Laaangweilig: Die Linke und die Stasi

Bei der Wahl in Niedersachsen hat sich bereits gezeigt, dass die Sozialdemokratisierung der Linken dazu geführt hat, dass keiner mehr weiß, warum man diese Partei wählen sollte. Was allerdings nicht nur für die ehemaligen Wähler der Linken gilt. Die größte Partei im niedersächsischen Landtag müssten wie bei den Bundestagswahlen die Nichtwähler sein – diese werden aber in unserer famosen Demokratie nicht demokratisch vertreten. Wem unter den angebotenen Parteiprogrammen keines zusagt, der hat gefälligst das Maul zu halten. Dabei ist das angebotene Spektrum nicht sehr weit: Neoliberalismus pur (FDP), Neoliberalismus mit Folklore (CDU), Neoliberalismus mit sozialdemokratischer Folklore (SPD), Neoliberalismus mit Ökostrom (Grüne) und irgendwie freie Marktwirtschaft mit sozialistischer Folklore (die Linke).

Wobei die etablierten Eliten und die mit ihnen verbandelte Journaille (dazu gibt es eine sehr interessanten Artikel auf Telepolis) die Linken in Vorfeld der kommenden Bundestagswahlen sicherheitshalber mit alten Stasi-Geschichten schlecht machen, falls es doch ein paar Wählern mehr einfallen sollte, dass die Sozialdemokratie in den 70er Jahren tatsächlich mal was für die arbeitende Bevölkerung getan hat – das waren die Zeiten, in denen auch ein Arbeiter mit seinem Lohn eine Familie ernähren konnte und vor jedem Eigenheim das eigene Auto stand. Naja, fast. Obwohl damals keineswegs alles gut war, ging es den Leuten vergleichsweise gut – vor allem ging es den Leuten besser, die heute zunehmend verzweifelt ums tägliche Überleben kämpfen müssen. Damals waren die Lebenshaltungskosten deutlich günstiger, so dass man auch mit einem vergleichsweise geringen Gehalt über die Runden kommen konnte. Ungefähr das ist es, wohin die Linke zurück will: ein bisschen mehr Umverteilung. Den Gewinnern in dieser Gesellschaft etwas mehr abnehmen, damit man die notwendig vorhandenen Verlierer zum Wohle aller besser unterstützen kann. Das ist keineswegs revolutionär und wurde vor einigen Jahrzehnten auch in Westdeutschland durchaus erfolgreich praktiziert. Aber selbst dieser gemäßigte Ansatz löst offenbar schon die eingeübte Urangst des Bürgers vor der Bolschewistischen Revolution aus, die man doch mit dem Fall der Mauer und dem Zerfall der Sowjetunion endgültig besiegt glaubte.

Die dunkelschwarze Welt hofft jedenfalls, dass die Causa Gysi die Linke alles kosten könne, während die junge Welt darüber aufklärt, dass die Aufhebung der Immunität sämtlicher Abgeordneten zu Beginn jeder Legislatur ein ganz normaler Vorgang ist. Aber das wäre ja keine Nachricht, also muss man schon ein bisschen in die Klamottenkiste aus der DDR greifen. Ob das allerdings nötig ist, um die Linke zu erledigen, wage ich zu bezweifeln – das erledigt die Linke dank Spitzenleuten wie Katja Kipping oder Bernd Riexinger schon selbst.



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