Konsumieren oder glücklich sein?

Konsumieren oder glücklich sein?Was haben Konsum und Glück gemeinsam? Seit einigen Jahren gibt es immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen und gesellschaftliche Diskussionen zu diesem Thema. Viele der Studien zeigen Trends auf, beschreiben die Zusammenhänge und weisen darauf hin, wie wir auch ohne Konsum glücklich sein können. Und wenn Sie diesen Satz aufmerksam gelesen haben, dann werden Sie bemerkt haben, dass er auch aussagt, dass viele Menschen heute noch eine direkte Verbindung zwischen Konsum und ihrem persönlichen Glück sehen. Wie geht es Ihnen dabei? Wie beschreiben Sie Glück? Was sind für Sie wichtige Kriterien? Erleben Sie den Konsum als einen Weg sich einmal etwas zu gönnen, mithalten zu können oder im Vergleich zu anderen gut auszusehen?

Zahlen, Fakten und Meinungen

Aus den wissenschaftlichen Studien der letzten Jahre (u.a. der Glücksforschung) nur einige wenige Hinweise zu diesem Thema:

Richard Layard, “Die glückliche Gesellschaft” – Er stellt fest, dass das Glück mit dem Einkommen nur insoweit ansteigt, bis die Grundbedürfnisse befriedigt sind. Sehr arme Menschen können danach sehr wohl mehr Glück empfinden, wenn Ihnen mehr Wohlstand und damit Kaufkraft zur Verfügung stehen. Für alle anderen Menschen konnte er diesen Zusammenhang nicht bestätigen. Im Gegenteil, in den USA zeigte sich bei einer durchschnittlichen Verdoppelung des Einkommens über die letzten 30 Jahre eine Abnahme der Zufriedenheit (42% -> 30%) und auch eine Abnahme des Glücksgefühls (35% -> 30%).

Philosophie - Einige philosophische Richtungen sehen im Streben nach Glück einen der wichtigsten Faktoren, die uns motivieren und uns antreiben.

Robert Frank (Wirtschaftwissenschaftler) hat zwischen positional und non-positional goods unterschieden. Positional goods beschreibt alle Güter, die ihren Wert durch den Vergleich mit anderen Güter bekommen. Das reicht vom Einkommen und dem Vermögen über das Auto bis hin zur Größe meines Geschenkberges.

Non positional goods hingegen tragen ihren Wert in sich und sind unabhängig von unserem Hang zum Vergleichen. Typische Güter sind unsere Gesundheit, unsere Beziehungen und unsere Autonomie. Es handelt sich also um Dinge, die wir nicht konsumieren können. Wir müssen Sie erlebbar machen, sie spüren.

Martin Seligman untersuchte Gewinner hoher Geldsummen. Sie waren drei Monate lang glücklicher als vorher, dann fielen sie wieder auf ihr ursprüngliches Glücksniveau und unterschieden sich nicht mehr von anderen.

Bei einem Ländervergleich von 54 Ländern der Erde hinsichtlich des Glücksniveaus der Einwohner lag Deutschland an Position 33. Die Plätze 1 und 2 belegten die armen Länder Venezuela und Nigeria.

Es gibt einen wachsenden Anteil der Bevölkerung, der einen bewussteren Umgang in Bezug auf unserer Ressourcen und unserer Energie pflegen. Erste Untersuchungen zeigen, dass dieses Verhalten die Lebenszufriedenheit und auch das Glück steigern.

Konsumieren Sie noch, oder sind Sie schon glücklich?

Ganz sicher ist dieser Artikel keine Einladung auf Ihren Konsum zu verzichten, er ist auch keine Einladung zur Annahme, dass wir nur ohne Konsum glücklich sein können! Wenn wir aber zu verstehen beginnen welchen Einfluss der Konsum auf unser Glück (bzw. nicht) hat und welche Möglichkeiten bestehen, sich anhaltend glücklich zu fühlen, könnte das doch zum Nachdenken anregen.

Dass wir Glück nicht kaufen können wissen wir eigentlich alle. Mit dem Wort “eigentlich” ist das aber so eine Sache. Denn in uns gibt es eben Anteile, die sehr wohl den sogenannten positional goods zugewandt sind. Es gibt nun einmal die Anteile in uns, die vergleichen, die gerne mehr haben wollen und sich freuen wenn sie vorne mit dabei sein können. Jeder von hat diese Anteile, ob wir sie wahrnehmen oder nicht, ob wir sie haben wollen oder nicht. Bei einem sind sie stärker ausgeprägt und bei anderen wieder geringer. Wir schauen auf das Gehalt, das Auto, das Haus, den Garten, den Fernseher, die Kleidung, die Anzahl der Urlaubsreisen, usw. unserer Nachbarn, der Kollegen, der Freunde und Verwandten.

Ich möchte Sie dazu einladen, Ihre Achtsamkeit im Alltag auch auf diesen Aspekt zu lenken.

  • Welche ihrer Kaufentscheidungen beruht auf den Vergleich mit anderen?
  • Wo kommen Sie erst auf den Gedanken etwas zu benötigen, weil sie es bei jemandem gesehen haben?
  • Wo entsteht die Lust am Einkauf, um mit dabei zu sein zu können oder Anerkennung zu bekommen?
  • Welchen Einfluss hat die Werbung auf Ihre Kaufentscheidungen? Wie oft haben sie nach dem Betrachten eines Artikels im Internet oder einer Zeitschrift plötzlich Lust verspürt, auch einer der “glücklichen” Besitzern sein zu wollen?
  • Wie lange hält das Gefühl des Glücks an, nachdem Sie Ihren neuen “Besitz in den Händen halten”?

Wie immer geht es nicht darum, dass diese Entscheidungen bewertet werden, sie sind weder gut noch schlecht. Wenn Sie Ihre Beweggründe besser verstehen, erlangen Sie auch die Möglichkeit bewusster Entscheidungen zu treffen. Sie können sich über die Motive und Auswirkungen der Entscheidung klar werden.

Werbung für die Emotionen

Emotionen motivieren uns zum Kauf und die Werbung nutzt genau diesen Effekt. Es wird ein Bedarf präsentiert, von dem wir zuvor nicht einmal wussten, dass wir diesen haben. Der aufputschende Kaffee wird zum wohltuenden und entspannenden Getränk mit Freunden oder in der Familie; ein Urlaub ohne Videokamera und ohne wertvolle Erinnerungen kann doch kein richtiger Urlaub sein; Autos, von denen alle vier Räder und ein Lenkrad haben wird zum Statussymbol Nr. 1 …. und sie finden sicherlich noch viele Beispiele. Konsum wird direkt mit den Emotionen verbunden, die insbesondere die Kauflust im Sinne der positional goods steigert.

Alternativen für ein “glückliches Konsumieren”

Aus den o.g. wissenschaftlichen Untersuchungen gibt es viele Möglichkeiten, sich trotz – oder sagen wir – mit Konsum auch etwas glücklicher zu fühlen. Und das auch anhaltend. Dazu wird aber eines ganz besonders benötigt – und das sind Sie selbst.

  • Bewusste Konsum-Entscheidungen
    • Nehmen Sie sich Zeit für wichtige Entscheidungen. Zeit vergrößert auch die emotionale Distanz.
    • Entdecken Sie Ihre eigenen Motive für die Kaufentscheidung. Wie wirkt sich der Kauf auf Sie aus?
    • Was würde passieren, wenn Sie diesen Artikel nicht kaufen? Wer würde es am ehesten merken? Wie würde sich das auf Sie auswirken?
    • Können Sie auf den Kauf noch einige Zeit verzichten? Wie wirkt sich dieser Verzicht aus?

  • Nachhaltiger Konsum
    • Prüfen Sie für sich selbst, ob auch Sie glücklicher sind, wenn Sie nachhaltig konsumieren. Wie fühlen Sie sich bei einer Investition in ein Solaranlage auf dem Dach, dem Kauf von Bio-Gemüse oder Fleisch, der Auswahl des Autos nach ökonomischen Kriterien und wenn Sie für den Garten Biodünger anstelle Chemie unterstützen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie nachhaltig konsumieren? Nutzen Sie Ihre nächste Kaufentscheidungen und prüfen Sie Ihre Möglichkeiten und die Auswirkungen auf Ihr Glücksgefühl.

  • Achtsamkeit im täglichen Gebrauch
    • Nehmen Sie immer wieder bewusst war, was sie derzeit besitzen. Welche Gedanken kommen dabei hoch? Welche Gefühle? Sind sie glücklich oder streben Sie nach mehr? Was würde sich verändern, wenn Sie mit dem glücklich wären, was Sie heute besitzen?
    • Nutzen Sie die Möglichkeit, sich immer wieder über den Wert der Anlage bewusst zu werden. Und ich spreche dabei nicht von dem materiellen Wert, sondern den Emotionen, die Sie damit verbinden. Was spüren Sie, wenn Sie sich in Ihr Auto setzten, Ihren neuen Computer einschalten, in Ihr Haus oder die Wohnung betreten, eine bestimmte Pflanze ansehen, die Sie für Ihr Zimmer gekauft haben.
    • Ganz egal was Sie kaufen, ich lade Sie dazu ein immer mal wieder zu fragen: Was verbinde ich damit? Welche Beziehung habe ich dazu?
  • Ent-Konsumieren
    • Lassen Sie los! Entledigen Sie sich von Dingen, die Sie nicht mehr brauchen. Weniger ist mehr …
    • Haben Sie schon einmal alte Dinge verkauft, verschenkt oder in den Sperrmüll gegeben? Sicherlich, aber wie fühlten Sie sich dabei? Ist es eher die Angst, etwas wegzugeben, das Sie doch noch brauchen könnten? Oder eher das Gefühl der Befreiung, der Erleichterung, der Ruhe? Was steht im Vordergrund vor dem Ent-Konsumieren und wie fühlen Sie sich danach?
    • Die Erfahrung vieler Menschen zeigen, dass Sie sich danach befreiter fühlten, als Sie sich das vorab nur im geringsten hätten vorstellen konnten. Ich lade Sie ein, diese Erfahrung auch einmal wieder für sich zu machen? Und wenn z.B. ein wenig Wehmut verbleibt, dann spüren Sie auch diesen, ohne ihn weiter zu bewerten.

Die hier aufgeführten Vorschläge sind sicherlich nur ein kleiner Anfang. Ich freue mich über weitere Vorschläge und den Austausch, für ein glückliches und achtsames Konsumieren. Welche Wege gehen Sie? Wie fühlen Sie sich bei den hier beschriebenen Gedanken?

Weiterhin eine achtsame Zeit wünscht Ihnen, Ihr Olaf Karwisch

Zitate

  • Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das “Billigste” ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen. (Erich Fromm, Psychoanalytiker)
  • Es ist nicht schwer, Menschen zu finden, die mit 60 zehnmal so reich sind, als sie es mit 20 waren. Aber nicht einer von ihnen behauptet, er sei zehnmal so glücklich. (George Bernard Shaw, Schriftsteller)
  • Die Reichen müssten sehr glücklich sein, wenn sie nur halb so glücklich wären, wie die Armen glauben. (Charles Tschopp)
  • Die Werbung nützt dieses Streben, in dem sie Glück mit immer neuen Produkten verspricht, immer mehr davon. (Unbekannter Autor)


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