Kritik - Planet der Affen Revolution

Kritik - Planet der Affen Revolution

"Affen wollen keinen Krieg..." - 

Der Mensch ist das schlimmste Tier von allen. Und der Affe ist von Natur aus doch der bessere Mensch. Diesem altbekannten, gesellschaftlich-spitzfindigen Thema des schwarz-weißen "King Kong" Originals aus dem Jahre 1933  fühlte sich bereits Erfolgsregisseur Peter Jackson ("Der Herr der Ringe", "Der Hobbit") im Jahre 2005 verpflichtet, als er ein Remake einer der berühmtesten, tragischsten Figuren der Kinogeschichte inszenierte, die auf dem Empire State Buildung dem sicheren Tod, ausgelöst durch schwer bewaffnete Flugzeuge, entgegen trat. Und auch Regisseur Matt Reeves scheut sich nicht davor, die allseits bekannte Moral dieser Erzählung für seine Fortsetzung des kommerziell erfolgreichen Reboots "Planet der Affen - Prevolution" aus dem Jahre 2011 erneut aufzugreifen und um ein paar entscheidende Aspekte zu ergänzen. Die dadurch geschürten Erwartungen an eine hohe Blockbuster-Qualität sind dabei selbstverständlich nicht zu unterschätzen. Aber ist Matt Reeves für den Regie-Posten von "Planet der Affen - Revolution" Dank eines überflüssigen 2010er Remakes wie "Let me in", eines mäßigen, trashigen 90er Sequels zu "Alarmstufe Rot" und auch ansonsten durchwachsener Genre-Kost wie "The Yards" zum Beispiel überhaupt die richtige Wahl? Die Filmographie spricht in diesem Fall dann für sich: zumindest versteht Matt Reeves etwas vom visuellen, also rein oberflächlich-handwerklichen Brimborium. Aber um sein Gespür für eine unberechenbare Dramaturgie und echte, erzählerische Tiefgründigkeit war es bereits in der Vergangenheit nicht gut bestellt. 

Kritik - Planet der Affen Revolution

"Wisst ihr, was so unheimlichan Ihnen ist? Sie brauchen keinen Strom, Licht, Wärme, gar nichts, das ist ihr Vorteil, das macht sie stark..." -  

Von dieser Schwäche ist leider auch dessen Blockbuster "Planet der Affen - Revolution" betroffen, der sich auf eine recht oberflächliche Prämisse herunter brechen lässt: es können Mensch und Affe in der Natur halt nicht in Frieden miteinander leben, wenn es der böse Nachbar, der sich durch seine Gewaltaktionen immer wieder selbst abzuschaffen gedenkt, am Ende wieder einmal nicht so möchte. Und deswegen zettelt er immer wieder Kriege an. Aber mehr versteckte Anspielungen auf unser aktuelles, globales Tagesgeschehen und auf unsere zu kritisierende (menschliche) Natur  sind in "Revolution" leider nicht zu entdecken, die man in Sachen Auswirkungen selbstverständlich kontrovers diskutieren kann. Zumindest haben beide Spezies in der Fortsetzung zum Kassenhit aus dem Jahre 2011 Intrigen-Schmiede in den eigenen Reihen, die, schaut man sich den originalen Planet der Affen Klassiker aus dem Jahre 1968 an, Dank aller Ideologie der Drehbuchautoren natürlich letztendlich dafür sorgen müssen, das die Dinge sich am Ende so entwickeln müssen, wie es die Urgeschichte nun einmal verlangt. Gut und Böse müssen irgendwann in einer neu geschaffenen, rechtlich-moralischen Zone ums nackte Überleben kämpfen, bis selbst die Freiheitsstatue zusammengebrochen und bereits ein neuer Status Quo etabliert ist, durch den beide Arten noch existieren, die eine aber kaum noch. Siehe Charlton Hestons Entdeckung im Originalfilm. Gleich vier Drehbuchautoren, darunter Rick Jaffa und Amanda Silver, arbeiten in "Planet der Affen - Revolution" in den ersten Sekunden auf ein aseptisches beziehungsweise unterkühlt wirkendes Finale in "Revolution" auf eine recht unflexible Art und Weise hin. Das die Brücke zur unausweichlichen Konfrontation in einem dritten Ableger schlagen muss, dessen Ausgang passionierten Filmkennern bestens bekannt ist.   

Erzählerische Überraschungen gibt es Dank einer Reißbrett artigen Story, die auch jeder achtjährige Kinogänger Dank der strengen Kalkulation der Filmstudios verstehen muss, somit leider keine zu bewundern. Ein Krieg zwischen Mensch und Affe ist einfach unvermeidlich. Diese Tatsache wird einfach nur angesprochen, jedoch nicht per spitzfindigen Dialogen kritisiert... "Revolution" stellt halt die These auf, das der Mensch am Ende doch irgendwann komplett-blind in sein Verderben rennen wird, wenn er, wie durch Gary Oldman porträtiert, trotz aller Wachrüttelversuche nicht zuhört und den Knopf drückt, den Sprengstoff scharf macht und das Militär zur Hilfe ruft, das dann im kommenden, dritten Teil gegen die Affen verlieren muss. Ebenso handelt "Revolution" davon, das der Mensch Dank eines falschen Verständnisses von medizinischer Entwicklung, der Erschaffung eines Virus sei Dank", am Ende dahinsiechen wird. Das alles ist nun einmal furchtbar dumm. "Der Krieg hat bereits begonnen." Aber der Subtext von Matt Reeves Blockbuster bietet abseits von diesen Botschaften keinerlei neue Erkenntnisse zum Thema der überwiegend verdorbenen und weniger guten Natur der Menschen. Die durch bestimmte Reflexionen über das gesehene gewonnen werden können. Und auch sonst werden dem Publikum keine neuen Aha-Erlebnisse im Hinblick auf die Ausgestaltung der stets brüchigen Freundschaft zu den schon weiterentwickelten Primaten geboten, schaut man sich zum Vergleich die mittlerweile fünfteilige, ältere Affenreihe ab dem Jahre 1968 und selbst Tim Burtons missratenen "Planet der Affen" Ableger an. Wenn Caesar in einer Aufnahme James Franco zum Beispiel gedenken darf, herrscht in diesem Moment eher viel dramaturgischer Leerlauf vor, der dem Publikum wieder einmal als Intelligenz verkauft wird. Wie der Frosta-Kühlschrank halt, der dem Eskimo in der Eiswüste als etwas sinnstiftendes in die Hände gedrückt werden muss. Das Publikum wird im Verlaufe der Handlung nur rein passiv, also zu Gunsten eines oberflächlichen Spektakels, wie mit der Nase an einem Magneten hängend durch die künstlerisch-entworfene Manege gezogen. 

Kritik - Planet der Affen Revolution

"Caesar, das ist dein Zuhause." "Wer war das?" "Ein guter Mann wie du..." - 

Nur das Fressen und die große WETA-Effekte-Schmiede-Show interessieren, die Moral letzten Endes weniger, der Betrachter bekommt in wirklich jeder Sekunde in aller Grobheit diktiert, was als nächstes passieren wird. Und man weiß auch in wirklich jedem Moment, wie alles mit samt dürrer Prämisse perfekt-abgeleckt enden wird, wenn man die Augen beim anschauen  schließt. Oder mit anderen Worten: wenn man am Ende zu 90 % schon gar nicht mehr bei der erzählerischen Sache ist. Matt Reeves Sommer-Blockbuster "Planet der Affen - Revolution" entpuppt sich abseits aller digitalen, auf das Publikum einstürzenden Trickschlachten somit als ein durch CGI aufgepumptes, krachendes Manifest hochtrabend-abgerundeter,  perfekt-konstruierter, erzählerischer Flachheit, Vorhersehbarkeit und Langeweile, bei dem ein gewisses Maß an aktiven Mitdenken schon längst nicht mehr gefordert ist. Dem Publikum wird schon gar nicht mehr viel zugetraut, weil wie angesprochen, eine Erzählung her muß, die mit ihrer Prämisse auch die jüngsten Kinogänger nicht überfordern darf. Man braucht die immer wieder kehrenden, "Planet der Affen" typischen Intrigen zwischen Mensch und schon weiter entwickelten Primaten mittlerweile schon gar nicht mehr von alleine zu durchschauen. Denn selbst wenn auf Caesar Dank eines Konkurrenten, nicht Freundes geschossen wird, wird einem sofort aufs Auge gedrückt, wer letztendlich dafür verantwortlich ist.  Und was mit dieser Aktion bezweckt wird. Stereotyper geht es halt nicht mehr. Aber dem Publikum ist das natürlich recht herzlich egal. Denn Andy Serkis trumpft Dank seines schauspielerischen Könnens und der Motion-Capturing Technologie als Affen-Anführer "Caesar" wieder einmal groß auf beziehungsweise dominiert wie auch alle anderen, digitalen Mitstreiter, sämtliche, wichtige Szenarien. Die menschlichen Mitstreiter hingegen werden des öfteren leider zu Statisten degradiert. Andy Serkis evoziert als "Caesar" somit erneut einen "Wow" Effekt und lenkt ebenso wie Action und Atmosphäre daher ein ums andere Mal von den zu Grunde liegenden Schwächen des Films ab. Das technologische Element in "Planet der Affen -  Revolution" dominiert das Kinobild, alles menschliche muß sich in Matt Reeves Blockbuster dem jetzt neuen, noch stärker digitalisierten unterordnen, mit diesem also eins werden, sonst geht es halt verloren.

Andy Serkis ist halt der lebende Beweis dafür. Oder man schaue sich den Moment an, in dem die (digitalen) Affen erst um Erlaubnis gefragt werden müssen, ob man einen lebenswichtigen Staudamm benutzen darf. Bekommt man ihn nicht zurück, ist es halt schnell vorbei mit der aufkeimenden Herrlichkeit. Der Trend zur gigantomanischen Technisierung, der Hang zur fixen Idee der Verschmelzung von Mensch und Maschine, wenn Andy Serkis entsprechend zu Caesar und der Staudamm durch die Menschen wieder eingenommen wird, also  das sukzessive entfernen des menschlich-reinen als Allegorie auf unsere modernen Befindlichkeiten wird im Gegenwarts-Kino wieder einmal deutlich. "Revolution" handelt wie vergleichbare, moderne Blockbuster also davon, das wir uns einmal abschaffen und dann wieder als etwas neues, technologisch-menschlich besseres erfinden müssen, zum Beispiel wenn ein obligatorischer Staudamm zurückgewonnen wird, da wir ansonsten nicht überleben können. Und warum geschieht das überhaupt? Weil wir uns immer wieder gegenseitig zerstören, das ist halt grausam. Und das ist im Endeffekt alles, was "Revolution" auf der Meta-Ebene beziehungsweise in Sachen Verständnis zu bieten hat? Aber immerhin passt es in diesem Moment ja ganz wunderbar ins Bild, das sich vor  allem Gary Oldman Dank seines finalen, übertrieben wirkenden, menschlichen Irrglauben "Wir schicken sie alle zurück in die Hölle, dann ist endlich ein für alle mal Schluss mit allem schlechten auf der Welt und dann wir kehren einfach zurück in die Natur " Neben-Rollen-Auftritts beinahe zum  menschlichen Abschuss freigibt. Wenn er die Abartigkeit seines gespielten Schurken aus "Léon - der Profi" wieder aufgreift, zur Schau stellt und dabei um ein Haar selbst wie seine eigene, schauspielerische Karikatur wirkt. Was ist der Mensch in so einem Moment dann überhaupt noch wert, als Schauspieler, da draußen, gegenüber all den digitalen Affen? Oder allem anderen, wenn er nicht zuhört und durch Sprengstoff seinen nicht zu vermeidenden, saudummen, halt durch Krieg evozierten Untergang einläutet? Können wir solch eine Thematik, die uns durch "Revolution" vermittelt, also das es mit uns so oder so erst mal wieder abwärts gehen muss, überhaupt gut heißen. Also das wir mit dem Holzhammer vorgetragen bekommen, das ein Krieg leider beginnen muss, weil die Menschheit nun mal nicht alle sprichwörtlichen Tassen im Schrank hat. Und die Affen bis auf eine Ausnahme (Koba) dagegen schon? Und diese müssen dann die Menschen bekämpfen, auch wenn sie dies am Ende eigentlich gar nicht wollen? Wir sagen Dankeschön für soviel erzählerische Tiefgründigkeit beziehungsweise für diese alles andere als neuen, unsympathischen Erkenntnisse.  

Kritik - Planet der Affen Revolution

"Caesar liebt Menschen, mehr als Affen..." - 

Darüber hinaus tragen auch Darsteller wie Jason Clarke als eindimensionaler Scheren-Schnitt-Charakter beziehungsweise blass bleibender Gutmensch Malcolm am Ende dazu dabei, das der stereotype Tenor von Matt Reeves Blockbuster "Planet der Affen - Revolution" perfekt unterstrichen werden darf. "Planet Affen - Revolution" offenbart sich einfach als Film, der wie in einem künstlerischen Vakuum gefangen hält, also einen am Ende einfach zu ernüchternden, ernsten, ja fast schon verbissenen Eindruck hinterlässt. Und dieser Film lässt uns zwischendurch als auch in den letzten Momenten, wenn zum unvermeidlichen Krieg zwischen Mensch und bereits weiterentwickelten Primat ausgerufen wird, das Geschehen zu emotional-distanzierend verfolgen. Und daher innerlich irgendwie leer zurück.  Nur Dank Toby Kebbells Figur "Koba" kommt man überhaupt in den Genuss einiger kurzer, selbstironischer, wunderbarer Momente, die die auch zwischendurch immer wieder entstehende Leere zu füllen vermögen, wenn der "Menschenabschaum" nach einem Schauspiel erster Güteklasse halt halt mit einer geladenen Waffe überlistet werden darf. Aber darüber hinaus bietet "Planet der Affen - Revolution" wenige solcher Momente, die für eine entsprechende Auflockerung der erzählerischen Sturheit und vorgetragenen, vertrackten Ernsthaftigkeit sorgen. Beziehungsweise einen angenehmen Kontrast zur thematischen Oberflächkeit beziehungsweise trotz aller CGI-Actionschlachten vorherrschenden, inneren Leere bilden.   
Fazit: Wenige etwaige Versuche, für entsprechende, auflockernde Momente zu sorgen, enden des öfteren leider in manipulativ-digital-rührseligen, einfach nur zu gekünstelt wirkenden Momenten, zum Beispiel wenn der Nachwuchs im Dorf von Caesar vor den kritisch beäugten Menschen beschützt werden muss. Unsere Menschlichkeit lässt sich, solchen Momenten sei Dank, dann doch nicht vollständig kopieren und in weitere, künstliche Wesen übertragen. Selbst wenn Andy Serkis mit der aktuellen WETA-Technologie verschmilzt und als Caesar eine spektakuläre Performance abliefert. Immerhin ein kleines Trostpflaster...

Wertung: 5.5/10 Punkte

 

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