschaftler (oder, wie mein Ex-Kollege sagte: "mit Abschluss in Poesie") würden hier kein Bein an die Erde bringen. Aber in der Politik, da bringen nur sie Beine an die Erde. Siehe Frau Kemfert, Frau Annekröt, Frau Hendricks ("Purple Haze"), Herr Resch.

Die sind ernsthaft der Meinung, Berlin könne seinen Güterverkehrbedarf -also seine Versorgung- mit Bahn und Lastenfahrrädern abwickeln. Wie kommt man darauf? Antwort: Man verbringt seinen Tag in Hausschuhen. Man radelt vom Prenzlberg in die Invalidenstraße oder zum Roten Rathaus und veraktet dort die neuesten Fahrverbotszonen und Umwandlungen von Straßen in "Begegnungszonen". Deren Strom kommt aus der Steckdose und der Fairtrade Tea kommt mit dem Lastenfahrrad in die Stadt. Möbel kauft man ja eh nur gebraucht. Und die Frage nach Betonmischern beantworten sie mit Holz aus eigenem Anbau.

"Karrenbauer" - man kann den Anspruch an sich selbst nicht besser benennen. Land der Karrenbauer. Das Menetekel stand an der Twitterwall in Hamburg. Jetzt folgt der Rollout über das ganze Land.


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