Klima: Das Wetter ist schuld

Gut, dass das mal klar ist. Der "harte Winter sagt nichts über den Klimawandel aus" hat die für gewöhnlich eher pro Wetter eingestellte Zeitschrift "Die Welt" herausfinden können. Zwar sei es eine Dekade war es in Deutschland immer zu warm gewesen, zumindest gemessen am Temperaturdurchschnitt, den einzuhalten sich das Wetter bereits vor Jahren verpflichtet habe. Doch "in diesem Jahr ist dieser Trend eiskalt durchbrochen worden" - es gibt, gemessen an den Erwartungen, viel zu viel Schnee und viel zu wenig Hitze.
Doch ein kalter Winter in Europa kann "zugleich eines der heißesten Jahre weltweit bedeute", sagen Forscher. Denn wer ein richtiger Klimaforscher ist, der macht passend, was nicht zusammen zu passen scheint. Gerade noch warnten Experten in eben jener "Welt" "vor extrem kalten Wintern infolge des Klimawandels". Als die dann nur einen knappen Monat später wirklich richtig kalt wurden, sagt das schon "nichts über den Klimawandel aus".
"Das Klima wandelt mittlerweile dermaßen schnell, das harte Winter nichts mehr mit Klimawandel zu tun haben, so ist zumindest der heutige Stand", fasst Hobby-Klimatologe Die Anmerkung zusammen. Global betrachtet ist es schließlich immer irgendwo warm, während es irgendwo anders kalt sein kann. Letztlich kommt es darauf an, überdurchschnittliche Temperaturen immer auf den Deckel des Klimawandels zu schreiben, während unterdurchschnittliche stets aufs Konto des mit aller Technik einfach noch nicht ausreichend erforschbaren lokalen Wetters gebucht werden. "Gerade bei kleinräumigen Tiefdruckgebieten werden die Vorhersagen schon nach dieser kurzen Zeit sehr ungenau", hatte ein führender Wetterforscher schon im Sommer in der Klimakatastrophenbegleitschrift "Die Zeit" erläutert.
Die derzeitige Aufregung über den Winter ist dann nach Ansicht von Klimaforschern "übertrieben", wie es in der "Welt" heißt, die wie alle deutschen Zeitungen seit drei Wochen nur noch ein Thema kennt: Aufregung über den Winter. Ein Prof. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wird anschließend mit dem Satz zitiert „Wir hätten uns vielmehr fragen müssen, sind zehn relativ milde Winter davor normal?“.
Der Mann verbrachte offenbar die letzten neun Jahre durchweg auf einer einsamen Insel im Eismeer. Dadurch hat er völlig verpasst, dass diese Frage nicht nur seit Jahren gestellt, sondern alle naselang auch ohne Not beantwortet wurde: Nein, nichts ist normal! Wind und Wetter, heiß und kalt, Schnee und Sonne, Regen und Trockenheit, immer ist es zuviel, zuwenig oder viel zuwenig Zuviel. Wie schlimm es wirklich um unser Klima steht, zeigt schon die Tatsache, dass der staatliche Deutsche Wetterdienst, die Landesbank unter den Vorhersageversuchern, in den zurückliegenden zwölf Monaten sagenhafte 20.000 Unwetterwarnungen veröffentlichen musste - das sind rund 54 pro Tag!
Mit anderen Worten: Der Alarm ist Alltag und die Schwierigkeiten der Vorhersage haben immer andere Gründe. Ja, wie der Temperaturdurchschnitt auf Galapagos im Jahr 2165 sein wird, das ist leicht zu sagen. Vor allem wird es keiner nachprüfen. Aber warum letztes Wochenende minus 15 Grad angesagt waren, es dann aber leicht zu tauen begann? «Die extreme Kälte ist besonders kompliziert», erklärte ein DWD-Meteorologe dazu schon im vergangenen Jahr vorsorglich «so eine extreme Wetterlage kommt nur alle zehn Jahre oder seltener vor».
Oder aber eben zwei Jahre hintereinander. „Harte Winter wie der vergangenen Jahres oder jener 2005/06 widersprechen nicht dem Bild globaler Erwärmung, sondern vervollständigen es eher“, sagt Vladimir Petoukhov, noch ein Mann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das in diesen schweren Tagen für die Klimaforschung alles an Begründern aufbietet, was noch nicht im Eismeerurlaub ist. Das Schöne daran: Das Bild wird noch mehr vervollständigt durch die Forschungen von Axel Bojanowski, der bereits im Mai entdeckt hatte, "dass sich die Ozeane seit sieben Jahren nicht mehr erhitzen, obwohl die Sonnenstrahlung immer intensiver wird." Professor Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimaforschung, das vor zwei Jahren noch mit einer Verdopplung der Zahl der Sommertage mit über 25 Grad 40 pro Jahr rechnete, nicht aber mit einer Verzehnfachung der Zahl der Wintertage von 9 auf 90, sieht die Verantwortung für die Purzelbäume beim Wetter in der Klimaveränderung. Dazu steht auch der Deutsche Wetterdienst. Dass es in diesem Jahr mal nicht wärmer war als im letzten, sei "auf die winterlichen Werte im Januar und Februar sowie im Dezember zurückzuführen".
Schuld am Klima ist also das Wetter, während für das Wetter das Klima verantwortlich gemacht werden muss. Tiefe Temperaturen werden damit durch Kälte verursache, sommerliche Hitze hingegen oft durch Sonnenschein. Da ist sich der Potsdamer Geowissenschaftler Prof. Reinhard Hüttl im Grunde schon ziemlich sicher, wie er der "Welt" an deren Leser mitgab. "Unterschiedliche Sonnenaktivitäten" nähmen "Einfluss", im übrigen „verstehen wir das System noch nicht hinreichend.“
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