Kritik - The Punisher

Kritik - The Punisher

"In certain extreme situations, the law is inadequate. In order to shame its inadequacy, it is necessary to act outside the law. To pursue... natural justice. This is not vengeance. Revenge is not a valid motive, it's an emotional response. No, not vengeance. Punishment." - 

Was kommt dabei heraus, wenn Marvel Entertainment sich als zuständiges Filmstudio dazu entschließt, eine Runde "Hitman Absolution" auf der Leinwand Wirklichkeit werden zu lassen? Die Antwort lautet: "The Punisher" aus dem Jahr 2004. Wobei "The Punisher", man muß es ganz ehrlich sagen, zu den missratensten, inszenierten Comic-Verfilmungen aller Zeiten zählt, auch wenn Hardcore-Fans des "Punishers" und Freunde von sogenannter Gaga-No-Brainer-Action dies vielleicht anders sehen möchten. Man sollte andere Meinungen akzeptieren, keine Frage, aber persönlich muß man einen Film wie "The Punisher" noch lange nicht tolerieren. Und das hat seine nachvollziehbaren Gründe: "The Punisher" gibt mit seinem dünnen Rache-Geschichte am Ende noch weniger zu goutierendes wie die schlechteste "Iron Man" Comic-Verfilmung mit Robert Downey Junior her. Und das soll schon etwas heißen. Denn trotz einer vermeidbar-lächerlichen, kugelsicheren Westen-Einlage und eines ganz routiniert-inszeniert wirkenden Auftakts mit reichlich gepfefferter Action driftet Jonathan Hensleighs Comic-Actioner haltet zunehmend ins bodenlose ab.  Damit man nicht falsch verstanden wird: Es gibt sie halt immer noch da draußen, so einige Blockbuster, die ein gewisses Maß an Spaß evozieren können. Nur ist es in "The Punisher" halt nicht der Spaß im traditionellem Sinne, der ans Geschehen fesselt. Denn vieles ist in "The Punisher" so schlecht, so das es im nach hinein dann schon wieder unfreiwillig komisch wirkt.  

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Wie zum Beispiel der Hauptdarsteller, der mit seiner ins Leben gerufenen Parole, alles dafür zu tun, um Recht und Ordnung wieder herzustellen, nicht von ungefähr an die US-amerikanische Außenpolitik von heute erinnert, die sich mittels Überwachungsskandalen etc.. mittlerweile alles erlaubt, um Stabilität auf unserem beschaulichen Fleckchen Erde zu gewährleisten. Und sogar die Freundschaft zu anderen dabei auf eine harte Bewährungsprobe stellt Einfach nur geschmacklos, solch eine eingestreute Ideologie und daraus resultierende Gehirnwäsche für das Publikum im Subtext, mit welchen Mitteln die Selbstjustiz aktuell überhaupt zu legitimieren ist. "The Punisher" überschreitet halt eine gefährliche Grenze. Darüber hinaus wirkt Thomas Jane´s ernster Rächer-Gesichtsausdruck in diesem Zusammenhang einfach nur richtig aufgesetzt, man spürt förmlich, mit welcher Verbissenheit er immer wieder versucht, dem Clint-Eastwood und Charles Bronson Rächer-Stereotypen der 70er und 80er Jahre gerecht zu werden. Nur er kann es einfach nicht, auch wenn er noch so sehr blutet, um Empathie beim Publikum zu evozieren: seine Ernsthaftigkeit beziehungsweise seine Auffassung vom angestrengtem und guten Method-Acting gerät im Verlaufe zur regelrechten Farce, wenn er sich Dank der Anweisungen der Regie halt steifer wirkender als Arnold Schwarzenegger in James Camerons erstem achtziger Jahre "Terminator" Actioner durch mittelmäßige, austauschbar wirkende Kulissen, inklusiver düsterer, heruntergekommener Bauten, also selbst wie ein umfunktionierter Roboter bewegen muss. Obwohl gerade die Menschlichkeit die Stärke des "Punishers" in der Comic-Vorlage ist, von der in der Verfilmung nach einer halben Stunde immer weniger zu spüren ist. Thomas Jane darf trotz schwerster Verletzungen also im Verlaufe kaum eine Mine verziehen und sogar ähnlich kurze Oneliner wie die "Actionlegende" der achtziger und neunziger Jahre, Arnold Schwarzenegger abfeuern, die auf Grund ihrer dümmlichen Wortwahl beziehungsweise der zu Grunde liegenden Konstruktion aktuell aber einfach völlig abgeschmackt klingen. Frank Castle ist in der "Punisher" Verfilmung lediglich eine absolute Charakterschablone, die Dialoge aufsagen muss, die von einer hohlen Nuss stammen könnten. Und der man abseits allen schauspielerischen Verständnisses kaum Leben einhauchen kann. Den Drehbuchautoren sei an dieser Stelle dafür herzlichst gedankt.     Kritik - The Punisher "It's been five months since my family was killed. I don't see ONE man in jail." -  Die Qualität all dieser Dinge wird im nach hinein auch durch die an den Tag gelegten Hochglanz- und Filter-Effekte nicht besser. Der Effekt muß in Jonathan Hensleigh Comic-Verfilmung also immer wieder der berühmt-berüchtigt gewordenen Affektiertheit weichen. Anderen US-amerikanischen, qualitativ ähnlich inszenierten Blockbustern sei Dank, die entsprechend auf "The Punisher" abgefärbt haben. Die Affektiert in "The Punisher" wird auch durch Aaron Eckhardts deutsche, für Frank Castle wieder verwendete Synchronstimme bestens unterstrichen.  Aber auch John Travolta schlägt sich in "The Punisher" am Ende nicht besser: er versucht seinem Oberschurken Howard Saint so etwas wie ein gewisses Understatement zu verleihen, dabei bleibt er mit seiner Schmiere im schön zurecht geföhnten Haar aber einfach nur blass, er spielt im nach hinein dann auch nur seinen üblichen Mister-Cool-Manierismus herunter. In der Vergangenheit trug er seinen Manierismus aber bereits deutlich packender, weil exaltierter und daher einfach bissig-wirkender vor. Im Angesicht von John Travoltas Schurken Howard Saint mit Pfeife im Mund fragt man sich aktuell nun eher, ob man es wirklich mit einem angstauslösenden, weil intelligenten oder einem eher einem nur seichten Suggar-Daddy beziehungsweise einer Pläne schmiedenden, protzig-reichen Bond-Schurken-Karikatur im Sessel zu tun hat (es fehlt in John Travoltas Arm halt nur noch die Katze, diese hätte das zur Schau gestellte Bild als Schurke perfekt abgerundet), der trotz aller neunmalkluger Vorgabe nicht einmal ansatzweise genügend Grips besitzt, um Freund von Feind unterscheiden zu können, sich also mit dem einfachsten Taschenspielertrick seines Kontrahenten aushebeln lässt. 

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Selten gab es im Bereich der Comic-Verfilmungen einen abseits aller engagierten Privatarmee, die selber die wirkliche Gefahr in "The Punisher" darstellt, einen dümmeren und am Ende auch zu wenig schlagkräftig-agierenden Schurken zu bewundern. Dabei ist die eingestreute Freund-Feind-Kennung mit John Travolta und dessen gespielter Ehefrau, die im Verlaufe nicht mehr als "Eyecandy" ist, halt nur ein Twist, der im Verlaufe lediglich als Ausrede dafür gedacht ist, damit in "The Punisher" am Ende mehr Krawumms produziert und niemals wirklich eine Geschichte erzählt werden darf, die zeit weilen so hohl wie Frank Castle´s Doppelläufer vor der Nase des Publikums daherkommt: dessen Familie wird umgebracht. Und daher bringt er alle anderen um, die sich immer wieder ein paar preiswerte Tricks einfallen lassen, um ihn wiederum umzubringen. So einfach ist das. Der Umfang der Handlung von "The Punisher" passt somit auf einen Bierdeckel. Gefaltet, versteht sich. Michael Bay hingegen wäre als Actionregisseur, der selber regelmäßig in letztere, genannten Fettnäpfchen tritt, stolz auf soviel dümmliche Kurzsichtigkeit, die jedes mal aufs neue betroffen macht. "The Punisher" ist in der Summe ein Film, der das Publikum für dumm verkauft beziehungsweise sich (fast) gar nicht um Logik schert, wenn Frank Castle im Verlaufe wie aus dem nichts, also nach 45 Minuten Laufzeit in sprunghaft-erzählter und daher unentspannt wirkender Manier,  denjenigen auf die Schliche kommt, die ihn tot sehen möchten. "The Punisher" legt auf Grund vieler Defizite somit eine kolossale Bauchlandung hin, erweist sich im Endergebnis also als ein totaler Flop.  

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"Those who do evil to others - the killers, the rapists, psychos, sadists - you will come to know me well." -   Denn auch der in seiner Brachialgewalt zugegebenermaßen funktionierende Actionhöhepunkt, wenn sich Castle mit einem hünenhaften, russischen Gegenspieler messen muss, ist keine neue Idee. Der Action-Climax trägt nämlich einen Bart , der bis in die Steinzeit hineinreicht. Denn Castles Duell ist nun zum puren Running Gag verkommen. Denn schon in Luc Bessons Action-Produktion "Kiss of the dragon" prügelte sich Jet Li mit einem albinohaftigen, riesigen, russischen Widersacher (neben einem etwas kleinerem Zwilling) der Wände und Glas zerschmetterte. Und der in "The Punisher" in nun noch etwas exaltierter, also noch überzogener Form, seine Wiederauferstehung als 2 Meter Riese feiern darf. Das alles wirkt so grotesk, das man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt. Die Ideenlosigkeit und der damit verbundene Rückgriffgriff auf altbekannte Ideen Jonathan Hensleighs, um einen Martial-Arts-Comic-Actioner gekonnt in Szene zu setzen, fällt leider den wenigsten Zuschauern am Ende auf. Aber demjenigen, der sich ein bisschen in der Filmlandschaft auskennt, am Ende schon.  
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"You're not doing drugs, are you?" "Not right now." - 

Darüber hinaus ist es um die Entwicklung der obligatorischen, in "The Punisher" später auftauchenden Sidekicks Dank eines flachen Drehbuchs auch nicht gerade gut bestellt, die  Frank Castle auf seinem Feldzug gegen das "Böse" unterstützen sollen. Denn Ben Foster und John Pinette bekommen als Pointen evozierendes Duo gar nicht erst soviel Freiraum in der Handlung zugesprochen, so das sie wie in standatisierten Comic-Erzählungen überhaupt irgendein praktisches Talent durch ihre Intelligenz hervorbringen dürfen, das Frank Castle hilfreich sein könnte. In Blade 1 und 2 beispielsweise durfte das Publikum Bekanntschaft mit Kris Kristofferson als  Abraham Whistler beziehungsweise Norman Reedus alias Scud machen, die immer eine pfiffige Idee parat hatten und eine bestimmte Funktion in der Geschichte erfüllten. Ben Foster und John Pinette hingegen sind in "The Punisher" das ins Leben gerufene, peinlich-schlechte, dümmliche Sidekick-Spiegelbild der Blade Comic Verfilmungen, deren Taten und Intelligenz hier aber leider auf ein Minimum eingedampft werden, wenn man sich z.B. am Chili con Carne verbrennen und dann die italienische Opfer auf Grund des sich dann ergebenden Schmerzes aufführen darf. Was in den ersten Momenten lustig anmutet, dann aber repetitiv und mit Dauer ermüdend wird. Denn man weiß: man hat es leider nur mit recht beschränkten Zeitgenossen zu tun, die sich permanent trottelig anstellen. Und sich nicht dümmer anstellen, als sie es in Wirklichkeit sind, der Beweis dafür fehlt halt am Ende. Das Publikum bekommt es in "The Punisher" also mit einem reinen, durch eine spätere Folter bemitleidenswerten "Dumm und Dümmer Duo" zu tun, das durch Empathie goutierbar gemacht werden soll, was durch die dann fehlende Entwicklung und Anbindung ans Publikum dann leider nicht funktionieren kann. Und das sich durch den Verrat des eigenen Drogen nehmen selber dem Spott aller Beteiligten, inklusive Widersachern, preis gebt. Dessen Aktionen unterstützen nicht die schon bereits vorher, wenn vorhanden sehr dünne Geschichte. Nein, sie sind nur ein reiner Selbstzweck. Um den bereits besprochenen, entsprechenden nicht-traditionellen Spaß, also das unfreiwillig-absurd-komische während Frank Castle´s Actionhöhepunkt zu zementieren. Der wie angesprochen eine preiswerte Luc-Bessons Imitation ist, die "Kiss of the dragon" mit samt verbranntem Gesicht des Widersachers (man achte auf die von vorgestern Qualität des Latex) zügig ins lächerliche zieht. Als Höhepunkt wird die schlechteste "El Mariarchi" Imitation der Filmgeschichte obendrauf serviert, wenn Frank Castle einem Auftragskiller im Restaurant mit Gitarre und dazugehörigen Kasten gegenüber sitzen muss.  

Kritik - The Punisher

Und wie endet "The Punisher"? Ja genau, wie bereits erwähnt mit einer der zynischsten und daher ekligen Aussagen, die das Comic-Film-Genre seit dem Jahr 2000 hervorgebracht hat. Denn für Frank Castle gibt es am Ende keine neue Familie mehr, keinen Selbstmord, der alles abschließt. Er ist nun zu einem modernen US-amerikanischen, Grenzen sprengenden "Punisher" geworden, der durch die Eliminierung seines Erzfeindes erst seine wahre Bestimmung gefunden hat: es allem übel da draußen so richtig zu zeigen, damit das amerikanische Seelenheil dabei befriedigt werden kann, selbst wenn neue Gebiete betreten  werden, in die man sich auf Rücksicht auf andere nicht bewegen sollte, z.B. in Afghanistan.  Frank Castle ist in "The Punisher" halt das per entsprechendem Metalevel evozierte gute, das alles und jeden mit dicken Totenschädel in Rente schickt. Also die Personifikation, sprich der Prototyp, wie sich Amerika aktuell halt sieht: man gibt es allen, die mit Flugzeugen bombardieren und alles in Schutt und Asche legen. Ohne sich selbst zu hinterfragen. Aber who cares, wenn einem der ätzend-glühende Patriotismus nun unverhohlen als etwas positives verkauft wird?Der "Punisher" ist nun der Soldat, für den Krieg gegen seine Widersacher nun nichts schlimmes zu vermeidendes, sondern einfach nur "Hey, Yeah, let´s shoot those motherfuckers over and over again" ist. Eine Frage, ob es nichts besseres auf der Welt gibt, als seine Widersacher mit Blei voll zu pumpen, ja die darf am Ende einfach nicht existieren. "The Punisher" offenbart sich mit samt seiner Prämisse als allergrößter Dreck, der dem Publikum mit dem schweren Kübel einfach übergestülpt wird. Ganz ehrlich: einen größeren Mist wie "The Punisher" hätte kaum noch drehen können. Nur "Transformers - Age of extinction" ist aktuell als Nicht-Film beziehungsweise eine reine Effekte-Rotationsmaschinerie noch schwieriger zu goutieren. Ja selbst ein Darsteller wie Roy Scheider wird in "The Punisher" als Guilty Pleasureverheizt. Und selbst Will Patton vermag als einziger, irgendwie noch solide agierender Schurke (nur auf die aufgesetzte "gucke mal wie cool" - Sonnenbrille hätte man verzichten müssen) das qualitative Ruder am Ende nicht mehr herumzureißen. Die Macher hatten bei Verfassen des Drehbuch am Ende einfach keine Ahnung davon, wann Leinwand-Charaktere wirklich cool agieren dürfen. Nämlich nicht allein auf Grund ihres Styles. Aber mittlerweile spricht sich das ja in Hollywood nicht mehr all zu oft herum. 

Fazit: Selten hat man mehr (ehrliche) Idiotie in geballter Form in letzter Zeit auf Zelluloid bewundern dürfen... 

Wertung: 3/10 Punkte

 

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