Krippenausbau mit Defiziten

Ab dem 1. August haben alle Kinder zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf einen öffentlich geförderten Krippenplatz. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) präsentierte kürzlich Zahlen, die den Ausbau der Krippen dokumentieren sollen. Demnach gibt es derzeit 712.000 Plätze und im Verlauf des kommenden Kitajahres sollen es bundesweit 813.000 werden – etwa 30.000 mehr als geplant.

Krippenausbau mit Defiziten

Collage aus der Kinderkrippe

 Dennoch mehren sich die Zweifel, ob der Ausbau den geplanten Nutzen bringen wird, zumal sich der Rechtsanspruch nur auf eine Betreuung von mindestens vier Stunden an fünf Tagen in der Woche bezieht.
Ziel des Krippenausbaus war zunächst, für 35 Prozent der Kinder eines Jahrgangs, Krippenplätze bereitzustellen. Das Deutsche Jugend-Institut (DJI) hatte 2007 die Zahl durch Befragung von Eltern ermittelt. Das entsprach etwa 750.000 Plätzen. Nach einer neuen Befragung im Jahr 2012 hab das DJI die Quote auf 39 Prozent an. Seither gilt als Zielmarke von 780.000 Krippenplätzen.
Zahlenmäßig stehen nahezu ausreichend Krippenplätze zur Verfügung, sagte Schröder. Allerdings werde der Bedarf nicht überall gleich gedeckt. So werde es in Ballungszentren Engpässe geben, erklärte der Präsident des Deutschen Städtetages Ulrich Maly. Trotz des Ausbaus werden vor allem in Groß- und Universitätsstädten Lücken bei der Betreuung bleiben. Dort liegt der Bedarf mit über 50 Prozent weit über den Prognosen der Regierung.
Erste Zweifel an der Darstellung der Familienministerin gab es nach einer Veröffentlichung des Statischen Bundesamtes. Dieses hatte mitgeteilt, dass bis zum 1. März gerade einmal 579.000 Kinder einen Krippenplatz hatten. Eine Sprecherin des Familienministeriums teilte mit, die Differenz stamme von einer unterschiedlichen Zählweise. So hätten die Länder alle baulich zur Verfügung stehenden Plätze gemeldet, ohne dass diese Plätze auch in der Praxis genutzt würden. Hinzu kommt, dass das Ministerium nicht sagen kann, wie viele Plätze für eine Vollzeitbetreuung vorgesehen sind. Das sei nicht abgefragt worden, berichtete die taz. Nur für Nordrhein-Westfalen sind bisher Zahlen bekannt geworden: Nur für 57 Prozent der Plätze seien Mittel für eine Vollzeitbetreuung beantragt worden.
Dass der Ausbau in den Großstädten so schlecht voran kommt, liegt auch an, dass sich kaum geeignete Flächen finden lassen. So konkurriere die Stadtverwaltung vielerorts in den zentrumsnahen Stadtteilen beim Kampf um Bauplätze mit finanzstarken Immobilieninvestoren, heißt es im Spiegel (Ausgabe 29/2013). Für Kita-Neubauten mit Gärten zum Spielen und Toben seien in diesen Stadtteilen keine Grundstücke mehr zu finden, sagte die Frankfurter Bildungs- und Frauendezernentin Sarah Sorge gegenüber dem Magazin. Stattdessen werden Kinderkrippen in Containern untergebracht. So hätten Firmen bereits mehrere hundert Container für Kindertagesstätten nach Baden-Württemberg, Bayern und Hessen geliefert.
Ob genug qualifiziertes Personal für die Kinderbetreuung vorhanden sein wird, ist indes auch noch fraglich. Der Sozialverband Arbeiterwohlfahrt rechnet damit, dass noch etwa 30.000 Fachkräfte zusätzlich benötigt werden. Dass die Anforderungen an die Qualifikation und der bereits niedrige Personalschlüssel sich weiter verschlechtern, wird befürchtet. So sollen in Baden-Württemberg künftig auch Sozialarbeiter, Dorfhelfer, Hebammen und Grundschullehrerinnen als Erzieher arbeiten können. In Hessen scheiterte der Versuch, mit Fachfremden auszuhelfen. Dort sollten Quereinsteiger wie Förster oder Schreiner ohne Erzieherausbildung als Fachkraft in Kitas arbeiten können. Diese Pläne wurden allerdings nach heftigen Protesten zurückgenommen.
Der Fachkräftemangel wird in den nächsten Jahren anhalten, berichtet die FAZ. Die Bundesagentur für Arbeit gehe davon aus, dass die Fachkräftelücke bis zum Jahr 2016 rund 20500 betragen wird. Gleichzeitig gibt es eine große Zahl arbeitsloser Kandidatinnen, denen keine Umschulung ermöglicht wird. Es fehle zum einen an der Finanzierung, da die Arbeitsagentur nur die ersten beiden Jahre finanzieren darf; danach müssten die Bundesländer einspringen. Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen und Thüringen hätten bisher aber keine entsprechenden Garantien gegeben. Zum anderen spielen die Ausbildungskapazitäten eine große Rolle. In sechs Ländern sind die staatlichen Schulen noch nicht zertifiziert worden, weshalb die Arbeitsvermittlung den Kandidatinnen keinen Bildungsgutschein ausstellen dürfe.
Der Betreuungsschlüssel sei entscheidend für die Qualität einer Einrichtung, sagen Experten. So empfiehlt der „Länderreport frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung einen Schlüssel von drei Kindern auf eine Erzieherin – der in keinem Bundesland eingehalten wird. Derzeit kommen im Bundesdurchschnitt 4,5 Kinder auf eine Erzieherin und im Osten sogar sechs.
Der Spiegel berichtet, dass bisher viele Kitas Mängel aufweisen. Nur 3 Prozent würden von Forschern für gut befunden – 85 Prozent für mittelmäßig und 12 Prozent für schlecht. Laut einer Studie erhalten nur 2,6 Prozent der Kinder gute Anregungen fürs spätere Lesen, für Mathematik und Naturwissenschaften. Fast zwei Drittel der Kinder kommen mit solchen Inhalten überhaupt nicht in Kontakt. Mit den vorhandenen Betreuungsangeboten lasse sich auch keine Chancengleichheit herstellen. Die Unterstützung nutzten vor allem „gut gebildete deutsche Mittelschichtsfamilien", nicht aber „sozial benachteiligten Familien oder Familien mit geringen Bildungsressourcen".
Quelle: DKP Dresden
Bild: cammaert / flickr.com

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