Konservativ, progressiv - diese Unterscheidung wird täglich dümmer!

Das was heute unter der Standarte des Konservatismus durch die Lande kreucht, hat für das Konservieren, das conservare wenig übrig. Unter dieser Standarte herrscht weder struktur- noch wertkonservatives Knobeln - man will nichts erhalten, weder eine gewisse weltanschauliche Ordnung (was nicht immer schlecht sein muß!) noch eine moralische Vorstellung (was sich oft schlecht auswirkt!). Der heute vorherrschende Konservatismus ist eher rückschrittlich: nur nennt er es fortschrittlich. Er ist zum willfährigen Handlanger wirtschaftlicher Interessen zusammengeschmolzen, zum Verwalter so genannter Sachzwänge, kennt keine idealistischen Vorstellungen mehr, ist zum ideen- und wertelosen Sachwalter gemindert. Er lehnt sich nicht auf, wenn Sozialstrukturen abgebaut, Menschen zu mobilen Kapital erniedrigt, wenn selbst gesellschaftliche Räume ökonomisiert werden, die eine Aufrechnung nach Kosten und Nutzen überhaupt nicht gebrauchen können. Er will den Sozialstaat nicht bewahren - er hat nur wenig Interesse daran, den frei zugänglichen Rechtsstaat zu konservieren - er widerspricht nicht energisch, wenn Menschen unmenschlich wie Objekte verschoben und verschachert werden. Kurz, der Konservatismus hat es nicht so besonders mit konservativen Struktur- und Wertebewahrung.

Gleichwohl die eine Seite Fortschritt durch Rückschritt verkündigt, gebärdet sich vis-à-vis der moderne Progressivismus wenig progressiv. Vereinfacht gesagt: Wo der Konservatismus früher alles traditionell beim Alten halten wollte, übernimmt heute der Progressivismus diese Aufgabe. Er predigt keinen weiteren Ausbau der Sozialstrukturen, kein fortschrittliches Menschenbild, in dem der Mensch auch außerhalb seiner Erwerbsarbeit Daseinsberechtigung erlangt - er läuft den Entwicklungen hinterher, versucht zu bewahren, zu konservieren, was dem zeitgenössischen Konservatismus in seiner unkonservativen Art nicht bewahrenswert erscheint. Progressiv ist heute derjenige, der konservativ ist, der stockkonservativ zu Sozialstaat, Rechtsstaat, Mitmenschlichkeit, Solidarität, Hilfsbereitschaft steht - progressiv zu sein bedeutet dieser Tage, in bestimmten Fragen konservativ zu werden. Fortschrittlich ist an dieser modernen Erscheinung des Progressivismus wenig: erhaltend ist er, nicht weiterdenkend oder idealistisch fordernd. Vielleicht wollte er fortschreiten, alleine es fehlt die notwendige Realität dazu - die andauernde Deinstallation des Sozialwesens verbietet jedes fortschrittliche Denken. Daher ist seine moderne Losung: Nicht fortschreiten - erhalten! Bewahren! Festhalten am einstmals Erreichten! Eine bescheidene Maxime, die vergnügt gefeiert wird, wenn man wieder einmal dem Fortschritt Dienst getan hat, indem man bewahrt hat.
Der deutsche Publizist Kurt Hiller schrieb 1932 in einen Artikel: "Links, rechts – diese Unterscheidung wird täglich dümmer. Wer kommt noch mit ihr aus?" - Das liest sich wie ein Vorgriff - oder andersherum begutachtet: was sich heute abzeichnet, dünkt wie ein Rückgriff. "Linke Leute von rechts" nannte Hiller seinen Text - man möchte der Ordnung halber vervollständigen und "Rechte Leute von links" dranheften. Und alle treffen sie sich in der Mitte! Es wird tatsächlich täglich dümmer, zwischen links und rechts zu scheiden, es wird immer dümmer, zwischen konservativ und progressiv zu trennen - die Grenzen überschneiden sich nicht nur, teilweise haben sie ihre Merkmale und Kennzeichen ganz ausgetauscht. Es bedarf letztlich neuer Begriffe, zumindest ist der Gebrauch der vorhandenen Begriffe zu prüfen. Konservative, die fortschrittlich regressiv denken und Progressive, die regressiv fortschrittlich denken, werden ihrer Bezeichnung nicht gerecht. Die Folge ist, dass man es schon als Fortschritt feiert, wenn uns ein ausgehöhlter Kündigungsschutz oder ein zu überarbeitendes Gesundheitswesen erhalten bleibt - falsche Bescheidenheit!

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