Kommunikationsschwierigkeiten

Habt ihr’s schon gewusst? Online-Kurse sind in den USA das neueste Ding. Und weil irgendjemand in meinem Institut das Gerücht gestreut hat, ich könnte ganz gut mit Computern umgehen, darf ich dieses Semester erstmals einen unterrichten: Einführung in die menschliche Kommunikation… faszinierendes Zeug.

In diesem Kurs ist alles online: die Tests, die Diskussionen, und auch die Beratung durch mich, die findet per E-Mail statt. da E-Mail gelesen und beantwortet werden wollen habe ich meinen Studis zu Beginn des Semesters klargemacht, dass alle Fragen zu Aufgaben mindestens 24 Stunden vor der Abgabefrist an mich geschickt werden müssen. Ansonsten kann ich nunmal nicht garantieren, dass die Antwort rechtzeitig kommt um ihnen noch etwas zu nutzen. Aber Moment, schrieb ich da “klargemacht“? Erlaubt mir, mich zu korrigieren: Es muss “mitgeteilt” heißen. Dass es manchen ganz und gar nicht klar ist erkennt man an dieser E-Mail-Korrespondenz mit einer meiner Studentinnen, die sich am vergangenen Sonntag zwischen 16:41 und 18:35 Uhr ereignete und sich um die Hausaufgabe drehte, die um 20 Uhr elektronisch abgegeben werden sollte. Lassen wir uns die Studentin “Jessica” nennen.

Zur Info, die Aufgabe lautete ungefähr so: Die sozialen Erwartungen gegenüber der nonverbalen Kommunikation von Männern und Frauen sind unterschiedlich. Von Frauen wird beispielsweise eher erwartet, dass sie freundlich sind, viel lächeln, und ihre Gesprächspartner durch Nicken etc. laufend bestätigen. Bei Männern werden z. B. Stille und ein grimmiger Gesichtsausdruck eher toleriert. Verletze diese Normen einen Tag lang und kommuniziere nonverbal wie eine Person des anderen Geschlechts. Berichte in 300 Wörtern, wie deine Mitmenschen darauf reagieren.

Studentin [16:41]: Hallo Professor Nau (ja, so nennt sie mich), ich habe die Kapitel im Buch gelesen, bin aber ein bisschen verwirrt und glaube, ich verstehe die Aufgabenstellung nicht richtig.sollen wir eine Situation beschreiben?bitte antworten sie mir, damit ich die Aufgabe richtig lösen kann.

Ich [16:55]: Hallo Jessica, die Aufgabe ist, genau das Gegenteil von dem zu tun, was normalerweise von dir als Frau bezüglich deiner nonverbalen Kommunikation erwartet wird. Frauen sollen normalerweise viel lächeln, nicken, und gestikulieren. Tu einen Tag das Gegenteil davon und beschreibe, wie deine Mitmenschen darauf reagieren. Viele Grüße, Charlotte.

Studentin [17:03]: Ja, es ist jetzt klar.vielen Dank für die Hilfe!

Ich [17:04]: Freut mich, das zu hören!

Studentin [17:45]: Sollen wir eine Situation beschreiben?

Ich [18:01]: Nicht unbedingt. Allgemeine Beobachtungen sind auch in Ordnung. Konkrete Situationsbeschreibungen würden die Sache aber interessanter machen.

Studentin [18:09]: ich verstehe die Aufgabe nicht.ich verstehe, was ich schreiben soll, aber nicht, wie ich es schreiben soll.ich habe eine Situation beschrieben, nehme aber an, dass das nicht das ist, was Sie wollen.können Sie mir ein Beispiel geben, wie wir die Aufgabe lösen sollen.

Ich [18:10]: Das wird schon in Ordnung sein. Gib es einfach ab.

Studentin [18:19]: Als ich Ihre letzte E-Mail gelesen habe habe ich es gelöscht.wenn Sie mir ein Beispiel geben mache ich es.

Ich [18.32]: Liebe Jessica, erstens: Wenn du Fragen zu einer Aufgabe hast, bitte schick sie mir nicht so kurz vor der Abgabefrist sondern gib mir mindestens einen Tag. Zufälligerweise arbeite ich heute am Computer aber das wird nicht an jedem Sonntag Abend der Fall sein. Außerdem, warum hast du die Aufgabe gelöscht? Bitte speichere sie in Zukunft. Um auf die Aufgabe zurückzukommen: Die Fragestellung ist hauptsächlich dazu gedacht, euch zum Nachdenken anzuregen und ist deswegen nicht hundertprozentig spezifisch. Wenn du eine Situation beschreiben willst ist das absolut in Ordnung. Ich hoffe, jetzt ist alles klar. :-) (<– man beachte das Grinsegesichtchen!) Viele Grüße, Charlotte.

Studentin [18:35]: ich dachte halt da Sie die Dozentin sind könnte ich jederzeit Fragen stellen.die Aufgabenstellung war nicht klar.aber ich werde nie wieder irgendwelche Fragen stellen.schönen Abend noch.

Also ich bin ja keine große Pädagogin… aber WAS HABE ICH BITTE FALSCHGEMACHT?



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